Ex-Starjurist Franz A. Zölch steht wegen Betrugs vor Gericht

Er hat Freunde um kurzfristige Überbrückungskredite gebeten, das Geld aber nicht zurückbezahlt. Nun wird Zölch für 4 Millionen Franken betrieben.

Da war die Welt noch in Ordnung: Franz A. Zölch mit seiner damaligen Gattin Elisabeth 2003 an einer Gala in Bern. Foto: RDB

Da war die Welt noch in Ordnung: Franz A. Zölch mit seiner damaligen Gattin Elisabeth 2003 an einer Gala in Bern. Foto: RDB

Iwan Städler@Iwan_Staedler

Die Fallhöhe ist beträchtlich: Franz A. Zölch war einmal ein angesehener Jurist, Hochschuldozent, Brigadier und Präsident der Eishockey-Nationalliga. Er verkehrte als einstiger Gatte der einstigen Berner Regierungs­rätin Elisabeth Zölch in höchsten Kreisen. Und jetzt? Nun hält ihn die Berner Oberländer Staatsanwaltschaft für einen Betrüger. Er habe seine Bekanntheit und das Vertrauen in ihn ausgenutzt.

Konkret geht es um den Fall einer Grindelwaldner Hotelière. Zölch hatte ihr erzählt, ein Klient aus dem Ausland schulde ihm einen Millionenbetrag und habe das Geld auf eine Bank in Genf überwiesen. Nun brauche er dringend 20'000 Franken, damit er das Geld bei der Bank herauslösen könne. Die Grindelwaldnerin gewährte ihm das Darlehen – rückzahlbar innert einer Woche.

«Herr Zölch kann gut reden und die Leute für sich einnehmen.»Hotelière aus Grindelwald

Das war vor fünf Jahren; doch die Frau hat das Geld bis heute nicht zurückerhalten. «Herr Zölch kann gut reden und die Leute für sich einnehmen», sagt sie. Er habe ihr viele E-Mails geschickt, wonach er das Geld bald überweise. Aber den Worten folgten keine Taten.

Dafür soll der 66-Jährige nun büssen. Staatsanwalt Matthias Wiedmer hat ihn per Strafbefehl «wegen Betrugs schuldig erklärt». Er brummte ihm eine bedingte Geldstrafe von 10'000 Franken auf sowie eine Busse von 2000 Franken. Bezahlt Zölch die Busse nicht, soll er «ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 20 Tagen» belegt werden.

Dies will der einstige Starjurist aber nicht akzeptieren. Er ficht den Strafbefehl an, womit es am nächsten Donnerstag zu einer Verhandlung vor dem Regionalgericht in Thun kommt. Man darf auf den Ausgang gespannt sein. Andere Staatsanwälte haben nämlich ähnliche Verfahren gegen Zölch eingestellt. Sie berufen sich auf die hohen Anforderungen, die in der Schweiz an eine Verurteilung wegen Betrugs gebunden sind. Laut Wiedmer hat Zölch im Fall der Hotelière aber ein besonderes Vertrauensverhältnis ausgenutzt und damit arglistig gehandelt.

Opfer liessen sich blenden

Auch andere Freunde, Schulkollegen und Geschäftspartner, haben Zölch «Darlehen» gewährt. Einige haben sich zur Interessengemeinschaft Zölch-Geschädigter (IGZG) zusammengeschlossen. Sie wollen den 66-Jährigen dazu bringen, «endlich von seinen betrügerisch erscheinenden Methoden Abstand zu nehmen, damit die Liste der Geschädigten nicht noch länger wird», wie sie auf ihrer Internetsite schreiben.

Der Interessengemeinschaft liegt ein Betreibungsregisterauszug von Anfang dieses Jahres vor. Damals waren 154 Betreibungen und 147 Verlustscheine im Gesamtumfang von über 4,3 Millionen Franken ausstehend. Betroffen sind unter anderem die Post, die Billag sowie die Steuerverwaltungen des Bundes und des Kantons Bern. Etliche der höchsten Beträge betreffen aber Darlehen von Freunden.

So borgte etwa ein ehemaliger Gymikollege und Direktor eines Bundesamts Zölch über 200'000 Franken. Eine weitere ehemals gute Freundin wurde um 150'000 Franken erleichtert. Sie verlor fast ihr gesamtes Vermögen und kann nun ihre Zähne nicht so behandeln lassen, wie sie müsste. Zölch hatte ihr gesagt, in drei Wochen habe sie das Geld wieder. Vier Jahre später ist noch nichts eingetroffen.

«Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass mich Franz anlügen könnte», sagt die Frau. «Er war liebenswürdig, äusserst charmant und wirkte blendend.» Nun hofft die Geblendete, dass sie eines Tages vielleicht doch noch zu ihrem Geld kommt. Noch heute versichere ihr Zölch immer wieder, dass er seine Schulden begleichen werde. Darauf habe sie ihm gesagt: «Franz, du musst nicht reden, du musst jetzt einfach zahlen.»

Das wünschen sich auch die anderen Geprellten. Etliche haben Zölch aber gar nicht erst betrieben, weil sie sich davon wenig versprechen. Sie glauben offenbar nicht daran, dass bei ihm noch etwas zu holen ist.

«Es ging unanständig lange, aber ich habe niemanden angelogen.»Franz A. Zölch

Der 66-Jährige arbeitet heute im Auftragsverhältnis für einen Thuner Verlag und sagt: «Ich möchte das Geld zurückzahlen und die Leute zufriedenstellen. Es ging unanständig lange, aber ich habe niemanden angelogen. Und ich habe noch Anwartschaften offen.» Welcher Art diese Anrechte sein sollen, will Zölch nicht sagen. Er brauche Geld, um sie realisieren zu können. Das kommt den Betroffenen bekannt vor. Etliche borgten ihm nach einer solchen Erklärung Geld.

Glaubt man Zölch, stand die Lösung seiner Schuldenprobleme schon oft kurz bevor. 2011 versicherte er dem «Beobachter», die Gläubiger würden «in den nächsten Tagen bezahlt». Für die IGZG ist dies eine «Farce und Teil seiner Taktik». Als Jurist wisse Zölch, wie er sich verhalten müsse, um Darlehen und Dienstleistungen beziehen zu können, ohne strafrechtlich belangt zu werden.

Ob die Taktik auch im Fall der Grindelwaldnerin aufgeht? Zölchs Anwalt Roger Lerf argumentiert, es fehle an Arglist und einem Lügengebäude. Folglich dürfe man seinen Mandanten nicht wegen Betrugs verurteilen. Möglicherweise ziehe Zölch die Einsprache gegen den Strafbefehl aber noch zurück. Nicht aus Einsicht, sondern weil er das Verfahren gesundheitlich nicht prästiere, sagt Lerf. Dies sei bist zum Gerichtstermin selbst möglich. Zieht Zölch zurück, ist er ein rechtskräftig verurteilter Betrüger.

Tages-Anzeiger

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