In 19 Städten sitzt keine einzige Frau in der Regierung

Neue Zahlen zeigen: Die Exekutiven der Schweizer Städte bleiben männerdominiert. Von einer Aufholjagd der Frauen kann keine Rede sein.

Der Frauenanteil hat zugenommen, aber noch immer ist nur jedes vierte Mitglied einer städtischen Exekutive eine Frau. Grafik: Dino Caracciolo / Daten: BfS


In Uster ist am letzten Wochenende eine Frau Stadtpräsidentin geworden, in Winterthur schaffte es die weibliche Kandidatin immerhin, den männlichen Amtsinhaber unter Druck zu setzen. Doch solche (beinahe) Erfolgsgeschichten sind weiterhin die Ausnahme, wie neue Zahlen aus der ganzen Schweiz zeigen. Noch immer ist nur jedes vierte Mitglied (26,5 Prozent) einer städtischen Exekutive eine Frau.

Das geht aus den neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik hervor. Es hat diese Woche die Daten zu den Schweizer Stadträten aktualisiert. Erfasst sind darin aktuell 1059 politische Mandate in 162 Städten. Eine grosse Zahl, die wenig Raum für Zufallsergebnisse lässt. Zum Vergleich: In den 26 Kantonsregierungen liegt der Frauenanteil aktuell bei 24 Prozent, in den Geschäftsleitungen der 100 wichtigsten Schweizer Unternehmen bei 7 Prozent.

Am Stichtag 1. August 2017 waren von den 1059 Mandaten in Schweizer Stadträten 778 von Männern besetzt und 281 von Frauen. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man die finanziell attraktiveren vollamtlichen Mandate und die nebenamtlichen Mandate getrennt vergleicht: Bei den nebenamtlichen Mandaten waren 27,6 Prozent von Frauen besetzt, bei den vollamtlichen Mandaten waren es 21,6 Prozent. Eine Frauenmehrheit hatten am Stichtag nur 9 von 162 Schweizer Städten. Gar keine Frauen sassen in den Exekutiven von 19 Städten, wie zum Beispiel Chur, Regensdorf, Bellinzona und Locarno.

So hat sich der Frauenanteil der Parteien bei ihren Mandaten in den Exekutiven der Schweizer Städte entwickelt. Grafik: Dino Caracciolo / Daten: BfS

Vergleicht man die aktuellen Zahlen mit jenen aus früheren Jahrzehnten fällt auf: Der Frauenanteil stagniert seit längerem. Schon Mitte des letzten Jahrzehnts kamen auf eine Frau in einer Stadtregierung drei Männer (2005: Frauenanteil 24,9 Prozent). Es gibt also seit über einem Jahrzehnt kaum noch Veränderung.

Das war nicht immer so: Seit der Frauenanteil in den Stadtregierungen 1983 ein erstes Mal statistisch erfasst wurde, hat er sich mehr als vervierfacht. Damals kam die Schweiz auf 5,8 Prozent Stadträtinnen. Zehn Jahre später immerhin schon auf 15,8 Prozent.

Die EVP liegt an der Spitze

Interessant ist auch der Vergleich der Parteien. Den höchsten Frauenanteil hat aktuell die EVP mit 47,4 Prozent (9 von 19 Mandaten), gefolgt von den Grünliberalen mit 41,7 Prozent (10 von 24 Mandaten). Bei den grossen Parteien mit jeweils deutlich über 100 Mandaten liegen die linken deutlich vor den bürgerlichen: Der Frauenanteil ist bei der SP (40,7 Prozent) fast viermal so hoch wie bei der SVP (11,0 Prozent). Und fast doppelt so hoch wie bei FDP (22,3 Prozent) und CVP (24,3 Prozent).

Die SP ist dafür die einzige der grossen Parteien, deren Frauenanteil im Vergleich zur Mitte des letzten Jahrzehnts leicht gesunken ist. 2005 kam die SP noch auf einen Frauenanteil von 41,2 Prozent.

Einsam bei der SVP

Eine Frauenmehrheit gibt es aktuell bei keiner Partei. Im Langzeitvergleich war dies lediglich zu Beginn der 1990er-Jahre einmal bei den Grünen der Fall. Sie kamen 1993 auf einen Frauenanteil unter ihren Stadträten von 53,8 Prozent. Dies allerdings bei insgesamt lediglich 13 Mandaten. Zehn Jahre später hatten die Grünen die Zahl ihrer Mandate fast verdoppelt – und den Frauenanteil fast halbiert (29,2 Prozent).

Ziemlich einsam dürfte man sich schliesslich 1983 als Stadträtin der SVP gefühlt haben. Genau 1 Mandat wurde damals von einer SVP-Frau gehalten. Von Myrtha Simmen in Adliswil im Kanton Zürich.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2018, 15:58 Uhr

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