Die Millionenwette

Der Turmbau zu Vals mag bizarr sein. Die Idee dahinter ist es nicht.

Eine Landschaft, ein Plan, ein Turm. Modellfoto: PD

Eine Landschaft, ein Plan, ein Turm. Modellfoto: PD

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Die Meinungen sind gemacht: Ein gläserner Hotelturm, hoch und schlank wie kaum ein Wolkenkratzer in Manhattan und das im verwunschenen Vals – eher gefriert die Hölle, als dass so etwas Tatsache wird. Gemacht sind auch die Meinungen über Remo Stoffel, den Immobilientycoon aus Vals, der hinter der Idee steckt. Zu viel Unklares scheint in dessen Vergangenheit mitzuschillern.

Mag sein. Schade aber, dass in den zahlreichen Verrissen zu den Valser Investitionsplänen ein wichtiger Anstoss untergeht, der von dem Projekt hätte ausgehen können. Und der betrifft den miserablen Zustand unseres Fremdenverkehrs.

Die Berggebiete verzeichnen Jahr für Jahr weniger Übernachtungen. Jeder dritte Tourismusbetrieb in den Bergen schreibt rote Zahlen. Lange hatte man mit dem schwunghaften Verkauf von Feriendomizilen den Anschein einer touristischen Entwicklung vorgespiegelt. Das hatte die bekannten Folgen für die Berglandschaften: kalte Betten, geschlossene Rollläden, Siedlungsbrei. Aber mit dem Ja zur Zweitwohnungs­initiative ist damit Schluss. Jetzt kommt der Frankenschock dazu. Wer vorher von den Verkäufen lebte, wird es nicht mehr lange tun.

Hotels statt Häuser

Der Glasturm in Vals wäre, wenn denn die Bagger einmal auffahren würden, eine 300-Millionen-Franken-Wette auf eine andere Zukunft des Tourismus in den Schweizer Bergen. Eine Zukunft, in der die Aussicht nicht von Hüsli und Ferienwohnblöcken weiter zugestellt wird, die Exklusivität der Hotellerie der Einmaligkeit der Schweizer Berge entspricht und als einzigartiges Erlebnis zu entsprechenden Preisen an eine globale Geldelite verkauft wird.

Ob Vals dafür der richtige Ort ist, der Turm die richtige Idee und Remo Stoffel der richtige Investor, das ist so ungewiss wie der Ausgang jeder anderen Wette. Aber das war schon so in der Frühzeit des Schweizer Tourismus. Ein gewisser Johannes Badrutt wettete Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen englischen Sommergästen, dass es ihnen auch im Winter in seinem verwunschenen Hochtal gefallen werde. Er gewann die Wette und machte St. Moritz zum Treffpunkt einer globalen Geldelite.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.04.2015, 21:09 Uhr

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