Jetzt müssen die Casinos liefern

Die Schweizer Geldspielbranche hat mit dem neuen Gesetz das grosse Los gezogen. Doch eine wichtige Frage bleibt offen.

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Viel deutlicher als erwartet erhielt das Geldspielgesetz heute eine Mehrheit. Uff! Es werden also weder Zoos geschlossen noch Sportlager gestrichen oder Ausstellungen abgesagt. Glaubt man der Angstkampagne, welche die Befürworter in den letzten Wochen inszeniert haben, dürfen wir uns alle freuen. Dann sind die Abgaben der Casinos und Lotterien für die Gemeinnützigkeit nicht nur gesichert, nein, sie sollen sogar steigen.

Zweifellos berechtigt ist die Freude der einheimischen Geldspielbranche. Ihre Exponenten konnten das Stimmvolk davon überzeugen, dass im Geldspielmarkt Heimatschutz nichts Schlechtes ist.

Jedenfalls nicht für sie. Mit dem neuen Gesetz dürfen die Schweizer Casinos endlich ins Internet expandieren. Das Parlament machte ihnen zudem den Gefallen, den Markt abzuschotten. Konzessionen für Onlinespiele erhält nur, wer hierzulande ein physisches Casino betreibt. Die ausländischen, auf Onlinespiele spezialisierten Anbieter bleiben aussen vor. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die einheimische Branche mit diesem Gesetz das grosse Los gezogen hat.

Doch eine wichtige Frage bleibt offen: Werden die Netzsperren, die die unerwünschte Konkurrenz fernhalten sollen, ihren Zweck wirklich erfüllen? Gerade passionierte Spieler, die viel Geld verspielen, könnten sie leicht umgehen. Zumal das nicht einmal verboten ist. Entscheidend wird sein, ob die Casinos ein attraktives Onlineangebot aufbauen können.

Andernfalls besteht die Gefahr, dass hinter den Netzsperren ein Schwarzmarkt floriert, der weder kontrolliert noch besteuert wird. Nach der aufwändigen Kampagne der letzten Wochen müssen die Casinos und Lotterien nun beweisen, dass sie die Erwartungen, die sie selber geweckt haben, erfüllen können. Auf dass die Millionen für die Zoos, Sportlager und Ausstellungen wirklich fliessen.

Fast noch wichtiger: Das Geldspielgesetz darf keinen Vorbildcharakter haben. Diverse andere Branchen würden sich ebenfalls freuen, wenn der Staat die unliebsame digitale Konkurrenz mit einem Online-Rayonverbot belegt. Das wäre schlecht. Mit Netzsperren verbaut die Schweiz sich selber den Weg in die digitale Zukunft.

Tages-Anzeiger

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