Diesen SVPler will Blocher loswerden

In Basel ist Sebastian Frehner ein kleiner SVP-König. Doch bei Christoph Blocher kommt der Vater der Sexkofferinitiative offenbar gar nicht gut an. Wird er sich beugen?

«Blocher ist nicht mein Guru»: Sebastian Frehner scheut sich nicht vor Kritik.

«Blocher ist nicht mein Guru»: Sebastian Frehner scheut sich nicht vor Kritik.

(Bild: Keystone Gaëtan Bally)

Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Als Sebastian Frehner 18 Jahre alt war, schrieb er einen Brief an Christoph Blocher. Frehner wollte wissen, warum es in Basel keine SVP gibt. Blocher antwortete dem Fragenden sinngemäss: Es gebe in Basel durchaus eine SVP, doch müsse die noch wachgeküsst und aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden. Das war 1991. In der Folge küsste Frehner die Basler SVP wach und wich seither nicht mehr von ihrer Seite. 25 Jahre später berichtet die Basler «Tageswoche», dass Blocher den Basler SVP-Präsidenten Frehner wiederholt zum Rücktritt aufgefordert habe. Sie beruft sich auf ihr vorliegende Quellen.

Sebastian Frehner ist kein typischer SVP-Politiker: Seine Eltern sind Lehrer, denken mittig bis links und liessen ihr Einzelkind in der Stadt aufwachsen. Politisiert haben Frehner die Begegnungen mit ausländischen Gangs in Basel, so berichtete es die Basler Zeitung in einem grossen Porträt. Er selbst war auch in einer Gruppierung: patriotische Jungs, die alle dieselben Jacken trugen. Aber weder Springerstiefel noch Glatzen, sagt Frehner.

Mitte der 90er-Jahre trat er in die SVP ein. Es begann ein stetiger Aufstieg, an dessen Ende er gleichzeitig National- und Grossrat für die SVP war. Ein Protegé Blochers war er nie. In Basel ist das für den Anwalt und Berater kein Nachteil. «Blocher ist nicht mein Guru und sagt auch manchmal Sachen, die nicht so gescheit sind.» (Frehner wollte die Basler Kantonalbank privatisieren, Blocher nicht.) «Der Slalomkurs von Christoph Blocher und der Schweizer SVP war sicherlich gar nicht gut.» (Nach dem Ja zur Personenfreizügigkeit) «Ich verstehe nicht, warum Blocher seine Beteiligung nicht von Anfang an offengelegt hat.» (Nachdem bekannt wurde, dass die Blochers bei der «Basler Zeitung» mitmischen)

«Alles zulasten der Männer»

Blocher wiederum hat sich mit öffentlicher Kritik an Frehner zurückgehalten. Ganz im Gegensatz zu Frehners eigenen Parteikollegen und den Medien. 2015 veröffentlichte die «Basler Zeitung» einen Bericht, der einen Politiker eigentlich locker das Amt kosten könnte. Ihr war zugesteckt worden, dass Frehner 2011 Spendengelder und Kontaktdaten der SVP für seinen eigenen Ständeratswahlkampf missbraucht haben soll. Frehner sagte, das sei alles harmlos und längst erledigt. 2011 hatte er 10'000 Franken Spendengelder zurückgezahlt, und alle Beteiligten hatten Stillschweigen vereinbart. Trotzdem kam es noch im gleichen Jahr zu einem – erfolglosen – Putsch gegen ihn.

Schweizweit fiel Frehner nicht durch innerparteiliche Machtkämpfe auf, sondern durch sein Flair für gesellschaftliche Themen. So startete er die Volksinitiative gegen die Sexualaufklärung von Schulkindern, die weniger als 12 Jahre alt sind. «Heute werden Kinder zu früh mit Sachen versaut, von denen sie nichts wissen wollen.» Und er wollte mit einem Vorstoss erreichen, dass Ehepartner(innen) nach der Scheidung allein für ihren Unterhalt aufkommen. «Ich ärgere mich einfach, wenn im Zuge der Emanzipation alles zulasten der Männer geht», sagte er im Gespräch mit 20 Minuten. Frehner ist mit einer 13 Jahre jüngeren Ukrainerin verheiratet, sie haben eine gemeinsame Tochter.

Ansonsten ist Frehner: pharmafreundlich (seine Besucherpässe vergibt er an Pharmalobbyisten), wirtschaftsfreundlich und migrationskritisch. In den Augen der SVP-Leitung gilt er wohl als Widerständler, der nicht pariert. In den Augen mancher Parteikollegen wiederum als einer, der an der Macht bleibt, um seinen Lohn zu sichern. Und in seinen eigenen Augen einer, der sich etwas vornimmt und hartnäckig bleibt. Vielleicht trifft auch einfach das zu, was Frehner laut eigenen Aussagen seiner kleinen Tochter Emma mitgeben will; «dass es selten nur eine Wahrheit gibt».

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