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«Schweiz-EU, wie weiter?» – Ueli Maurer und Roger Köppel trugen im Aargau ein Heimspiel aus.

Greatest Hits of Roger Köppel: «Wir wollen durchaus keine fremden Richter.» (Archiv)

Greatest Hits of Roger Köppel: «Wir wollen durchaus keine fremden Richter.» (Archiv) Bild: Martial Trezzini/Keystone

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Die Mehrzweckhalle Holziken mit ihren Basketballkörben und ihrem Turnhallenboden ist gut gefüllt, über 200 SVP-Partei­leute sind gekommen. Es gibt Fleischkäse mit Brot und Gurke, Blaskapelle und Nationalhymne und zwei Prominente: SVP-Nationalrat Roger Köppel, dessen «Weltwoche» auf den Tischen aufliegt, und Finanzminister Ueli Maurer, der als erster reden wird.

Die beiden sind in den Aargau gekommen, um über das Thema «Schweiz-EU, wie weiter?» zu verhandeln. So wie man die Referenten kennt, gibt es kein Weiter, aber es interessiert, ob Maurer gegen seine Kolleginnen und Kollegen austeilt, die er am Mittwoch zur europapolitischen Debatte treffen wird.

Der Bundesrat macht von Anfang an klar, dass er diesmal kein Interesse an einer Polemik hat. Ohne Angst vor der Komplexität erklärt er seinen Wählern, wie es um den bedrohten Rahmenvertrag mit der EU steht. Das Wortpaar «fremde Richter» kommt relativ bald, aber Maurer legt Wert darauf, nicht seine Differenzen zum Bundesrat auszuführen, sondern die Gemeinsamkeiten.

Am meisten Distanz markiert er zum Gewerkschaftsführer Paul Rechsteiner und tut so, als wolle auch der Bundesrat die Arbeitnehmer vor Dumping-Löhnen von EU-Mitgliedern schützen. «Deutschland und Österreich haben dasselbe Problem», sagt Maurer, zum Beispiel mit Weissrussland. Dass die EU wegen des Brexits der Schweiz keinerlei Zugeständnisse machen kann – das, sagt Ueli Maurer, könne er gut verstehen. Letzten Endes plädiert der Finanzminister für ein Stillhalten und Abwarten. «Kommt dieses Rahmenabkommen nicht», sagt er unter Gelächter, «kommt ein anderes.» Die EU wolle nicht nachgeben, die Schweiz brauche nichts. Auch dieser Satz kommt gut an.

Dass der Bundesrat vor dem Nationalrat spricht, überrascht ein wenig, aber sobald Köppel ins Mikrofon redet, wird die Reihenfolge rhetorisch klar: Köppel ist der bessere Unterhalter, sein entflammter Vortrag wird immer wieder von Applaus und Gelächter unterbrochen. Schon sein erstes Bekenntnis produziert beides: «Es freut mich, dass an diesem Ort ein Journalist mit Applaus bedacht wird.»

Greatest Hits of Roger Köppel

Neues hat der heitere Publizist mit radikalen Ansichten nicht zu sagen, er gibt die Greatest Hits of Roger Köppel, wie man sie von ihm schon kennt: Die rote Linie, von welcher der Bundesrat redet in der Schweizer Beziehung zur Europa, sei im Bundesbrief von 1291 im Satz festgehalten: «Wir wollen durchaus keine fremden Richter.» Die EU sei nach zwei Weltkriegen eine gute Idee gewesen, sei aber kaputtgemacht worden durch den Beschluss, aus dem Staatenbund einen Bundesstaat zu zimmern.

Die grössten EU-Turbos ortet Köppel ohnehin nicht in der EU, dort sässen nämlich die Bewunderer der Schweiz. Nein, die grössten Fans wähnt er im Departement für Auswärtiges.

So geht das weiter, im Ton gutgelaunt, in der Rhetorik brillant, in der Sache absehbar – mit einem Rahmenvertrag würde die Schweiz mit der EU verschraubt, und sie verlöre ihre Eigenständigkeit: ihre Stimme, ihre Neutralität, ihren Föderalismus. Sowieso gründe die Liebe so vieler Schweizer Politiker zur EU in der Sehnsucht nach Machterhalt.

Der Applaus ist gross. Holziken 2, Brüssel 0. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2018, 06:46 Uhr

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