«Der Polizist und nicht der Deutsche verteilt die Busse»

Hintergrund

Sollen Ausländer Polizisten werden dürfen? Worüber der Stadtzürcher Polizeivorsteher Wolff laut nachdenkt, ist in vier Kantonen längst Realität. Schwyz hat damit positive Erfahrungen gemacht.

Das Polizeikorps soll in der Stadt Zürich durchmischter werden: Polizisten schreiben Strafzettel. (Archivbild)

Das Polizeikorps soll in der Stadt Zürich durchmischter werden: Polizisten schreiben Strafzettel. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Raphaela Birrer@raphaelabirrer

Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) will mehr Secondos und Frauen im Stadtzürcher Polizeikorps. Um eine stärkere Durchmischung zu erreichen, startet Anfang 2014 eine multimediale Rekrutierungskampagne, wie Wolff in der heutigen Ausgabe der «SonntagsZeitung» ankündigt. «Die Polizei soll ein Spiegelbild der Gesellschaft sein», begründet er die Massnahme. Der Frauenanteil betrage aktuell rund 25 Prozent. Wie viele Polizisten einen Migrationshintergrund haben, sei dagegen bislang noch nicht erhoben worden. Das Ziel sei jedoch, dass dereinst beispielsweise an der Langstrasse auch dunkelhäutige Ordnungshüter patrouillieren. «Diese haben vielleicht auch etwas mehr Verständnis dafür, wie es ist, anders auszusehen», so Wolff.

Diese Forderung dürfte indes auf Gegenwehr stossen: Bereits im September hatte Wolff anlässlich seiner Bilanz nach 100 Tagen Amtszeit erwähnt, sich auch Ausländer im Polizeiberuf vorstellen zu können. Da er um die Brisanz dieses Vorschlags wusste, relativierte er jedoch, dass es dafür wohl noch zu früh sei. Dennoch folgten die negativen Reaktionen postwendend: Die Stadtzürcher SVP liess verlauten, dass die Bevölkerung nicht hinter Wolffs Ansinnen stehe, und der schweizerische Polizeiverband zeigte ebenfalls wenig Verständnis.

Als Ausländer in die Ausbildung

Wolff räumt nun ein, vom Wirbel um seine Äusserung überrascht gewesen zu sein. «Offensichtlich trifft es etwas ganz tief Emotionales, dass man für den Polizeiberuf den Schweizer Pass verlangt. Der Pass scheint eine Art Beleg dafür zu sein, dass man voll zur Schweiz steht», sagt er in der «SonntagsZeitung». In der Rekrutierungskampagne stehe denn auch explizit «Schweizer Pass vorausgesetzt». Doch das schliesse nicht aus, dass Ausländer die Ausbildung beginnen und bis zu deren Abschluss das Schweizer Bürgerrecht erhalten.

Was in Zürich noch für gesellschaftspolitischen Zündstoff sorgen dürfte, ist in vier anderen Schweizer Kantonen längst Realität. In Basel-Stadt, Schwyz, Neuenburg sowie im Jura ist es ausländischen Staatsangehörigen erlaubt, als Polizisten zu arbeiten. Bei der Kantonspolizei Schwyz waren seit der Einführung der Regelung vor zehn Jahren drei Ausländer im rund 250-köpfigen Polizeikorps. Mittlerweile seien sie alle eingebürgert worden, sagt Informationschef Florian Grossmann gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Die drei Anwärter hätten bei ihrem Eintritt in den Polizeidienst alle einen deutschen Pass gehabt. Voraussetzung für die Zulassung sei eine hohe Assimilierung: «Bewerber müssen die Normen und Gepflogenheiten in der Schweiz kennen – und sie müssen in der Gegend verwurzelt sein.» In persönlichen Gesprächen werde überprüft, ob die ausländischen Staatsangehörigen diese Anforderungen erfüllen.

Auch in Schwyz habe es 2003 eine Debatte über das Thema gegeben, doch inzwischen sei die Regelung breit akzeptiert – sowohl in der Bevölkerung als auch im Korps. «Wir ziehen eine positive Bilanz und haben keine negativen Erfahrungen gemacht.» Die Schwyzer hätten sich beispielsweise nicht daran gestört, dass ihnen ein Deutscher Bussen verteile, denn: «Der Polizist und nicht der Deutsche verteilt die Busse.»

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt