Es gibt keine Zufälle

Warum die Melde- und Analysestelle Informationssicherung derzeit vor allem Argumente für ihre Abschaffung liefert.

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Die Antworten meines Gesprächspartners fielen immer knapper aus. Das hat mit dem unan­genehmen Thema zu tun, dachte ich mir. Ich war dabei, am Telefon Max Klaus, den stellvertretenden Leiter der Melde- und Analysestelle Informations­sicherung (Melani), zu den 70'000 gehackten Schweizer Internetkonten zu befragen, die derzeit im Web kursieren.

Doch da war etwas anderes, das Herrn Klaus irritierte. Der Nationalrat in Bern stand gerade kurz davor, über etwas abzustimmen, das Klaus direkt betraf: Es ging um die Einführung eines neuen Cyber-Security-Zentrums. Die Abstimmung konnte für die Melani zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen.

Die Melani als aktuelle Cyber-Security-Behörde machte in den letzten Tagen keine gute Figur. Sie konnte den Ursprung des Hacks lange nicht eruieren. Dabei wäre dafür nur eine simple Google-Suche nötig gewesen. Und sie richtete ein Werkzeug zur Prüfung von E-Mails ein, die Hacker wiederum missbrauchen könnten.

Neues Cyber-Security-Kompetenzzentrum

Im Grunde liefert die Melani derzeit vor allem Argumente für ihre Abschaffung. Genau das fordert der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder: Er wünscht sich ein neues Cyber-Security-Kompetenzzentrum mit Superbefugnissen. Der Bundesrat hielt von der Motion nichts. Er empfahl, sie abzulehnen. Man habe mit der Melani bereits ein Cyber-Security-Kompetenzzentrum.

Kein Wunder also, sass Max Klaus gestern auf Nadeln. Er unterbrach meine Fragerei: «Ich muss im Nationalrat eine Abstimmung verfolgen. Ich rufe nachher zurück.»

«Wie ist die Abstimmung ausgegangen, Herr Klaus?», fragte ich später. «Angenommen», berichtete er mir. Das war untertrieben. Die Motion wurde vom Nationalrat regelrecht abgefeiert. 98 Prozent der Räte entschieden, dass die aktuelle Behörde, die Melani, nicht mehr ausreiche. Zu Recht folgten sie dem Bundesrat nicht. «Ein Zufall, dass wir ausgerechnet jetzt zu Cyber-Security telefonieren», sagte ich. Aber das sagte ich nur so daher. Solche Zufälle gibt es nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.12.2017, 22:49 Uhr

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