Der Sorgenreaktor ist wieder in Betrieb

Das AKW Mühleberg ist seit heute Morgen wieder am Netz. «Die Stabilität und Integrität des Kernmantels sei wieder hergestellt», lassen die Betreiber in einem Communiqué verlauten.

AKW-Gegner zweifeln die Sicherheit an: Der Reaktor in Mühleberg. (Archivbild)

AKW-Gegner zweifeln die Sicherheit an: Der Reaktor in Mühleberg. (Archivbild) Bild: Keystone

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Nach einer weiteren millionenschweren Nachrüstung ist das AKW Mühleberg wieder am Netz. Trotz heftiger Proteste von Atomkraft-Gegnern nahm der bernische Energiekonzern BKW die Anlage am Wochenende wieder in Betrieb.

Das AKW solle weiterlaufen, solange die Sicherheit und die Wirtschaftlichkeit gegeben seien, bekräftigten BKW-Verantwortliche am Montag vor den Medien in Mühleberg. Sie wiesen darauf hin, dass die Sommerpause dieses Jahr nicht nur für die ordentlichen Revisionsarbeiten genutzt worden sei.

«Weniger als zehn Millionen Franken»

Vielmehr habe man auch den Schutz des Notsystems vor extremen Hochwassern verbessert und zu diesem Zweck drei zusätzliche Ansaugstutzen für die Kühlwasserentnahme aus der Aare montiert. Die Massnahmen kosteten die BKW «weniger als zehn Millionen Franken».

Die Nachrüstung verlängerte die Sommerpause des Atomkraftwerks allerdings um fast zwei Monate. Um den Produktionsausfall zu kompensieren, musste die BKW Strom für rund 28 Millionen Franken zukaufen.

Risse an den Schweissnähten

An den ordentlichen Revisionsarbeiten waren laut BKW mehr als 1000 interne und externe Fachleute beteiligt. Besonderes Augenmerk galt den Rissen im Kernmantel, die mit einem neuartigen, laut BKW international etablierten Verfahren überprüft wurden.

Die Risse an den Schweissnähten im Mantelinnern wurden schon 1990 entdeckt. Sie seien zuletzt «nicht oder nur gering gewachsen», betonte Ulrich Imobersteg, Leiter Nuklearmaschinentechnik.

Austausch steht nicht zur Diskussion

Entgegen früherer Befürchtungen sei kein wanddurchdringender Riss festgestellt worden. «Wir können das heute zweifelsfrei festhalten.» Die BKW trat damit anderslautenden Medienberichten vom vergangenen Juli entgegen.

Die meistbetroffene Schweissnaht sei nach wie vor zu 72 Prozent intakt, sagte Imobersteg. Neue Risse habe man nicht entdeckt. Fazit: «Der aktuelle Zustand des Kernmantels hat keinen Einfluss auf den sicheren Betrieb von Mühleberg.» Ein Austausch des Kernmantels stehe nicht zur Diskussion.

Das AKW Mühleberg wurde am Wochenende wieder in Betrieb genommen. Die volle Leistung soll an diesem Mittwoch erreicht sein.

Hausaufgaben für Betreiber

Die BKW muss in den nächsten Monaten weitere Hürden nehmen, um das AKW wie angestrebt langfristig betreiben zu können. So muss sie bis Ende Oktober die Angaben für den EU-Stresstest liefern.

Einen Monat später muss der Nachweis vorliegen, dass Mühleberg ein 10'000-jährliches Erdbeben überstehen könnte. Bis Ende März 2012 braucht es zudem einen Nachweis für den Fall eines gleichzeitigen Extrem-Erdbebens und -Hochwassers. Beobachter gehen davon aus, dass weitere Nachrüstungen für Dutzende Millionen Franken anstehen.

Protest vor und im Bundeshaus

In Bern protestierten am Montag rund hundert Menschen gegen die Wiederinbetriebname des AKW, wie die Grünen des Kantons Bern mitteilten. Aktivisten in Schutzanzügen verteilten Flugblätter, in denen die Bevölkerung über die Wiederinbetriebnahme des AKW Mühleberg informiert wurde.

Auch im Nationalrat setzten die Grünen ein Zeichen des Protests. Sie plazierten auf ihren Pulten Schilder mit der Aufschrift «AKW Mühleberg abschalten». Dafür gabs Tadel von Ratspräsident Jean-René Germanier: Das Parlamentsgesetz untersage solche Aktionen. Die Grünen kamen seiner Aufforderung nach und entfernten die Schilder. (mrs/sda)

Erstellt: 26.09.2011, 08:40 Uhr

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