SNB ärgert sich über Fake-News

Eine Fotomontage der Titelseite des «Blick am Abend» sorgt im Netz für Aufregung. Was dahinter steckt.

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«Jordan verteilt 1 Milliarde an Bürger», so steht es heute auf der vermeintlichen Titelseite des «Blick am Abend», die im Netz kursiert. «Unter www.schweizernationalbank.ch können sich Studienbewerber um 1200 Franken bewerben», heisst es weiter. Tatsächlich erscheint bei der genannten Adresse eine Seite, die wie jene der Schweizerischen Nationalbank aussieht.

Die Schlagzeile hat im Netz für Aufregung gesorgt. Tausende haben sich auf der genannten Internetseite eingetragen, um an der vermeintlichen Studie teilzunehmen. Doch nichts davon ist wahr: SNB-Chef Thomas Jordan verteilt keine Milliarde, die SNB sucht keine Studienteilnehmer, und der «Blick am Abend» hat kein Wort darüber verloren.

April, April

Es handelt sich um einen Aprilscherz der Lancierer der Vollgeld-Initiative. «Wir wollten mit dem Scherz aufzeigen, dass es sich als Bürger lohnt, sich mit der Vollgeld-Initiative auseinanderzusetzen, weil sie viele Vorteile bietet», heisst es in einer Stellungnahme. Tausende seien demnach auf den 1.-April-Scherz hereingefallen.

Bei der Schweizerischen Nationalbank ist die Aktion nicht gut angekommen: «Wir haben sehr wohl Verständnis für Aprilscherze. Aber es stört uns natürlich, wenn unsere Internetseite dazu missbraucht wird.» Rechtliche Schritte würden nun geprüft, heisst es bei der SNB auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. Mittlerweile ist die Seite schweizernationalbank.ch nicht mehr erreichbar.

Darum gehts bei der Vollgeld-Initiative

Die Initianten wollen, dass nur der Staat Geld schaffen kann, konkret die Schweizerische Nationalbank (SNB). Das hiesse für die Banken, dass sie nur das Geld verleihen dürften, das sie wirklich besitzen. Aktuell ist deutlich mehr Geld im Umlauf, als physisch als Bargeld existiert. Möglich macht dies die Kreditvergabe der Banken an ihre Kunden. Die Kredite werden nicht vom Guthaben anderer Kunden finanziert, sondern existieren nur virtuell, so die Initianten. Guthaben vieler Bankkunden seien also eigentlich Forderungen gegenüber der Bank, beziehungsweise von den Banken «aus dem Nichts» geschaffenes Geld.

Bei Annahme der Initiative wäre die SNB künftig nicht nur ausschliesslich für die Schaffung von Bargeld, sondern auch für die elektronische Geldschöpfung allein zuständig. Von den Banken durch die Kreditvergabe geschaffenes Buchgeld würde verschwinden und durch sogenanntes Vollgeld der SNB ersetzt werden. Die Banken dürften weiter Kredite gewähren, aber nur in dem Umfang, in dem sie selber über Vollgeld verfügen. Banken müssten also vor der Kreditvergabe erst Geld von Kunden oder Investoren einsammeln. (woz)

Erstellt: 31.03.2017, 18:36 Uhr

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