IV-Rentner erhalten vorerst keinen Zuschlag

Mit der Rentenreform werden AHV- und IV-Renten erstmals nicht mehr gleich hoch sein. Behindertenverbände hoffen, dass die IV-Renten später ebenfalls erhöht werden.

IV-Bezüger lebten noch häufiger in knappen finanziellen Verhältnissen als AHV-Rentner, sagt Julien Neruda vom Dachverband Inclusion Handicap.

IV-Bezüger lebten noch häufiger in knappen finanziellen Verhältnissen als AHV-Rentner, sagt Julien Neruda vom Dachverband Inclusion Handicap. Bild: Urs Jaudas

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Seit 1960, der Einführung der Invalidenversicherung (IV), orientieren sich die IV-Renten an der Höhe der AHV-Renten. So beträgt zurzeit die maximale IV-Rente 2350 Franken im Monat, gleich viel wie die maximale Einzelrente der AHV. Auch die Minimalrenten sind mit 1175 Franken zurzeit gleich hoch. Sollte die Renten­reform am 24. September eine Mehrheit finden, wird das Rentenniveau der AHV jedoch künftig um 70 Franken höher sein als jenes der IV.

Die Ungleichbehandlung der IV-Rentner bei der Rentenhöhe sei bedauerlich, sagt Julien Neruda vom Dachverband Inclusion Handicap. «Eine spätere Angleichung an die AHV-Renten wäre deshalb wünschenswert.» Denn IV-Bezüger lebten noch häufiger in knappen finanziellen Verhältnissen als AHV-Rentner. Dennoch unterstütze der Verband die Rentenreform. Positiv sei, dass in der zweiten Säule Teilzeitbeschäftigte und Erwerbstätige mit Niedriglöhnen besser versichert würden. Davon profitierten Menschen mit Leistungseinschränkungen. Zudem profitierten Menschen mit Behinderungen bei Erreichen des AHV-Alters besonders vom AHV-Zuschlag.

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Die politischen Befürworter der Rentenreform halten sich hingegen zurzeit mit Forderungen nach einer Erhöhung der IV-Renten zurück. Für SP-Nationalrätin Silvia Schenker ist die Ungleichbehandlung der IV-Rentner zwar störend. Allerdings sieht Schenker zurzeit keine politische Mehrheit für die Forderung. Die Linke werde bei der anstehenden IV-Revision vor allem verhindern müssen, dass die Rechte aus der Bundesratsvorlage eine Sparvorlage mache.

Gegner fordern Klartext

«Für uns ist klar, dass die Forderung nach Erhöhung der IV-Renten gestellt wird, sollte die Reform angenommen werden», sagt Matthias Leitner, Kampagnenleiter des gegnerischen Komitees. Dass dies von den Befürwortern zurzeit niemand deutlich ausspreche, sei ärgerlich. «Die Befürworter verschleiern damit die finanziellen Konsequenzen, die die Rentenreform nach sich zieht.» Laut Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) würde eine Angleichung der IV-Renten an die AHV-Renten rund 70 Millionen Franken im Jahr kosten (berechnet für das Jahr 2030). Leitner verweist darauf, dass die IV zurzeit noch 11 Milliarden Franken Schulden beim AHV-Fonds hat.

Damit die Linke im Parlament eine Mehrheit fände für eine Erhöhung der IV-Renten, wäre sie auf die CVP angewiesen. Für CVP-Nationalrätin Ruth Humbel kommt eine Erhöhung der IV-Renten aber nicht infrage. Der AHV-Zuschlag sei eine Teilkompensation für die Senkung des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule, sagt die Co-Präsidentin des bürgerlichen Komitees für die Rentenreform. Davon seien die IV-Rentner nicht betroffen, weshalb es keine Erhöhung der IV-Renten brauche.

Schere wird sich weiter öffnen

Die Entkoppelung der AHV- von den IV-Renten führt auch dazu, dass ein künftiger Teuerungsausgleich bei der AHV höher ausfällt als bei der IV. Denn der mit dem sogenannten Mischindex berechnete Ausgleich erfolgt auch auf den 70-Franken-AHV-Zuschlag. Das Gleiche gilt für den gesonderten Zuschlag, den Ehepaare mit der Reform auf ihre AHV-Renten erhalten. Tendenziell wird also die Differenz zwischen AHV- und IV-Renten grösser werden, sobald die Renten wieder der Teuerung und der Wirtschaftsentwicklung angeglichen werden. Der Bundesrat prüft in der Regel alle zwei Jahre aufgrund des Preis- und des Lohnindexes (Mischindex), ob die Renten erhöht werden. Aufgrund der negativen Teuerung wurde auf 2017 der Ausgleich erstmals ausgesetzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2017, 08:34 Uhr

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