Linke streiten sich wegen Trump-Besuchs

Die Anti-WEF-Demonstranten kritisieren die Globalisierung. Donald Trump tut dasselbe. Trotzdem ist er ihre Hassfigur.

Für Funiciello ist klar: «Die Juso wird sicher nicht still zusehen, wenn dieser rassistische und sexistische Trottel in die Schweiz kommt.»

Für Funiciello ist klar: «Die Juso wird sicher nicht still zusehen, wenn dieser rassistische und sexistische Trottel in die Schweiz kommt.» Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Für Juso-Chefin Tamara Funiciello ist der Fall klar: «Die Juso wird sicher nicht still zusehen, wenn dieser rassistische und sexistische Trottel in die Schweiz kommt.»

Dieser «Trottel» ist der US-Präsident Donald Trump. Er ist eine Galionsfigur der Rechtspopulisten, zu deren Agenda die Globalisierungskritik gehört – ein Thema, das in den letzten Jahrzehnten vornehmlich die Linken bewirtschaftet haben. Für den Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen ist es daher «geradezu ironisch», dass die Anti-WEF-Demonstranten nun auf Trump losgehen. Es zeuge für ihn aber auch von Ignoranz: «Die Schweiz verdient jeden zweiten Franken im Ausland. Wir sind keine Insel – und die USA sind unser zweitwichtigster Handelspartner.»

Liberalisierung ja, Migration nein

Trump stemmt sich gegen verschiedene Freihandelsabkommen. Das müsste Musik sein in den Ohren der Linken. Dem ist aber nicht so. «Natürlich sieht es von aussen so aus, als wären wir auf einer Linie mit Trump», sagt Res Hofmann, Alt-68er und Alt-Grossrat (SP). Die Beweggründe hinter der Globalisierungskritik der Rechten und jener der Linken seien aber gegenläufig. «Trump und Konsorten kämpfen lediglich gegen die Folgen der Globalisierung an. Es passt ihnen nicht, dass sich mit den Geldern und der Ware auch Menschen verschieben.» Man könne nicht die Liberalisierung wollen und sich gleichzeitig gegen Migrationsströme stellen.

Viele Linke – so auch Hofmann – seien allerdings nicht grundsätzlich gegen die Globalisierung. «Es geht nur alles viel zu schnell. Und davon profitierten gerade nicht jene, die es am nötigsten hätten.» Das Geld werde statt durch Lohnarbeit durch die Verschiebung von Kapital verdient. Dies befördere nur die ungleiche Verteilung des Reichtums.

Juso streitet mit Mutterpartei

Christian Wasserfallen stört sich aber auch an dem «total widersprüchlichen Verhalten» der Demonstranten. «Ausgerechnet jene Leute, die sonst immer den Dialog fordern, wollen diesen nun im Keim ersticken», sagt er. Tatsächlich liegen sich linke Parteien deswegen in den Haaren. So sieht SP-Präsident Christian Levrat im Besuch eine Chance, kritische Punkte anzusprechen. Und SP-Bundesrat Alain Berset strebt einen Austausch mit Trump an, wie sein Sprecher verlauten lässt. Der Juso wiederum passt dies ganz und gar nicht: «Ich wünsche mir mehr Rückgrat von der SP. Nur weil Trump der mächtigste Mann der Welt ist, müssen wir ihm nicht zu Füssen liegen», sagt Funiciello dazu. (Der Bund)

Erstellt: 10.01.2018, 20:02 Uhr

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