Franz Weber sagt Ecopop ab

Die Umweltorganisation Ecopop muss im Kampf für ihre Zuwanderungsinitiative auf den Naturschützer verzichten. Jetzt hofft sie auf Thomas Minder.

Patrick Feuz@patrick_feuz

Zuerst half Franz Weber, dass die wachstumskritische Volksinitiative überhaupt zustande kam. Nachdem es Ecopop selber nicht geschafft hatte, genug Unterschriften für die Initiative «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» zu sammeln, sprang im Sommer 2012 der prominente Naturschützer ein. Nun hat ihn Ecopop auch mit Blick auf den Abstimmungskampf um Hilfe gebeten, doch ohne Erfolg: «Dem Unterstützungskomitee beizutreten und aktiv für die Initiative zu kämpfen, ist für meinen Vater keine Option», erklärt Vera Weber auf Anfrage. Sie selber werde ebenfalls nicht mitmachen. «Uns fehlen die zeitlichen und finanziellen Ressourcen.»

Dass der erprobte Abstimmungskämpfer Weber absagt, ist ein Rückschlag für den kleinen Öko-Verband, der mit der Initiative das migrationsbedingte Bevölkerungswachstum auf 0,2 Prozent pro Jahr beschränken will. Auch sonst läuft die Suche nach zugkräftigen Komiteemitgliedern harzig. So blieb die Hoffnung unerfüllt, grüne Politiker für das Volksbegehren zu gewinnen, wie Ecopop-Sprecher Alfred Fritschi sagt.

Fest rechnet Ecopop mit dem früheren Direktor des Bundesamts für Umwelt, Philippe Roch, der sich öffentlich für die Initiative ausgesprochen hat. Mit seiner Zusage, dem Komitee beizutreten, warte Roch aber zu – er wolle wissen, wer sonst dabei sei. «Aus Rücksicht auf Roch werden wir keine SVP-Hardliner anfragen.»

«Ein neues Angebot»

Der parteilose Schaffhauser Ständerat Thomas Minder, auch ein Befürworter der Initiative, wartet ebenso zu und will mehr über «Personen, Finanzen und Strategien wissen», wie er sagt. «Noch bin ich nicht der Einwanderungspapst.» Für Ecopop-Sprecher Fritschi ist klar: «Minder wird mit Sicherheit mitmachen.» Aber erst, nachdem das Volk im Frühling 2014 über die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP abgestimmt habe. Alles andere als ein Engagement wäre überraschend: Minders verstorbener Vater sass im Ecopop-Vorstand. Wie der Vater ist der Sohn mit Verve gegen «unkontrollierte Zuwanderung» und «grenzenloses Wirtschaftswachstum».

Indem sie die Personenfreizügigkeit mit dem Argument der nachhaltigen Entwicklung der Schweiz bekämpfe, biete die Ecopop-Initiative «ein neues Angebot», sagt Politologe Claude Longchamp. Er hält sie für populärer als die SVP-Initiative. Zusätzlich zu den rund 40 Prozent Stimmenden, die schon bisher die Freizügigkeit ablehnten, sieht er für die Ecopop-Argumente «Zustimmungspotenziale» in urbanen Gebieten, wo Zuwanderung und Wirtschaftswachstum auf ökologische Kritik stossen. Was die Chancen der Initiative vermindere, sei die geringe organisatorische Schlagkraft von Ecopop.

DerBund.ch/Newsnet

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