Ab wann kann die PID nun angewandt werden?

Acht Fragen und Antworten zur Präimplantationsdiagnostik, nachdem die Vorlage vom Volk angenommen wurde.

Tritt frühestens 2017 in Kraft: Die Gegner der Präimplantationsdiagnostik haben das Referendum ergriffen.

Tritt frühestens 2017 in Kraft: Die Gegner der Präimplantationsdiagnostik haben das Referendum ergriffen. Bild: Gaetan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was bedeutet das Ja zum Verfassungsartikel für die Fortpflanzungsmedizin in der Schweiz?
Die neue Bestimmung ist die Grundlage zur Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID), der genetischen Untersuchung von Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib. Denn künftig dürfen bei einer künstlichen Befruchtung so viele Embryonen hergestellt werden, wie für die medizinisch unterstützte Fortpflanzung notwendig sind. Bisher lag die maximale Embryonenzahl bei drei. Um bei vorbelasteten Paaren mit der PID genetisch bedingte Krankheiten auszuschliessen, ist eine grössere Zahl von Embryonen nötig.

Ab wann kann die PID in der Schweiz angewandt werden?
Zuerst muss das revidierte Fortpflanzungsmedizingesetz in Kraft treten. Dieses liegt zwar vor, aber die Gegner der PID wollen gegen das Gesetz das Referendum ergreifen. Damit dürfte das Volk 2016 erneut über die PID abstimmen. Stimmt das Volk dem Gesetz zu, könnte die PID ab 2017 in der Schweiz praktiziert werden.

Wie viele Paare können künftig die PID nutzen?
Falls das Gesetz in der vorliegenden Fassung in Kraft tritt, könnte die PID zwar theoretisch bei jährlich etwa 6000 Paaren angewandt werden. So viele nutzen die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung im Reagenzglas. Sinnvoll erscheint die PID aber nur bei rund 700 Paaren, bei denen ein erhöhtes Risiko für genetische Defekte oder für eine Chromosomenstörung besteht. Darunter sind 50 bis 100 Paare, in deren Familie eine genetisch bedingte schwere Erbkrankheit vorkommt.

Welche Krankheiten können mit der PID verhindert werden?
Neben verschiedenen Chromosomenstörungen, die meist zum Absterben des Fötus führen, werden vorwiegend Krankheiten nachgewiesen, die durch einen Defekt in einem einzelnen Gen ausgelöst werden. Embryonen werden am häufigsten auf die Blutarmut-Erkrankungen Thalassämie und Sichelzellenanämie untersucht. Weitere häufige Tests betreffen die Stoffwechselerkrankung Zystische Fibrose, die fortschreitende Muskelerkrankung Myotone Dystrophie sowie die neurodegenerative Huntington-Krankheit. Etwas weniger oft sind Untersuchungen auf das Fragile-X-Syndrom, die Bluterkrankheit sowie weitere fortschreitende Muskelerkrankungen. Alle diese Erbleiden senken die Lebenserwartung und sind sehr therapieintensiv.

Warum ist das Gesetz weiterhin umstritten, obwohl das Volk der Verfassungsgrundlage zugestimmt hat?
Die Gegner wollen vor allem die Untersuchung von Embryonen auf Chromosomenanomalien verhindern, insbesondere den Test auf Trisomie 21. Die Trisomie 21 – Ursache für das Downsyndrom – ist keine Erbkrankheit, sondern eine Chromosomenstörung. Zusätzlich stören sich die Gegner des Gesetzes an der neuen Möglichkeit, bei der künstlichen Befruchtung generell bis zu zwölf Embryonen herstellen zu können. Einer Frau kann künftig pro Behandlungszyklus nur ein Embryo eingepflanzt werden, weitere können für eine spätere Behandlung eingefroren werden. Dies führe zu überzähligen Embryonen, die später vernichtet oder zur Forschung verwendet werden, argumentieren die Gegner.

Was passiert, wenn das Volk das Gesetz ablehnt?
Dann muss das Parlament das Fortpflanzungsmedizingesetz nochmals überarbeiten. Vermutlich werden sich die Räte dann an die ursprüngliche Absicht des Bundesrates halten, wonach die PID nur zur Verhinderung schwerer Erbkrankheiten eingesetzt werden darf. Solange sich das Parlament auf kein neues Gesetz einigt, gilt das bestehende Fortpflanzungsmedizingesetz. Und in diesem ist die PID explizit verboten.

Welche Anwendungen bleiben in der Schweiz so oder so verboten?
Weiterhin verboten sind Retterbabys, die beispielsweise für eine Spende von Blutstammzellen an ihre Geschwister geeignet sind. Auch die Geschlechtswahl und die Auswahl von äusserlichen Eigenschaften wie blaue Augen (Designerbabys) bleiben verboten. Weiterhin untersagt sind die Embryonenspende an andere Frauen sowie jegliche Arten der Leihmutterschaft. Die im Ausland immer häufiger angewendete Eizellspende ist noch verboten, jedoch möchte das Parlament diese erlauben.

Wie viel kostet die PID und wer bezahlt?
Wie bei der künstlichen Befruchtung muss das Paar die Kosten tragen. Bundesrat Alain Berset bezifferte im Abstimmungskampf die Kosten der PID auf 5000 bis 10'000 Franken. Zusätzlich müssen die Paare die Kosten der künstlichen Befruchtung tragen, die sich auf 4000 bis 5000 Franken pro Zyklus belaufen. Dazu kommen noch teure Hormonbehandlungen. Meist sind mehrere Behandlungszyklen notwendig. Im Gegensatz zur PID sind die Kosten der pränatalen Tests während der Schwangerschaft von der Kasse bezahlt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.06.2015, 15:09 Uhr

Artikel zum Thema

Klares Ja für PID – Referendum angekündigt

Infografik Es ist definitiv: 61,9 Prozent sagen Ja zur Präimplantationsdiagnostik. Lesen Sie hier die Reaktionen. Mehr...

«Präimplantations... Prämimplat...»

Was wissen die Bürger über Präimplantationsdiagnostik? Wer fürchtet sich vor Designer-Babys? Und: Würden Sie beim eigenen Kind eine Eigenschaft bestimmen wollen? Die Strassenumfrage. Mehr...

Der Damm ist längst gebrochen

Auch ohne Präimplantationsdiagnostik betreiben zahlreiche Länder Programme, um im grossen Stil die Geburt von erbkranken Kindern zu verhindern. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Blogs

Zum Runden Leder Ein Banker im Wankdorf

Michèle & Friends Werden Kater mit dem Alter schlimmer?

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Die Welt in Bildern

Die Hinterlassenschaft von Mangkhut: Mit Wind-Geschwindigkeiten von über 200 km/h fegte der Supertaifun über die chinesische Küste – und liess die Fenster eines Geschäftsgebäudes in Hongkong zerbersten. (17. September 2018)
(Bild: Lam Yik Fei/Getty Images) Mehr...