Mehr Kontrolle über eigene Daten

Die meisten Politiker fragen nicht, ob sie die Daten ihrer Nutzer bearbeiten dürfen, obwohl das Gesetz das vorschreibt

Barnaby Skinner@BarJack

Ungehemmt sammeln und analysieren viele Politiker die Daten ihrer Website-Besucher. Sie tun das, um ihre potenziellen Wähler besser kennen zu lernen. Im World Wide Web ist das gang und gäbe. Unternehmen wie Google sind mit Datenanalyse gross geworden.

Es gibt dabei allerdings ein Problem: Die meisten Politiker fragen nicht, ob sie die Daten ihrer Nutzer bearbeiten dürfen, obwohl das Gesetz das vorschreibt. Darauf aufmerksam gemacht, geben sich ausgerechnet jene Politiker am uneinsichtigsten, die angeblich für eine unabhängige Schweiz und gegen fremde Richter kämpfen. Die SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz antwortete auf eine entsprechende Frage: «Ich verstehe nicht, was Sie wollen.» Der Baselbieter SVP-Nationalrat Sebastian Frehner meint: «Es interessiert doch niemanden, wer auf meiner Seite ist.»

Frehner täuscht sich. Im Internet ist von Link bis Like alles interessant. Wer im Web surft, sammelt im Browser Dutzende von Wanzen an. Sie zeichnen auf, was ein Nutzer anklickt, welches Gerät er nutzt, angereichert mit GPS-Koordinaten des Handys oder der IP-Nummer. Letzteres ist die Identifikationskarte jedes Gerätes im Internet. Die Daten landen in der Regel auf Servern in den USA. Gewiefte Firmen wie Google oder Facebook können damit etwa auf die Kaufkraft eines Nutzers schliessen. Vielleicht lässt sich dank dem Surfverhalten auf den Sites der Nationalräte gar die politische Ausrichtung errechnen.

Dem Vorbild von Google oder Facebook folgend, wirken mittlerweile auch Onlinemedien nach Kräften dabei mit, dass Bürger immer gläserner werden. Auch der «Tages-Anzeiger» sammelt im Netz Leserdaten, um Werbung zu verkaufen. Allerdings deklariert er dies auch, wie es das Gesetz verlangt. Möglicherweise ist das Problem für Leute wie Herrn Frehner oder Frau Amaudruz einfach noch zu abstrakt. Trotzdem stehen sie und alle ihre Ratskollegen in der Pflicht, sich ernsthafter damit auseinanderzusetzen, wie Herr und Frau Schweizer wieder mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten im Internet bekommen. Mehr Transparenz auf den eigenen Websites zu schaffen, wäre ein guter Anfang.

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