«Es ist Zeit, aus den Katastrophen anderer Länder zu lernen»

Die AKW-Unfälle in Japan lösen in der Schweiz eine heftige Debatte über Atomstrom aus. Nicht nur die Risiken bei Kernanlagen machen vielen Lesern Angst.

Stromproduktion in der Schweiz: Umstrittenes Risiko bei den Atom- und Wasserkraftwerken.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Stromproduktion in der Schweiz: Umstrittenes Risiko bei den Atom- und Wasserkraftwerken.

(Bild: Keystone)

Simon Eppenberger@S_Eppenberger

Während in Japan immer noch der Super-GAU droht, entbrennt in der Schweiz eine Debatte um die Sicherheit der Schweizer Kernkraftwerke. Selbst Atombefürworter sind nachdenklich. So sagt Rolf Büttiker, FDP Ständerat und Verwaltungsrat des AKW Leibstadt gegenüber der SDA: «Wir können nun nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.» Was in Japan passiert ist, solle uns zu denken geben. «Mich hat der Vorfall schockiert», so Büttiker.

Auch die Leser von DerBund.ch/Newsnet beschäftigt die prekäre Lage in Japan sehr. Eine hitzige Diskussion in der Kommentarspalte ausgelöst hat die gestrige Forderung der SP Bern. Die Kantonlpartei verlangt, das AKW Mühleberg zu schliessen. Viele stimmen zu: «Jeder, der nun noch behauptet, Atomkraftwerke seien sicher, spielt mit dem Leben aller», schreibt Marco Lardi. Auch Laura Feldmann ist überzeugt, «dass man diese Technologie nicht im Griff hat».

Erdbeben in der Nähe von Leibstadt

Dabei sorgen sich viele Leser nicht nur vor dem in die Jahre gekommenen AKW Mühleberg, sondern auch um andere Anlagen in der Schweiz. «Das AKW in Leibstadt ist derselbe Typ wie in Fukushima und liegt keine 60 Kilometer vom Epizentrum des stärksten Erdbebens entfernt, das sich in historischen Zeiten nördlich der Alpen ereignet hat», warnt Andreas Weibel.

Es sprechen sich jedoch zahlreiche Leser auch für die Kernenergie aus. «Ich bin kein Freund von Atomkraft, aber welche realistische Alternative haben wir?», fragt David Lüscher. Solarzellen, Windkraft und andere Energiequellen sind für ihn «derzeit kein ernsthafter Ersatz zur Atomkraft».

«Ich bin AKW-Befürworterin»

Trotz der Ereignisse in Japan fühlt sich Anuschka Mumenthaler neben den AKWs in der Schweiz sehr sicher: «Kernenergie wird immer die sicherste und sauberste Energie bleiben. Hier wird es niemal einen GAU geben», schreibt sie. Auch Anna Weber ist überzeugt, dass sich ein Fall Japan in den Alpen nicht ereignen kann: «Ich bin AKW-Befürworterin und werde es bleiben. Wie leben in der Schweiz und nicht in einem erdbebengefährdeten Land.»

Die Gefahr durch Naturrisiken sehen zahlreiche Leser ganz anders: «Mehr Sorge als vor den AKWs müssen wir vor unseren Staumauern haben», schreibt Jack Meier. Auch Max Wertenberg fragt sich: «Weiss jemand, ob alle Staudämme in der Schweiz ein solches Erdbeben ohne Schaden überstehen?»

«Wann fodert die SP das Ende der Wasserkraft?»

Alex Hug erinnert an den Bruch des Banquiao-Staudamm 1975 in China. Damals sei eine Flutwelle entstanden, die 85'000 Menschen tötete, 145'000 seien durch die indirekten Folgen gestorben. Das Beispiel nutzt er für einen Seitenhieb gegen die Linke: «Wann fordert die SP das Ende der Wasserkraft?»

Die Kritik der Partei an der Atomkraft zum jetztigen Zeitpunkt halten viele für geschmacklos. «Die SP übt sich in Katastrophen-Bewirtschaftung», schreibt Pierre Bonmot. Für Guido Graf ist es schlicht «billiger Wahlkampf». Wenn das AKW abgeschaltet wird, würden Gewerkschaften und SP als erstes Skandal schreiben, prophezeit Hans Schmid. Für ihn ist die Forderung «Populismus pur».

Wann soll dann der richtige Zeitpunkt sein?

Dem hält Roland Näf, Parteipräsident der SP Bern, die Fragen entgegen: «Wann genau ist dann der richtige Zeitpunkt? Wenn dieses Unglück wieder vergessen ist wie Tschernobyl?» Für Näf ist klar, dass sich Mitgefühl mit den Betroffenen und die Diskussion um die Sicherheit in der Schweiz nicht ausschliessen.

Leser A.V. schliesslich fordert, den Umstieg auf andere Energielieferanten. «Die reichen Industrienationen, zu denen auch die Schweiz gehört, können sich erneuerbare Energien leisten.» Dies würde die Wirtschaft ankurbeln und Arbeitsplätze en masse schaffen. «Es wird Zeit, dass man aus Katastrophen von anderen Ländern lernt.»

DerBund.ch/Newsnet

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