Das Problem ist die Betriebskultur der Armee

Eine Früh-Indoktrination von Schülern hilft dem Militär nicht aus der Patsche.

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Christoph Lenz@lenzchristoph

Viele junge Männer lehnen den traditionellen Wehrdienst ab. Insbesondere nach der Rekrutenschule und den ersten Wiederholungskursen laufen die Soldaten der Armee in Scharen davon. Sie ziehen es vor, sich im Zivildienst auf andere Weise für die Gemeinschaft einzusetzen. Auch wenn dies bedeutet, dass sie einen deutlich längeren Dienst leisten müssen.  

Die massenhafte Flucht aus der Armee ist ein ernstes Problem. Eine Organisation ohne Personal? Eine Miliz ohne Milizionäre? Mit Kosten von 5 Milliarden Franken pro Jahr ist die Armee zu teuer, um als Schattenstruktur am Leben gehalten zu werden. Sie soll, sie muss funktionieren. Wie aber lässt sich das Personalproblem der Armee lösen? Der Vorschlag der kantonalen Militärdirektoren, an den Oberstufen eine sicherheitspolitische Unterweisung einzuführen, gehört zur Kategorie grober politischer Unfug. Weil es nicht Aufgabe unserer Bildungsinstitutionen ist, die Armee mit eifrigen Soldaten zu versorgen. Und weil es an den Oberstufen sehr viel Wichtigeres zu lernen gibt.

Interessant ist der Vorschlag der Militärdirektoren trotzdem. Er zeigt exemplarisch, wo Politik und Armeespitze bisher die Ursachen des Personalmangels orten. Das Problem, so die Logik, sind die Jungen, die sich ihrer Dienstpflicht feige und vaterlandsmüde entziehen. Ihnen muss man möglichst früh einbläuen, was für eine tolle Sache die Armee ist, und falls sie darauf nicht ansprechen, den Zivildienst mit möglichst hohen Übertrittshürden vergällen.

Äusserst zaghaft waren demgegenüber die Versuche, die Betriebskultur der Armee zu aktualisieren, sodass sie den heutigen Bedürfnissen und Erwartungen von Jugendlichen entspricht. Noch immer bestimmen strenge Hierarchien, tumbe Befehlsketten, sinnfreie Aufgaben und ein bizarrer Männlichkeitskult das Leben in der Armee. Nur wenn sie sich hier erneuert, kann sie darauf hoffen, jene motivierten Soldaten für sich zu gewinnen, die sie so dringend braucht.

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