Bereits Dutzende Anmeldungen für das Grundeinkommen

Das Interesse am Gesellschaftsexperiment in Rheinau ZH ist gross. Viele Einwohner haben sich schon angemeldet.

Die Hälfte ist für das Experiment nötig: Das zürcherische Dorf Rheinau zählt 1300 Seelen. (6. Juni 2018)

Die Hälfte ist für das Experiment nötig: Das zürcherische Dorf Rheinau zählt 1300 Seelen. (6. Juni 2018) Bild: Walter Bieri/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Schon Dutzende von Rheinauerinenn und Rheinauern haben sich für das bedingungslose Grundeinkommen angemeldet. Noch während der Informationsveranstaltung vom Freitagabend haben viele von ihnen das Anmeldeformular ausgefüllt.

Eine der ersten, die sich angemeldet haben, ist Martina Kunz, eine junge Mutter von drei Kindern, die als Schneiderin selbständig ist. Sie weiss jetzt schon, was sie mit den 2500 Franken Grundeinkommen machen würde: «Ich würde das Geld nutzen, um die Kinder mehr in die Betreuung zu geben. Dann könnte ich mehr arbeiten.»

Eine ältere Rheinauerin, die sich mit Agnes vorstellte, war anfangs gar nicht begeistert, als sie vom bedingungslosen Grundeinkommen hörte. «Geht es noch? So verrückt.» Sie sei skeptisch, räumte sie ein. Doch wenn man es nicht probiere, wisse man nie, ob es funktioniere oder nicht. Deshalb mache sie mit.

Formulare im Sekundentakt

So wie diese beiden Frauen denken viele der rund 400 Rheinauerinnen und Rheinauer, die ihren Freitagabend in der Mehrzweckhalle verbrachten, um mehr über das Experiment zu erfahren.

Im Sekundentakt landeten nach dem Anlass die Anmeldeformulare in der Abstimmungsurne, welche die Gemeinde beim Ausgang bereitstellte. Wie viele sich bereits anmeldeten, kann noch nicht gesagt werden.

Gemeindepräsident Andreas Jenni (SP) hofft, dass noch viele Rheinauerinnen und Rheinauer so denken wie die beiden Frauen, die sich bereits für eine Teilnahme entschieden haben. Der Gesamtgemeinderat möchte gerne am Experiment mitmachen. Mit der Informationsveranstaltung vom Freitag, an der rund 400 Interessierte teilnahmen, wurde der Anmeldeprozess eröffnet.

650 Anmeldungen sind nötig

Damit mit dem Experiment gestartet wird, muss etwa die Hälfte der Gemeinde mitmachen. Nötig sind also etwa 650 Anmeldungen, die Anmeldefrist beträgt zwei Wochen. Fehlen dann nur noch einige wenige Mitstreiter, wird die Frist aber noch etwas verlängert.

Video: Wollen die Rheinauer das Grundeinkommen?

Der Test im Juni 2018: Die Einwohner sagen, was sie davon halten und ob sie mitmachen wollen. (Video: Tamedia)

Ganz bedingungslos ist das Grundeinkommen allerdings nicht: Mitmachen kann nur, wenn in Rheinau wohnt, ein eigenes Konto hat und älter als 25 ist. Es ist zudem kein Zusatzeinkommen, denn wer mehr als 2500 Franken Einkommen hat, muss das Geld aus dem Projekt, das jeweils Anfang Monat aufs Konto kommt, zurückzahlen. Das Projekt bringt somit nur jenen etwas, die ohnehin weniger als 2500 Franken pro Monat einnehmen, also etwa Alleinerziehende, Studenten oder Rentner, die nur von der AHV leben.

Doch auch Besserverdienende können mitmachen. Sie würden zwar nicht finanziell profitieren – aber von den Erfahrungen, die im Dorf gemacht würden, sind die Verantwortlichen überzeugt.

Drei bis fünf Millionen nötig

Doch auch wenn genügend Rheinauerinnen und Rheinauer mitmachen, ist das Projekt noch nicht gesichert. Es müssten dann noch drei bis fünf Millionen Franken zusammenkommen. Weil die Gemeinde dafür keine Steuergelder aufwenden will, müsste das Geld über eine Sammelaktion zusammenkommen. Ein Wissenschaftsteam will das Projekt begleiten und die Veränderungen in der Gemeinde beobachten. Untersucht werden soll die Wirkung auf Familien, die Kaufkraft und das ganze Dorf.

Auf Bundesebene kam die Idee vor zwei Jahren schlecht an. Die Schweizer Stimmbevölkerung lehnte die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens wuchtig ab. Diese Abstimmung hatte die Filmemacherin Rebecca Panian aber dazu veranlasst, das Projekt zu starten.

Auf Rheinau kam Panian, weil sich die Gemeinde nach einem Aufruf selber dafür auf der Projektwebsite angemeldet hatte. Der Gemeinderat findet das Projekt gesellschaftspolitisch unterstützenswert, obwohl er durchaus auch kritisch ist. (fal/sda)

Erstellt: 31.08.2018, 22:20 Uhr

Artikel zum Thema

Hier wird das bedingungslose Grundeinkommen bereits getestet

Im Zürcher Dorf Rheinau soll ein Jahr lang jeder das Recht auf ein Grundeinkommen haben. Fünf solche Programme gibt es bereits im Ausland – ein Überblick. Mehr...

Das halten die Rheinauer vom Grundeinkommen-Experiment

Video Rheinau testet als erste Schweizer Gemeinde das Grundeinkommen. Machen die Bewohner mit? DerBund.ch/Newsnet hat nachgefragt. Mehr...

Zürcher Gemeinde Rheinau will Grundeinkommen testen

Video 2500 Franken pro Monat: Der Gemeinderat von Rheinau unterstützt einen Versuch mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Rund und gesund
Geldblog So vermeiden Sie Negativzinsen

Werbung

Fussballinteressiert?

Hintergrundinformationen, Trainerdiskussionen und Pseudo-Expertentum vom Feinsten.

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...