«Den Bündnern wird systematisch Angst gemacht»

Interview

Die Zahl der Olympiabefürworter im Bündnerland schrumpft. Aber Tarzisius Caviezel, Davoser Landammann und Chef von «Graubünden 2022», glaubt, dass die Jungen die Abstimmung noch retten.

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Thomas Ley@thomas_ley

Herr Caviezel, nur noch 42 Prozent Befürworter, dafür bereits 45 Prozent Gegner im Bündnerland: Eine solche Umfrage so kurz vor der Abstimmung muss Sie doch zur Verzweiflung bringen.
Nein, davon lasse ich mich nicht zu sehr beeindrucken. Die Unterschiede sind ja im Unschärfebereich, und die Umfragen waren immer sehr knapp. Also, in unserem Komitee herrscht deswegen keine Panik.

Aber das ist doch an sich schon enttäuschend für Sie: dass die Zustimmung im Bündnerland nicht schon immer klar obenaus schwang.
Klar würde ich mir das anders wünschen. Und ich kann diese Zaghaftigkeit, ehrlich gesagt, auch nicht ganz verstehen. Unsere Vorfahren hätten mit einer solchen Haltung gar nichts zustande gebracht. Manchmal denke ich mir, dass heute sogar ein so stolzes Bündner Wahrzeichen wie die Rhätische Bahn völlig undenkbar wäre. Sie würde untergehen in Bedenken und Einsprachen.

Unterstützte Sie der Bund zu wenig? Kam das Bekenntnis zur Defizitgarantie zu spät?
Nein, wir können uns überhaupt nicht beklagen über den Einsatz von Bundespräsident und Sportminister Ueli Maurer. Er hat mit klaren Worten bestätigt, dass uns der Bund nicht auf allfälligen Schulden sitzen lassen würde. Aber es wird halt auf der Gegnerseite viel Chabis erzählt.

Was meinen Sie damit?
Es wird den Bündnern systematisch Angst gemacht vor einem drohenden Schuldenberg. Obwohl das Projekt von vorn bis hinten durchgerechnet ist. Wir wissen ja auch von vergangenen Olympischen Spielen, dass sie – was das Durchführungsbudget betrifft – allesamt im positiven Bereich endeten.

Trotzdem halten sich diese Ängste. Sie wachsen sogar. Warum?
Weil man Ängste schüren kann, ohne dafür Belege liefern zu müssen. Wenn wir ein seriös durchgerechnetes Projekt vorlegen, muss nur einer kommen und sagen: Das stimmt einfach alles nicht, ihr seid eh korrupt. Und er sagt einfach, was das ebenfalls korrupte Olympische Komitee will. Fertig, das reicht für eine Kampagne. Wie nennen die Gegner uns in den Inseraten? Die «Olympiabuchhalter». Gegen solche Bilder ist schwer anzukommen.

Es gibt ja nicht nur finanzielle Bedenken, sondern auch ökologische.
Und die verstehe ich nun gar nicht. Wir legen minutiös dar, was wir vorhaben. Wir haben Davos und St. Moritz ja gerade deshalb ausgesucht, weil sie aus gesellschaftlicher und ökologischer Sicht die besten Standorte sind. Wer uns auf dieselbe Stufe stellt mit den Flächenrodungen in Sotschi, der ist einfach nicht ehrlich.

Sie erwähnen das russische Sotschi: Büssen Sie für Fehler, die an anderen Olympischen Spielen begangen wurden und werden?
Im Gegenteil: Eigentlich müssten die Kritiker solcher Fehler erst recht auf unserer Seite sein. Wir sind entschlossen, andere Spiele zu veranstalten als bisher. Aber dafür muss man uns dann auch eine Chance geben.

Das wird eng mit dieser Chance. Wie wollen Sie jetzt noch das Blatt wenden?
Erstens bleiben wir in aller Ruhe bei unserem bisherigen Kurs und versuchen, die Bündner von unserem Projekt zu überzeugen. Ich vertraue darauf, dass die Leute hier clever genug sind, diese Chance zu packen. Zweitens haben wir noch einiges vor: zum Beispiel die Fackelabfahrt, aber auch die Mobilisierung der jungen Stimmbevölkerung. Die Umfragen zeigen ja, dass die Jungen auf unserer Seite sind. Sie müssen nun ihre älteren Verwandten und Freunde überzeugen. Dann wird es reichen.

DerBund.ch/Newsnet

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