Antifeministen wollen Frauenhäuser enttarnen

Weil dort angeblich Männerhass geschürt wird, will der Ex-SVP-Politiker René Kuhn die geheimen Adressen der Frauenhäuser veröffentlichen. Er muss mit einer Klage rechnen.

Werfen Frauenhäusern vor, auch nicht von Gewalt betroffene Frauen aufzunehmen: René Kuhn (links) und Urs Bleiker (rechts), hier an der IGAF-Tagung im Oktober 2010.

Werfen Frauenhäusern vor, auch nicht von Gewalt betroffene Frauen aufzunehmen: René Kuhn (links) und Urs Bleiker (rechts), hier an der IGAF-Tagung im Oktober 2010.

(Bild: Keystone)

Die Interessengemeinschaft Antifeminismus IGAF rund um Präsident Urs Bleiker und Ex-SVP-Politiker René Kuhn will die geheimen Adressen der 18 Frauenhäuser in der Schweiz publizieren. Das schreibt die Lobbygruppe auf ihrer Website. «20 Minuten» berichtet in der heutigen Ausgabe von den Plänen der Antifeministen.

Viele Frauen würden ihren Ehepartner fälschlich der häuslichen Gewalt bezichtigen, um eine bessere Ausgangssituation in Sorgerechtsstreitigkeiten zu haben, begründet die Gruppe ihre Pläne. Sie ruft die Öffentlichkeit dazu auf, ihr Adressen von Frauenhäusern zu melden. «Die Bevölkerung soll wissen, wo Männerhass geschürt wird und wo sich die Trainingslager zur Ruinierung der Männer befinden.»

Unterstützt wird die Gruppe vom Aktivisten Michael Handel, der die Organisation Kinder ohne Rechte leitet. Er publizierte heute Morgen einen offenen Brief an die Dachorganisation der Frauenhäuser auf seiner Website: Aus Gesprächen mit Frauen, Männern und Kindern zum Thema Scheidung und häusliche Gewalt gehe hervor, «dass Ihre Institution nicht nur nützliche Dienste anbietet, sondern ebenso dazu verwendet wird, sich in scheidungsrechtlichen Angelegenheiten vorteilhaft zu positionieren». Von Gewalt nicht betroffene Frauen würden im Aufsuchen des Frauenhauses einen «relevanten Vorteil bezüglich der Zuteilung der elterlichen Sorge» sehen.

Beschränktes Platzangebot

Gabriela Chu von der Dachorganisation der Frauenhäuser bestreitet, dass nicht gefährdete Frauen in den Heimen wohnen. «Wir nehmen nur Frauen und Kinder auf, die wirklich hoch gefährdet sind.» Etwas anderes lasse schon alleine das beschränkte Angebot von 250 Plätzen nicht zu. Wer Zuflucht finden will, müsse sich einem längeren persönlichen Gespräch stellen.

Mit ihren Plänen setzten die Antifeministen «ganz klar Leben aufs Spiel». Für bedrohte Frauen gebe es keinen anderen Ort, an den sie flüchten könnten. Die Dachorganisation habe darum bereits Kontakt mit einem Anwalt aufgenommen, um rechtliche Schritte gegen die Aktivisten zu prüfen. Chu kritisiert, dass weder die Antifeministen noch Kinder ohne Rechte je mit der Dachorganisation das Gespräch gesucht hätten. «Es besteht kein Interesse für einen Dialog.»

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