Es gibt keine bessere Werbung

Das Schweizer Berufsbildungssystem soll der EU zu tieferer Jugendarbeits­losigkeit verhelfen.

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Die Nachricht hebt sich wohltuend von den Schlagzeilen des vergangenen Jahres ab. Europäische Länder kommen auf die Schweiz zu. Sie möchten die duale Berufsbildung übernehmen. Dieses schweizerische Erfolgsmodell soll der EU zu tieferer Jugendarbeits­losigkeit verhelfen: föderalistisch aufgebaute Berufsschulen, pragmatische und verlässliche Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und den Behörden, solides Handwerk statt akademischer Titel um jeden Preis.

Das ist eine grosse Chance für die Schweiz. Vom Export der Schweizer Berufslehre profitieren nicht nur die anderen Länder. Hiesige Berufsleute kämpfen im Ausland mit dem Problem, dass ihr Können unterschätzt wird, weil ihnen ein akademisch klingender Titel fehlt. Je bekannter das Schweizer Berufs­bildungssystem wird, desto beliebter werden auch dessen Absolventen sein – im In- und Ausland. So bleibt auch hierzulande der duale Weg für Talente ­attraktiv. Gleichzeitig kann die Schweiz selbstbewusst beweisen, dass sie ein solidarisches, offenes Land ist. Ein Beispiel: In Rumänien dürfte die Schweiz bald in jedem Schulzimmer präsent sein. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt möchte die Bildungsministerin flächendeckend das typisch schweizerische Fach ­Berufswahlorientierung einführen.

Was fehlt, ist ein Marketinginstrument. Deutschland betreibt mit seinem Berufsbildungslabel Govet weltweit Werbung in eigener Sache. In der Schweiz gibt es zwar ähnliche Ideen. Von Experten ausgebildete Berufsschullehrer oder Lehrausbildungsgänge könnten mit dem Label Swiss Skilled versehen werden. Doch zurzeit haben die Skeptiker die Oberhand. Anders als angekündigt, hat die Bundesverwaltung die Labelfrage im letzten Jahr nicht geklärt und auf 2015 verschoben. Zu kompliziert, zu schwierig, kaum kontrollierbar, lauten die Einwände der Kritiker. Diese blenden die politische Wirkung eines solchen Labels aus. Die Berufslehre öffnet Türen für weitere Zusammenarbeit, für vertiefte bilaterale Beziehungen zu einzelnen EU-Ländern. Gerade im Hinblick auf die anstehenden Verhandlungen mit der EU kann die Schweiz solche Freundschaften gut gebrauchen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.01.2015, 23:38 Uhr

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