Bischöfe sind gegen Homo-Segnung

Die Bischofskonferenz stützt im Fall Bürglen den Churer Bischof Vitus Huonder. Laut Beobachtern zeugt dies davon, dass das Gremium in letzter Zeit nach rechts gerutscht ist.

Die Bischöfe befürchten, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit der Ehe verwechselt werden. Foto: Andy Müller (Freshfocus)

Die Bischöfe befürchten, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit der Ehe verwechselt werden. Foto: Andy Müller (Freshfocus)

Michael Meier@tagesanzeiger

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist «nicht möglich». Das teilte die Schweizer Bischofskonferenz am Donnerstag nach ihrer Versammlung in Genf mit. Es liege nicht in ihrer Kompetenz, «Lehre und Disziplin der Kirche zu ändern». Die Klärung des konkreten Vorfalls in Bürglen UR, wo Pfarrer Wendelin Bucheli ein Lesbenpaar gesegnet hatte, obliege den zuständigen Bischöfen von Chur und Lausanne.

Wie der Präsident der Bischofskonferenz, Markus Büchel, dem DerBund.ch/Newsnet sagte, bestehe bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften die Gefahr, sie mit der Ehe zu verwechseln. Darum dürfe man nur den einzelnen homosexuellen Menschen, nicht aber deren Partnerschaft segnen. Die Bischöfe hätten nichts dagegen, dass der Staat solche Partnerschaften privilegiere, solange er sie nicht mit der Ehe gleichstelle.

Laut dem Kapuziner Willi Anderau vom Vorstand der Pfarrei-Initiative begründen die Bischöfe das Nein zur Homo-Segnung mit ihrem Pastoralschreiben von 2002. Darin hielten sie aber auch fest, dass es im rechtlich-zivilen Bereich für dauerhafte homosexuelle Lebens­gemeinschaften rechtliche Bestimmungen brauche, weshalb sie eine registrierte Partnerschaft nicht ablehnten. «Warum sollte man dann solche Paare nicht auch segnen dürfen?», fragt Anderau. In der Gesellschaft habe der Wind gedreht. «Doch die Bischöfe scheuen sich, das Gespräch mit der Gesellschaft aufzunehmen und die seelsorgerischen Konsequenzen zu ziehen.» Es gelinge ihnen auch nicht, ein Verbot von Homo-Segnungen im Kirchenrecht nachzuweisen.

Gespalten und führungsschwach

Es war der Churer Weihbischof Marian Eleganti, der die Bischöfe ultimativ aufgefordert hatte, sich im Fall Bürglen geschlossen hinter Bischof Vitus Huonder zu stellen. Anderau zufolge ist deren Antwort ein Symptom dafür, dass die Bischofskonferenz in den letzten zwei Jahren markant nach rechts gerutscht, gespalten und führungsschwach ist. Ton­angebend sind neben Huonder die ihn stützenden neuen Bischöfe im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg.

Beide haben ihre konservative Prägung in Rom erhalten: Diözesanbischof Charles Morerod als Rektor an der päpstlichen Universität ­Angelicum, sein Weihbischof Alain de Raemy als Kaplan der Schweizergarde. Auch die neuen Bischöfe von Lugano und Sitten, Valerio Lazzeri und Jean-Marie Lovey, gelten als dogmatisch linientreu.

Die liberaleren Mitglieder der Konferenz ziehen sich in ihre Bistümer zurück. Der Basler Bischof Felix Gmür, einst als Hoffnungsträger gehandelt, äussert sich kaum zu brennenden Themen auf nationalkirchlicher Ebene. Und der St. Galler Bischof Büchel muss als Präsident der Bischofskonferenz bisweilen contre cœur Stellung beziehen, sodass seine Aussagen schwammig ausfallen. Er, der an der Familiensynode in Rom teilnahm, mag das an der Folgesynode im Herbst nicht mehr tun. Er will sich nicht dem Unmut der Gläubigen aussetzen, wenn die Synode keine Reformen beschliesst. Büchel schickt an seiner Stelle den amtsjüngsten Bischof Lovey an die Synode.

Ausdruck des Rechtsrutschs ist auch die «Umstrukturierung» im bischöflichen Generalsekretariat. Dem profilierten Informationsbeauftragten Simon Spengler wurde gekündigt, worauf Werner de Schepper von der bischöflichen Medienkommission zurücktrat. Beide ehemaligen «Blick»-Journalisten standen für eine offensive Informationspolitik, welche die Bischöfe durch Marketing ersetzen wollen.

«Der Oberhirte ist untergetaucht»

Das Communiqué von gestern Donnerstag zeigt, dass es für Huonder ein Leichtes ist, die führungsschwache Bischofskonferenz mit faits accomplis und eigenen Stellungnahmen unter Zugzwang zu setzen. Wobei Mariano Tschuor von der bischöflichen Medienkommission im «Bündner Tagblatt» feststellt: «Der Oberhirte selbst ist untergetaucht, den gibt es nur noch in seinen mahnenden Botschaften zur Weihnachts- und Fastenzeit oder – quasi schon als Fata Morgana – zitiert in der dritten Person.»

Chur habe einen neuen Bischof, den Informationsbeauftragten Giuseppe Gracia, der ständig im Namen des Bischofs spreche, schreibe, kommentiere, zurechtweise und so zur Personifizierung des Bistums geworden sei. Mehr noch: Gracia ist heute die vernehmbarste Stimme der Bischöfe. Sie selbst reden sich nur höchst ungern mit den unpopulären kirchlichen Positionen ins gesellschaftliche Abseits.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt