Auch Genfer CVP-Nationalrat nach Abu Dhabi eingeladen

Weil er sich nach Abu Dhabi einladen liess, wurde der Genfer FDP-Regierungsrat Maudet heftig kritisiert. Nun steht fest: Er war nicht der einzige.

Es sei eine Reise ohne offiziellen Charakter gewesen: Guillaume Barazzone im Nationalrat während der Sommersession in Bern. (29. Mai 2018)

Es sei eine Reise ohne offiziellen Charakter gewesen: Guillaume Barazzone im Nationalrat während der Sommersession in Bern. (29. Mai 2018) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Der Genfer CVP-Magistrat Guillaume Barazzone hat sich wie Pierre Maudet nach Abu Dhabi einladen lassen. Das Mitglied der Genfer Stadtregierung stellt sich aber auf den Standpunkt, dass diese Reise keinen offiziellen Charakter hatte.

«In der aktuellen Situation wird eine einfache Auskunft zu einem Geständnis», sagte der Präsident des Genfer Stadtparlaments, Eric Bertinat (SVP), am Donnerstag. Er bestätigte damit Berichte der Tageszeitung «Tribune de Genève» und von «Radio Lac».

Barazzone hatte am Mittwochabend im Stadtparlament bei der Beantwortung einer Frage betreffend private Reisen von Exekutivmitgliedern bekannt gemacht, dass er sich vom 23. bis zum 26. November 2017 in Abu Dhabi aufgehalten hat und dort auch einem Formel-1-Grand-Prix-Rennen beigewohnt hat.

Diese Reise sei rein privat gewesen, erklärte Barazzone. Bezahlt wurde der viertägige Aufenthalt nach seinen Angaben vollumfänglich von einem Freund, einem spanischen Anwalt, der in Abu Dhabi lebt.

Auf Nachfrage der Agentur Keystone-SDA wollte Barazzone keine weiteren Details bekannt geben. In der Reise des 36-jährigen CVP-Politikers, der für die Sicherheit und die Umwelt in der Stadt Genf zuständig ist, steckt vor dem Hintergrund der Affäre Maudet ohnehin einige Brisanz. Ob sie für ihn ebenfalls Konsequenzen nach sich ziehen wird, ist noch nicht abzusehen.

Ähnliche Karrieren

Der 40-jährige Genfer FDP-Regierungsrat Pierre Maudet hatte sich im November 2015 in Begleitung seines Stabschefs und seiner Familie nach Abu Dhabi einladen lassen. Die Rechnung wurde nicht «von einem Freund eines Freundes» bezahlt, wie Maudet zunächst behauptet hatte.

Vielmehr wurde die Luxus-Reise vom Kronprinzen des Emirats, Scheich Mohamed Bin Zayed bin Al-Nahyan, beglichen. Die Genfer Staatsanwaltschaft verdächtigt den früheren Regierungspräsidenten deshalb der Vorteilsnahme. Maudet musste im Zuge dieser Affäre das Regierungspräsidium sowie die Kontrolle über die Polizei und den Flughafen abgeben. Zurücktreten will Maudet bislang nicht.

Die Karriere von Barazzone erinnert in vielerlei Hinsicht an diejenige von Pierre Maudet. Der Anwalt Guillaume Barazzone war 2012 in die Regierung der Stadt Genf gewählt worden. Von Juni 2016 bis Mai 2017 hatte er das Stadtpräsidium inne. Seit Dezember 2013 ist der CVP-Politiker zudem Mitglied des Nationalrates.

Auch Pierre Maudet war vor seiner Wahl in die Kantonsregierung in der Stadtregierung von Genf und gehörte zu den jüngsten Stadtpräsidenten der Rhone-Stadt überhaupt. Letztes Jahr verpasste er die Wahl in den Bundesrat knapp. (sep/sda)

Erstellt: 19.10.2018, 11:11 Uhr

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