Die prominenteste Gegnerin kommt am häufigsten zu Wort

Im Abstimmungskampf um die Altersvorsorge 2020 erhält die FDP am meisten Aufmerksamkeit. Die Gewerkschaften hingegen nur wenig.

Wetterte gegen AHV-Bezüger im Ausland: FDP-Präsidentin Petra Gössi.

Wetterte gegen AHV-Bezüger im Ausland: FDP-Präsidentin Petra Gössi. Bild: Anthony Anex/Keystone

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So knapp wie das Ja zur Rentenreform im Parlament ausfiel, so umstritten wird die Reform auch in den Medien diskutiert. Das zeigt eine Auswertung des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (Fög), das für seinen Abstimmungsmonitor jeweils die Berichterstattung zu den Abstimmungsvorlagen untersucht. 385 Artikel erschienen von Anfang Juli bis Anfang September in den grossen Tageszeitungen und Wochenpublikationen. Dabei halten sich kritische und zustimmende Beiträge praktisch die Waage.

Dass eine Behördenvorlage nicht mehr Zustimmung erhält, ist untypisch, wie die Autoren des Zwischenberichts festhalten. So stiess die mit 59,1 Prozent Nein-Stimmen schliesslich deutlich gescheiterte Unternehmenssteuerreform III im Vorfeld insgesamt eher auf Zustimmung als auf Ablehnung (plus 18 auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 – die Altersvorsorge 2020 kommt bisher auf minus 3). Immerhin wird die Reformvorlage des Parlaments positiver diskutiert als die vor einem Jahr mit 59,4 Prozent Nein-Stimmen an der Urne gescheiterte AVH-plus-Initiative (minus 14).

Plan B sorgte für Furore

Was die Auswertung auch zeigt: Als prominenteste Gegnerin der Vorlage erhielt die FDP mit Abstand am meisten Aufmerksamkeit von allen Akteuren – etwa doppelt so viel wie Bundesrat, SVP, Experten und SP je. Viel Aufmerksamkeit erhielt die FDP insbesondere mit ihrem «Plan B», wie sie ihre Alternativvorschläge zum Reformpaket nennt. Daneben sorgte auch Parteipräsidentin Petra Gössi für eine hohe Präsenz: Ende Juni ärgerte sie sich im «Blick» über AHV-Bezüger, die im Ausland leben. Dies sorgte auch in den Wochen danach noch für viele Reaktionen.

Vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten die Gewerkschaften. Ihre Vertreter kamen nur rund halb so oft zu Wort wie Vertreter der Wirtschaftsverbände. Anders war dies bei der AHV-plus-Initiative gewesen: Die Gewerkschaften waren damals stärker beachtet worden als die Wirtschaftsverbände – was daran liegen dürfte, dass sie zu den Initianten der Vorlage gehörten. Dass bei Initiativen die Initianten und bei Referenden die Urheber der Gegenkampagne viel Aufmerksamkeit erhalten, ist laut Linards Udris vom Fög typisch.

Bilder: Bürgerliche im Bühnenkampf gegen die Rentenreform

Thomas Zimmermann vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund führt die geringe Präsenz der Gewerkschaften darauf zurück, dass die Medien den Abstimmungskampf vor allem als parteipolitische Auseinandersetzung behandeln würden. «Das ist überraschend, da wir einer der Akteure sind, die am meisten Substanzielles zur Debatte beitragen können.»

Weniger präsent als die grossen Parteien sind auch die Wirtschaftsverbände. Sie erhalten immerhin ähnlich viel Aufmerksamkeit wie im Vorfeld der Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform III. Deutlich öfters waren ihre Vertreter allerdings vor der Abstimmung über die Energiestrategie 2050 zu Wort gekommen. Der Konflikt zwischen den Verbänden erhielt damals viel Aufmerksamkeit in den Medien. Da die Wirtschaft auch bei der Altersvorsorge 2020 gespalten ist, hält es Udris für möglich, dass in den kommenden zwei Wochen noch eine ähnliche Entwicklung einsetzt.

Video: Die Rentenreform in 200 Sekunden verstanden

Worum es bei der AHV-Abstimmung geht, erklärt Inlandredaktor Markus Brotschi. (Video: Lea Koch)

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.09.2017, 13:29 Uhr

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