«Die unter 35-Jährigen mit speziellen Angeboten zurückholen»

Direktionsmitglied Bakel Walden über die Pläne der SRG – und warum sie vermehrt Junge ansprechen soll.

Der TV-Programmstratege: Bakel Walden (hier an einem Medienfrühstück im Oktober 2017 in Bern) ist seit Januar 2018 Direktor Entwicklung und Angebot bei der SRG.

Der TV-Programmstratege: Bakel Walden (hier an einem Medienfrühstück im Oktober 2017 in Bern) ist seit Januar 2018 Direktor Entwicklung und Angebot bei der SRG. Bild: Keystone

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Die SRG steht vor dem digitalen Umbruch. Die neue Konzession ebnet dafür die Möglichkeiten. Was bedeutet das?
Wir haben nun die Übergangskonzession, bald auch das neue Mediengesetz. Es ist nachvollziehbar, dass die Gesetzgebung aktualisiert wird...

Wirklich? Sie ist doch morgen schon wieder überholt.
Vielleicht, ja. Aber das ist kein Grund, auf einem veralteten Stand zu bleiben. Ich finde es ehrlich gesagt schon schwierig, im Jahr 2018 noch darüber diskutieren zu müssen, ob die SRG im Internet präsent sein soll. Es ist ein Medium, für das alle bezahlen, also sollen es auch alle konsumieren können, auf den Kanälen, zu denen sie Zugang haben. Die neue Konzession bedeutet auch mehr Regulierung für die SRG, wir haben mehr Vorgaben. Das habe ich schon verstanden in der No-Billag-Debatte: Die SRG soll unterscheidbar sein, effizient, zukunftsfähig.

Muss die SRG im Digitalbereich wirklich stärker werden? Schon heute gibt sie 6 Prozent ihrer Einnahmen oder 100 Millionen jährlich dafür aus.
Sie muss insofern stärker werden, als sie die Service-public-Angebote allen zur Verfügung stellt, in geeigneter Form, also auch online. Wir müssen aber auch schauen, wo wir Private konkurrenzieren und uns je nachdem zurückhalten. So haben wir uns aus der Unterbrecherwerbung zurückgezogen. Ebenso ziehen wir uns schrittweise beim Textangebot im Onlinebereich zurück und konzentrieren uns auf Audio und Video. Wir haben auch auf die Kritik an den Talentwettbewerben reagiert und machen sie jetzt nicht mehr, jetzt macht sie niemand mehr, was ich eigentlich schade finde für den Markt. Das gibt es auch. Die SRG soll nicht alles machen, was sie theoretisch könnte. Gleichzeitig wird sie es nie allen recht machen können.

Laut den neuen Vorgaben muss die SRG vermehrt Junge ansprechen. Warum? Ihr Publikum ist nun einmal älter.
Alle bezahlen Gebühren, auch die Jungen, sobald sie allein wohnen. Wir haben vor 7 oder 8 Jahren deutlich mehr unter 35-Jährige erreicht mit dem Radio. Die wollen wir zurückholen. Das machen wir teilweise mit Angeboten, die Private nicht machen. Etwa mit dem Podcast «Edi – Leben am Limit» auf SRF 3. Oder mit mehr serieller Produktion.

Die SRG soll auch mehr machen für Menschen mit Migrationshintergrund. Macht sie zu wenig?
Zu wenig – das ist relativ. Wir können sicher mehr machen, vor und hinter der Kamera. Jeder soll sich wiederfinden, und ein Viertel der Schweizer Bevölkerung hat keinen Schweizer Pass. Früher gab es für Migranten besondere Formate. Ich bin der Meinung, dass es eine gewisse Natürlichkeit haben soll. Vielleicht eine Moderatorin oder ein Protagonist in einem Film mit ausländischem Namen. Zum Beispiel. Keine spezifischen Formate, denn die fördern nur die Segregation.

Wie gefällt es Ihnen eigentlich bei der SRG?
Sehr gut. Ich habe 2012 als Leiter Programmstrategie beim Schweizer Fernsehen angefangen. Jetzt arbeite ich seit Anfang Januar als Mitglied der Generaldirektion in Bern. Die Gesamtschweizer Perspektive macht Spass, die Veränderungen, es gibt viel zu tun. Vorher hatte ich für die RTL Group in Deutschland, Luxemburg, Griechenland gearbeitet. Nun bin ich seit sechs Jahren in der Schweiz, in einem öffentlichen Medienhaus, im Unterschied zur RTL Group. Den ruhigen Status bei der SRG habe ich gar nicht mehr miterlebt. Als ich 2012 angefangen habe, war die Konvergenz ein Thema. Jetzt ist die digitale Weiterentwicklung auf dem Höhepunkt.

Und wie erleben Sie die Schweiz, im Unterschied zum Ausland?
Ich wohne mit meiner Familie in Zürich, es ist wunderbar. Eine Stadt mit einer sehr hohen Lebensqualität. Es braucht jedoch Zeit, das alles aufzunehmen, wie die Debatte hier geführt wird. Sie hat in jüngster Zeit eine gewisse Schärfe bekommen. Speziell ist jedoch, eine schweizerische Eigenheit, dass es immer wieder gelingt, dass man sich auf einen gemeinsamen Qualitätsbegriff, auf eine gemeinsame Zukunft einigt. Deshalb nehme ich auch hitzige Debatten als positiv und spannend wahr. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.08.2018, 22:12 Uhr

Bakel Walden

Bakel Walden (43) studierte an den Universitäten Siegen (DE) und Poitiers (FR) Medienplanung, -entwicklung und -beratung. Ab 2002 arbeitete er während zehn Jahren bei der RTL Group, zuerst als Unterhaltungsredaktor, dann im Strategieteam sowie in der Programmplanung und -entwicklung. 2012 kam Walden als Leiter Programmstrategie zu SRF, seit Anfang 2018 ist er Direktor Entwicklung und Angebot sowie Mitglied der SRG-Generaldirektion. (TA)

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