Das AKW Mühleberg wird zum Fass ohne Boden

Millionenteure Sicherheitsnachrüstungen und eine Viertelmilliarde mehr als geplant für den Rückbau: Das AKW Mühleberg, einst der Goldesel der BKW, wird langsam zur Geldvernichtungsmaschine.

Laut einer Schätzung kosten die Stilllegung und die Entsorgung des AKW Mühleberg voraussichtlich 2,64 Milliarden Franken.

Laut einer Schätzung kosten die Stilllegung und die Entsorgung des AKW Mühleberg voraussichtlich 2,64 Milliarden Franken. Bild: Andreas Blatter

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Fukushima hat für die BKW sehr vieles verändert. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Stromkonzern vorher jedes Jahr dreistellige Millionengewinne angehäuft hat, ist verschwunden. Kostensenkungsprogramme, Stellenabbau und kaum überblickbare Zusatzkosten für die Sicherheitsnachrüstungen im AKW Mühleberg sind die Realität nach dem AKW-Unglück in Japan. Im ersten Halbjahr 2011 ist der Gewinn um ein Drittel eingebrochen.

Und es kommt noch dicker für die BKW: Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Schätzung kosten die Stilllegung und die Entsorgung des AKW Mühleberg voraussichtlich 2,64 Milliarden Franken – das sind rund 260 Millionen Franken mehr als bisher angenommen. Das hat zur Folge, dass die BKW ihre Rückstellungen um rund 200 Millionen Franken wird erhöhen müssen. Wann und in wie vielen Etappen sie dies tun wird, lässt sie offen. Kommuniziert hat die BKW lediglich, dass sie für 2012 mit zusätzlichen Abschreibungs- und Finanzkosten von 30 Millionen Franken rechnet. In den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds des Bundes muss die BKW in den nächsten Jahren voraussichtlich rund 33 Millionen Franken jährlich einzahlen. Das ist happig, denn in den letzten drei Jahren hatte sie jeweils lediglich 800'000 Franken überwiesen, wie ein BKW-Sprecher bestätigt.

Im Fonds fehlen Milliarden

Ob und welche Auswirkungen die höheren Stilllegungs- und Entsorgungskosten auf das bereits lancierte Spar- und Stellenabbauprogramm der BKW haben, bleibt im Moment unbeantwortet.

Wahrscheinlich werden die Kosten später erneut nach oben korrigiert, denn in fünf Jahren werden die Kosten erneut geschätzt. Die BKW muss sich in ihrer Finanzplanung also darauf einstellen, dass Rückbau und Entsorgung des AKW Mühleberg nochmals teurer werden als gestern vom Bundesamt für Energie kommuniziert. Insgesamt belaufen sich die Rückbau- und Entsorgungskosten aller fünf Schweizer Atomkraftwerke laut neuster Schätzung auf 20,7 Milliarden Franken.

Vor fünf Jahren ging der Bund noch von 18,8 Milliarden aus. Rund die Hälfte dieser Kosten finanzieren die AKW-Betreiber über die Jahre und den laufenden Betrieb selber, die andere Hälfte zahlen sie anteilsmässig in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds des Bundes ein. Bleiben diese Fondsbeiträge der AKW-Betreiber in den nächsten zehn Jahren gleich hoch wie heute, fehlen 2022 schätzungsweise immer noch rund 5 Milliarden Franken. Dieses Loch müssten zum grössten Teil die Stromkonzerne Alpiq, Axpo und BKW stopfen.

Kein Goldesel mehr

Definitiv schwierig wird es für die BKW, wenn sie das AKW Mühleberg vor dem Jahr 2022 abschalten muss. Dann wäre der Atommeiler 50 Jahre in Betrieb. Sind die Mühleberg-Gegner mit ihrer Forderung erfolgreich, dass dem AKW frühzeitig die Stecker gezogen werden, hätte die BKW für die Finanzierung von Stilllegung und Entsorgung weniger Zeit. Die finanzielle Belastung nähme ein weiteres Mal zu.

Das alles zeigt: Das alternde AKW ist plötzlich nicht mehr der Goldesel der BKW. Jedes Jahr hatte das Werk rund ein Drittel des BKW-Jahresgewinns beigesteuert. Das waren jeweils bis zu 100 Millionen Franken. Mittlerweile ist aus dem Goldesel eine Geldvernichtungsmaschine geworden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.11.2011, 07:19 Uhr

Stilllegung dauert rund 20 Jahre

Die Stilllegung und die Entsorgung eines Atomkraftwerks sind kompliziert und langwierig. Vom Moment des endgültigen Abschaltens bis zum vollständigen Rückbau dauert es 15 bis 20 Jahre. Die Nachbetriebsphase beginnt direkt nach der definitiven Abschaltung und dauert fünf Jahre. Sämtliche Brennelemente werden verpackt und abtransportiert. Danach beginnen die eigentlichen Rückbauarbeiten.

Alle Anlagen und Gebäude werden abgerissen und müssen wegen der radioaktiven Strahlung zum Teil endgelagert werden. Ein Teil des Betons kommt im Strassenbau zum Einsatz.

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