Cassis bleibt trotz Dreierticket Favorit

Der Gewinner im Vorfeld der Bundesratswahl ist Pierre Maudet. Die Schweizer Medien sind sich dennoch einig: Der Tessiner Ignazio Cassis bleibt im Rennen um den frei gewordenen Sitz von Didier Burkhalter vorne.

Die Bundesratskandidaten: Isabelle Moret, Ignazio Cassis und Pierre Maudet. (Video: Tamedia)

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Die FDP garantiert Spannung für die Bundesratswahl. Das freisinnige Dreierticket mit Ignazio Cassis, Pierre Maudet und Isabelle Moret werten die Zeitungskommentatoren als Erfolg für den aufstrebenden Genfer Maudet. Trotzdem bleibt für sie der Tessiner Cassis Favorit.

«Neue Zürcher Zeitung»

Die FDP habe mit der Kandidatenkür ihren Teil der Arbeit geleistet und biete dem Parlament eine gute Auswahl, nämlich einen ausgewiesenen Tessiner Kandidaten, eine erfahrene Parlamentarierin und einen überzeugenden Aussenseiter. Vorwerfen möge man der Fraktion, dass sie mit dem Dreierticket den Weg des geringsten Widerstands gewählt und nicht den Mut gehabt habe, sich für ein Doppelticket mit den zwei qualitativ besten Kandidaten auszusprechen. Mit ihrer Nominierung gebe die Partei Isabelle Moret die Chance, bis zum Wahltag in drei Wochen doch noch zu zeigen, dass sie auch auf dem Dreierticket nicht bloss eine Quotenfrau sei.

«Blick»

Die FDP habe richtig entschieden, findet der «Blick». Die Partei treffe nicht hinter verschlossenen Türen eine Vorentscheidung, sondern präsentiere der Bundesversammlung eine echte Auswahl. Nun könnten die anderen Fraktionen in den Hearings herausfinden, wer das Format für die Landesregierung habe. Und die Bundesversammlung könne entscheiden, was aus ihrer Sicht wichtiger sei: die regionale Ausgewogenheit des Bundesrats, eine angemessene Vertretung der Frauen oder Exekutiverfahrung. Die Zeitung sieht Cassis als «fast schon gewählt», obschon Maudets Chancen noch intakt seien. Für Moret gelte höchstens «das Prinzip Hoffnung».

«Tages-Anzeiger»/«Bund»

«Tages-Anzeiger» und «Bund» halten den Entscheid der FDP für ein Dreierticket für nachvollziehbar. Nützen werde die Dreierauswahl in der Tendenz dem Favoriten Cassis, weil sich die Stimmen seiner Gegner auf zwei Kandidaten verteilten. Gleichzeitig sorge Maudets steigende Formkurve für Dynamik und eine Unberechenbarkeit. Die Sache sei noch nicht gelaufen. Weil die Rücksichtnahme auf Minderheiten prägend sei für die Schweiz, sei die Zeit nach 18 Jahren wieder reif für einen Tessiner Bundesrat. Die Chancen für einen solchen seien dank Cassis so günstig wie selten.

«Luzerner Zeitung»/«St. Galler Tagblatt»

Mit dem Dreierticket sei eine Kompromisslösung herausgekommen, die alle drei Kandidaten das Gesicht wahren lasse. Die FDP profitiere mit der Dreierauswahl zudem davon, dass sie weiterhin viel Aufmerksamkeit geniesse. Dem Favoriten Cassis dürfte das Ticket keine ernsthaften Schwierigkeiten bereiten. Die Wahl des Tessiners wäre den Zeitungen zufolge eine gute Nachricht für die Ostschweiz. Denn damit stiege die Wahrscheinlichkeit, dass bei der nächsten FDP-Vakanz die St. Gallerin Karin Keller-Sutter zum Zug komme. Und spätestens bei Doris Leuthards Rücktritt könne auch die Zentralschweiz erneut ihren Anspruch anmelden.

«Le Temps»

Die FDP habe eine Wahl der Vorsicht und der Vernunft getroffen, schreibt die Westschweizer Zeitung «Le Temps», ohne sich für eine bestimmte Kandidatur auszusprechen. Die Partei schütze sich mit dem Dreierticket auch vor einer Sprengkandidatur. Prognosen seien jedoch heikel, weil die beiden Romands Moret und Maudet dasselbe Publikum im Zentrum und Links ansprechen würden. Davon könnte letztlich Cassis profitieren, weil sich die gegnerischen Stimmen auf die beiden anderen Kandidaten aufteilten.

«24 heures»

Der Entscheid der FDP vermeide es, jemanden zu verärgern, aber er sei auch nicht so offen, wie es den Anschein erwecke, schreibt «24 heures». Die Zeitung bedauert die abwartende Haltung des Tessiner Kandidaten Cassis, der es den Sommer über vermieden habe, etwas zu sagen oder zu tun, das seine Favoritenrolle in Frage stellen könnte. Für die Tageszeitung steht fest, dass eine Deutschschweizer Mehrheit dem Tessin zu einem Sitz in der Landesregierung verhelfen wolle, und dass die Rechte einen Kandidaten auf ihrer Linie anstrebe.

«La Tribune de Genève»

Der grosse Gewinner im Vorlauf zur Bundesratswahl sei ohne Zweifel Pierre Maudet. Sehr überzeugend in der Deutschschweiz habe sich der Genfer einen Platz auf dem FDP-Ticket gesichert, in dem er in Sachen Ideen und Führung als Bester gepunktet habe. Die FDP habe Kühnheit gezeigt, indem sie drei Kandidaten mit sehr unterschiedlichen Profilen präsentiere. Auch die Genfer Zeitung sieht den Tessiner Cassis als Favoriten im Rennen um den Bundesratssitz, dicht gefolgt vom aufstrebenden Pierre Maudet. (kfi/sda)

Erstellt: 02.09.2017, 09:08 Uhr

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