Höheres Rentenalter: So machen es andere Länder

Arbeiten bis 70? In den Niederlanden dürfte das Tatsache werden. Der Schweiz-Vergleich mit dem Rest der Welt.

Dynamisches Rentenmodell – zugunsten künftiger Generationen: Arbeiter auf einem Tulpenfeld in den Niederlanden. (Foto: Francis Dean/Getty Images)

Dynamisches Rentenmodell – zugunsten künftiger Generationen: Arbeiter auf einem Tulpenfeld in den Niederlanden. (Foto: Francis Dean/Getty Images)

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Noch vor zwei Jahren konnten die Niederländer mit 65 Jahren in Pension gehen. Seither steigt das gesetzliche Rentenalter jedes Jahr um drei bis vier Monate. Aktuell beträgt es 65 Jahre und 9 Monate. 2022 werden die Menschen erst mit 67 Jahren und 3 Monaten pensioniert. Von da an wird das Rentenalter mit der Lebenserwartung gekoppelt.

Niederländer, die wissen wollen, was das für sie bedeutet, finden im Internet Rechner, die aufgrund der heutigen Trends das zukünftige Rentenalter voraussagen. Beispiel: Wer heute seinen vierzigsten Geburtstag feiert, kann damit rechnen, dass er bis Ende November 2047 arbeiten wird – erst mit 70 Jahren und 3 Monaten wird er das Pensionsalter erreicht haben.

Es geht allen entwickelten Staaten ähnlich: Tiefe Geburtenraten, zunehmende Alterung und die Folgen der Finanzund Schuldenkrise gefährden die Altersvorsorgesysteme. Alle Mitgliedsländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben deshalb Reformen angestossen, um ihre Systeme für künftige Generationen finanziell über Wasser zu halten.

Chile, Israel und die Schweiz bevorteilen die Frauen

In den meisten OECD-Ländern wurde das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben. In Irland steigt es bis 2028 gar auf 68, in Island auf 69 Jahre. Manche Länder ermöglichen frühere Pensionierungen bei voller Rente, wenn die Versicherten eine gewisse Mindestanzahl an Jahren gearbeitet haben, so etwa Frankreich.

Wie die Niederlande haben Dänemark, Finnland, Grossbritannien, Griechenland, Italien, Portugal, die Slowakei und Zypern beschlossen, das Rentenalter in Zukunft an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Die Schweiz als Land mit einer der höchsten Lebenserwartungen und gleichzeitig einem tiefen Rentenalter hat hier noch keine nachhaltige Lösung gefunden.

Fast alle Länder haben ausserdem das tiefere Rentenalter für Frauen bereits an jenes der Männer angepasst oder werden dies in den nächsten Jahren tun. Nur Chile und Israel haben sich wie die Schweiz noch nicht zu diesem Entscheid durchgerungen.

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In vielen Ländern wurden Anreize zu Frühpensionierungen beseitigt oder Anreize geschaffen, damit die Menschen länger arbeiten. Einige haben die Beiträge erhöht oder versuchen, den Rentenanstieg zu bremsen, etwa über Anpassungen der Indexierung, welche die Renten an die Entwicklung der Teuerung oder der Löhne koppelt.

Steigt die Lebenserwartung, steigt das Rentenalter

Vorangegangen war bereits in den 1990er-Jahren ausgerechnet das soziale Vorbild Schweden. Nach einer schweren Krise beschlossen die Schweden radikale Reformen an der zunehmend in Schieflage geratenen Altersvorsorge. Wie die schweizerische beruht die schwedische Altersvorsorge auf mehreren Säulen. Sie enthält sowohl umlagefinanzierte wie auch kapitalgedeckte Elemente.

Bei steigender Lebenserwartung müssen die Schweden länger arbeiten, wenn sie mit der gleichen Rente in Pension gehen wollen wie ihre älteren Kollegen. Je länger die Pensionierung hinausgeschoben wird, desto höher die Rente. Möglich sind auch Teilrenten.

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Wenn die Guthaben im Einkommensrentensystem unter die Verbindlichkeiten sinken, werden die Altersguthaben und die Renten automatisch schlechter verzinst, so lange, bis die Guthaben die Verbindlichkeiten wieder decken. 2010 und 2011 führte dieser Mechanismus zu Rentenkürzungen. Auf grossen politischen Druck gab es Anpassungen, aber der Automatismus blieb in Kraft.

Der Einbau von Automatismen wie in Schweden ergibt Sinn. In der Schweiz ist das Gegenteil der Fall: Der Umwandlungssatz, mit dem das Kapital in eine Rente umgerechnet wird, ist abhängig von der Lebenserwartung und der Kapitalrendite. Obwohl beides nicht beeinflussbar ist, wird er nach wie vor politisch festgesetzt. Armin Müller

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.08.2017, 11:26 Uhr

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