Die mutmasslichen Verbrechen des Ousman Sonko

Ein in Bern wohnhafter Gambier hat viele unangenehme Fragen an Sonko.

Zumindest bis vorgestern hielt sich der gambische Ex-Minister Ousman Sonko im Asylzentrum Kappelen-Lyss auf.

Zumindest bis vorgestern hielt sich der gambische Ex-Minister Ousman Sonko im Asylzentrum Kappelen-Lyss auf.

(Bild: Adrian Moser)

«Ich dachte, Sonko ist derzeit in Spanien», sagt der Gambier Alieu Badou, als er damit konfrontiert wird, dass der ehemalige Innenminister Gambias ein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht hat. Badou selbst wohnt in Bern, seit er vor 15 Jahren eine Schweizerin geheiratet hatte. Dass Sonko nach der Ablehnung seines Asylgesuchs in Schweden im Oktober zurück nach Spanien reisen würde, war auch die letzte Information internationaler Medien zu dessen Aufenthaltsort. In Spanien wurde er zuerst registriert.

Badou, der in Kontakt mit Bekannten in Gambia steht, behauptet, dass Dreiviertel der Gambischen Bevölkerung Sonko als gefährlicher einstufe als den kürzlich abgewählte Ex-Präsident Yahya Jammeh. «Sonko ist still und brutal; er redet nicht viel, handelt aber konsequent», sagt Badou. Erste Flecken hätte Sonkos Image im April 2000 erhalten, sagt Badou. Damals hat die Polizei in der Hauptstadt Banjul mit scharfer Munition auf einen Studenten-Protest geschossen, wobei neun Menschen getötet wurden. Gemäss Badou war Sonko damals «state guard»-Kommandant und «ist somit für den Schiessbefehl verantwortlich».

Im Jahr 2006 wurde Sonko vom damaligen Präsidenten Jammeh zum Innenminister ernannt. Dissidenten hätten diese Änderung stark zu spüren bekommen, sagt Badou. «Von da an nahmen Entführungen und Verhaftungen von Regierungskritikern massiv zu.»

«Wo sind die Verschwundenen?»

Badou erzählt, dass der Präsident Gambias, der Innenminister, der General und der Chef des Geheimdienstes alle demselben Volksstamm angehörten und zusammen die absolute Kontrolle über den Sicherheitsapparat des Staates gehabt hätten. Dem Innenminister Sonko wirft er vor, Befehle für die Ermordung eines Journalisten, die bis heute unaufgeklärte Entführung zweier amerikanisch-gambischen Doppelbürger und neun willkürliche Umwandlungen von Haftstrafen in Todesstrafen erteilt zu haben. Vor der Neuwahl im letzten Jahr habe Sonko seinen kompromisslosen Stil auch die Oppositionspartei UDP spüren lassen.

Laut Medienberichten wurden neben mehreren Demonstranten, die eine Reform des Wahlgesetzes forderten, auch zwei ranghohe Politiker der Oppositionspartei UDP verhaftet. Diese Haftbefehle seien von Sonko gekommen, sagt Badou. Während der eine Politiker nach der Wahl Adama Barrows (UDP) zum neuen Präsidenten im Dezember freigelassen wurde, fehle vom anderen noch jede Spur. «Sonko muss dem gambischen Volk erklären, wo die verschwundenen Menschen sind», so Badou. Nicht zuletzt hätte Sonkos repressives Vorgehen hohe Emigration aus Gambia verursacht. Im September des letzten Jahres trennte sich Präsident Jammeh von seinem Innenminister. Bisher ist unklar, was die wahren Gründe für Sonkos Entlassung waren. Auch darüber möchte Badou eine Antwort.

Hoffnung auf Entspannung

Vom neuen Regierungskabinett in Gambia erhofft sich Badou viel. Nur schon, dass der neue Präsident Adama Barrow gleich zwei grossen Volksstämmen angehöre, verspreche Entspannung im westafrikanischen Kleinstaat. Auch habe eine Ministerin lange für die UNO gearbeitet. «Das sind friedliche Leute», sagt Badou. Er freue sich, wenn der Name «smiling coast», wofür Gambia stehe, endlich wieder gerechtfertigt sei.

Der Bund

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