615'000 Schweizer haben weniger als 2247 Franken pro Monat

Die Armut in der Schweiz steigt. 7,5 Prozent der Bevölkerung sind laut dem Bundesamt für Statistik betroffen.

Blick in einen Caritas-Markt: Die Hilfsorganisation fordert eine landesweite Armutsstrategie.

Blick in einen Caritas-Markt: Die Hilfsorganisation fordert eine landesweite Armutsstrategie. Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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615'000 Personen sind in der Schweiz von Armut betroffen. Das zeigen die neusten Zahlen, die das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag veröffentlichte. Im Jahr 2016 waren insgesamt 7,5 Prozent der Menschen in der Schweiz von Armut betroffen – ein Plus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit steigt die Zahl der Armen in der Schweiz weiter an: 2014 waren es noch 6,7 Prozent.

Die Armutsgrenze liegt laut BFS bei durchschnittlich 2247 Franken pro Monat für eine Einzelperson und 3981 Franken pro Monat für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren. Das BFS bezieht sich dabei auf die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe.

Am höchsten ist die Armutsquote bei Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern und bei Personen ohne Lehre oder ähnliche Ausbildung. Unter den Betroffenen sind 140'000 erwerbstätig, also sogenannte Working Poor.

Das Bundesamt für Statistik betont jedoch, dass viele Betroffene nur kurze Zeit arm sind. Das zeige der Überblick über die letzten vier Jahre: 7,7 Prozent der Bevölkerung waren in genau einem Jahr armutsbetroffen, 2,5 Prozent in zwei Jahren, 1,2 Prozent in drei Jahren und nur 0,9 Prozent in allen vier Jahren. Der grösste Teil der Armutsbetroffenen verfügte somit relativ rasch wieder über ein Einkommen oberhalb der Armutsgrenze.

Die Caritas kritisiert, dass die Zahl der Armen trotz der guten Wirtschaftslage steigt. Sie fordert von Bund, Kantonen und Gemeinden, dieser Entwicklung eine wirksame Armutspolitik entgegenzusetzen. «Armutsrisiken wie Aussteuerung, Langzeitarbeitslosigkeit oder Scheidung sind nicht abgesichert. Es braucht deshalb eine landesweite Armutsstrategie», teilt die Organisation mit.


Video – Alternative zur Sozialhilfe für ältere Arbeitslose

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) verlangt, dass über 55-Jährige, die ihre Stelle verlieren, in der Arbeitslosenversicherung versichert bleiben. (Video: SDA) (hal/sda)

Erstellt: 10.04.2018, 11:16 Uhr

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Armutsgrenze

Die Armutsgrenze umfasst die Kosten für die Miete und den sogenannten Grundbedarf für den Lebensunterhalt. Dieser umfasst unter anderem Lebensmittel, Kleidung, Tabakwaren, Körperpflegeartikel oder den Coiffeur. Zusätzlich rechnet das BFS 100 Franken pro Person über 16 Jahre hinzu. Die Kosten der obligatorischen Krankenkasse sind im Betrag nicht enthalten. (hal)

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