«700 Gramm Plastit sind sehr viel Sprengstoff»

Im Kanton Graubünden ist in einer Panzer-RS Sprengstoff gestohlen worden. Die Behörden sind weiterhin auf der Suche. Sicherheitsexperte Albert Stahel erklärt DerBund.ch/Newsnet, wie gefährlich dieses Material ist.

Diebstahl in der RS: Schweizer Armeepanzer.

Diebstahl in der RS: Schweizer Armeepanzer.

(Bild: Keystone)

Jan Knüsel

In der Panzer-RS im bündnerischen Hinterrhein sind 700 Gramm des Sprengstoffs Plastit verschwunden. Entdeckt wurde das Fehlen des Plastiksprengstoffs am letzten Freitag bei einer Munitionskontrolle. «Der Sprengstoff ist noch nicht aufgetaucht. Im Moment führt die Militärpolizei Befragungen bei Armeeangehörigen durch», erklärt Martina Hugentobler, Mediensprecherin der Militärjustiz, DerBund.ch/Newsnet. Die Militärjustiz habe die Ermittlungen übernommen, weil die Tat auf dem Militärgelände stattfand und nichts auf eine zivile Täterschaft hinweise. «Es sind keine Einbruchspuren gefunden worden», erklärt Hugentobler.

Doch wie gefährlich sind 700 Gramm Plastit? «Es handelt sich hier um kein Bagatelldelikt. Plastit ist unbestritten sehr gefährlich», warnt Christian Burri, Mediensprecher beim VBS, gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Sicherheits- und Sprengstoffexperte Albert Stahel von der Universität Zürich bestätigt: «700 Gramm Plastit sind sehr viel. Damit kann man Telefonmasten zum Kippen bringen oder Hochspannungsleitungen zerstören.» Plastit zeichnet sich dadurch aus, dass es weich und formbar ist. Aus diesen Gründen wird das Material umgangssprachlich als Plastiksprengstoff bezeichnet.

Beruhigend ist der Umstand, dass beim Diebstahl keine Sprengkapsel entwendet wurde. «Um Plastitsprengstoff zur Explosion zu bringen, benötigt man in der Regel Sprengkapseln», erklärt Albert Stahel DerBund.ch/Newsnet weiter. Eine solche zu beschaffen, sei auch nicht einfach. Auf Baustellen oder in Steinbrüchen würden solche verwendet. Solange aber keine Experten im Besitz von Plastit sind, bestehe wenig Gefahr. «Für die Anwendung dieses Sprengstoffs sollte man zumindest einmal einen Kurs im Sprengen besucht haben.»

Gefahr des Verkaufs

Doch wozu wird Plastitsprengstoff gestohlen? «Entweder haben die Diebe den Sprengstoff für den Eigengebrauch entwendet, oder sie haben es aus Jux gemacht, oder im schlimmsten Fall wollen sie ihn verkaufen», mutmasst Albert Stahel. Tatsächlich gab es 2006 einen Fall, bei dem Schweizer gestohlene Sturmgewehre den Tamil Tigers verkaufen wollten (Tagesanzeiger.ch berichtete). Sie hatten aus einer Truppenunterkunft im Kanton Freiburg 82 Sturmgewehre, 3 Pistolen, 10 Nachtsichtgeräte, 3 Infrarot-Pointer und über 40 Pakete Taschenmunition entwendet. 1997 kam es zu einem ähnlichen Fall, als Diebe 448 gestohlene Übungsgranaten verdeckten Ermittlern der Polizei zum Verkauf anboten.

Wie Tagesanzeiger.ch weiter berichtete, kommt es in der Armee immer wieder zu Diebstählen. Umfassende Statistiken dazu gibt es nicht. Laut der Militärjustiz machen Diebstähle jedoch nur einen Bruchteil der durchgeführten Strafverfahren aus. Gemäss Artikel 131 des Militärgesetzes droht in solchen Fällen eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

DerBund.ch/Newsnet

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