Ein Abgang aus Protest

CVP-Nationalrätin Ruth Humbel verlässt per sofort den Beirat von Comparis. Worum es bei dem Streit geht.

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel tritt aus dem Beirat von Comparis zurück, weil der Vergleichsdienst nicht neutral über die Rentenreform informiere.

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel tritt aus dem Beirat von Comparis zurück, weil der Vergleichsdienst nicht neutral über die Rentenreform informiere. Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Heute Vormittag um 10 Uhr tagte der Comparis-Beirat. Aufgabe des Beratungsgremiums sei es nach Angaben des Vergleichsdienstes, «in einem offenen Rahmen Aspekte der aktuellen und zukünftigen Geschäftstätigkeit von Comparis zu besprechen und dabei Comparis wertvolle Orientierung» zu liefern. Comparis wolle die Sichtweise der Konsumenten in die öffentliche Debatte einbringen und veröffentliche hierfür regelmässig Umfragen, Studien und Datenauswertungen. «Die Ideen für Studien und deren Ergebnisse werden mit dem Beirat diskutiert», so das Unternehmen.

Der Beirat trifft sich in der Regel viermal jährlich jeweils zu Sessionsbeginn zu einer halbtägigen Sitzung und wird zwischen den Sitzungen regelmässig zu aktuellen Themen konsultiert. Die Entschädigung beträgt pauschal 2000 Franken pro Sitzung inklusive Vor- und Nachbereitung sowie Beratungsgesprächen dazwischen. Mitglieder des Comparis-Beirats sind unter anderem Joachim Eder, Ständerat (FDP, ZG), Hannes Germann, Ständerat (SVP, SH), Franz Grüter, Nationalrat (SVP, LU), Ruth Humbel, Nationalrätin (CVP, AG), Daniel Jositsch, Ständerat (SP, ZH), Philippe Nantermod, Nationalrat (FDP, VS), und Thomas Weibel, Nationalrat (GLP, ZH).

Doch heute Morgen fehlte ein Mitglied. Wie Ruth Humbel auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» bestätigt, sei sie vor zwei Wochen per sofort zurückgetreten. Der Grund: Statt neutrale Konsumenteninformationen zu verbreiten, mache Comparis «Politpropaganda» im Abstimmungskampf zur Rentenreform. Und zwar dagegen. Die CVP leitet wiederum die Pro-Kampagne bei der Abstimmung über die Altersvorsorge 2020. Nach Ansicht Humbels stelle der Comparis-Abstimmungsrechner «Was bedeutet die Reform für mich?» nicht die Probleme der heutigen Umverteilung in der zweiten Säule in den Vordergrund, sondern Nachteile der Reform. Besonders sauer ist ihr aber das politische Engagement von Comparis-Kommunikationschef Felix Schneuwly aufgestossen: «Er macht auf Twitter regelmässig Propaganda gegen die AHV-Reform.» Das vertrage sich schlecht mit dem Image von Comparis als neutraler Vergleichsdienst. Tatsächlich tendieren seine Tweets und Retweets stark zur Seite der Reformgegner:

Schneuwly sagt auf Anfrage, dass man den Rücktritt bedaure, aber nicht verstehe, weil die Zusammenarbeit mit Ruth Humbel gut gewesen sei. «Wir haben in der Medienmitteilung zum Abstimmungsrechner darauf hingewiesen, dass nicht nur die persönliche Dimension der Rentenreform berücksichtigt werden soll und deshalb jeder Stimmbürger und jede Stimmbürgerin für sich eine Gesamtbetrachtung machen sollte.» Ausserdem sei der Rechner zusammen mit Prof. Lukas Müller von der Universität St. Gallen entwickelt worden und deshalb solide konstruiert. «Comparis verhält sich im Abstimmungskampf neutral, aber persönlich habe ich wie alle anderen Privatpersonen das gute Recht, mich politisch zu äussern», so Schneuwly.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2017, 15:29 Uhr

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