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Grüne triumphieren in Zürich – Schlappe für die Freisinnigen

Ein 32-jähriger Energieexperte zieht für die Grünen auf Kosten der FDP in die Zürcher Regierung ein. Im Parlament verlieren die Bürgerlichen die Mehrheit.

Der neue Zürcher Regierungsrat (v.l.n.r.): Jacqueline Fehr (SP), Martin Neukom (Gruene), Natalie Rickli (SVP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (CVP), Ernst Stocker (SVP) und Carmen Walker Spaeh (FDP).
Der neue Zürcher Regierungsrat (v.l.n.r.): Jacqueline Fehr (SP), Martin Neukom (Gruene), Natalie Rickli (SVP), Mario Fehr (SP), Silvia Steiner (CVP), Ernst Stocker (SVP) und Carmen Walker Spaeh (FDP).
Walter Bieri, Keystone

Die Hauptprobe zu den natio­nalen Wahlen im Herbst ist ein Debakel für die bürgerlichen ­Parteien. In Zürich verlieren sie einen Sitz in der Regierung und die Mehrheit im Parlament. Als grosse Sieger gehen die Grünen und Grünliberalen aus den Wahlen vom Sonntag hervor.

In der Regierungsratswahl setzt sich der Solarenergie­forscher Martin Neukom von den Grünen deutlich durch und distanziert sogar SVP-National­rätin Natalie Rickli, die aber ebenfalls gewählt ist.

Für die FDP ist es eine historische Niederlage: Sie hält nur noch einen Sitz im Regierungsrat, was in der Geschichte des Kantons noch nie vorgekommen ist. Ihr Kandidat Thomas Vogel verpasst die Wahl klar. Er kann den Sitz nicht verteidigen, der durch den Rücktritt von Thomas Heiniger frei geworden ist.

Die Niederlage bedeutet auch das Ende der langjährigen Vorherrschaft von FDP und SVP in der Regierung. Sie besetzen statt vier neu nur noch drei von sieben Sitzen. Dank der CVP-Bildungsdirektorin Silvia Steiner bleibt die bürgerliche Mehrheit aber knapp intakt.

Die fünf bisherigen Regierungsmitglieder wurden problemlos wiedergewählt. Mit Jacqueline Fehr (SP), Carmen Walker Späh (FDP), Silvia Steiner und Natalie Rickli haben die Frauen neu eine Mehrheit in der Regierung. Mario Fehr (SP), Ernst Stocker (SVP) und Neukom bilden die männliche Minderheit. Neukom ist 32 Jahre alt. Jünger in die Zürcher Regierung gewählt wurde nur Alfred Escher. Er war bei der Wahl 1848 erst 29-jährig.

Grüne Welle im Parlament

Grünliberale und Grüne legen mit je neun zusätzlichen Sitzen im 180-köpfigen Parlament massiv zu und sprengen die knappe bürgerliche Mehrheit aus SVP, FDP und CVP.

Grosse Verliererin ist die SVP, die neun Sitze verliert. Die Freisinnigen erleiden im Kantonsrat ebenfalls eine Niederlage und büssen zwei Sitze ein. Besonders bitter für die FDP: Ihr kantonaler Parteipräsident Hans-Jakob Boesch ist abgewählt. Die Präsidentinnen von Grünen und Grünliberalen, Marionna Schlatter und Corina Gredig, ziehen dagegen neu in den Kantonsrat ein.

Die SP kann ihren Verlust in Grenzen halten: minus ein Sitz. Sie verfügt nun über 35 Sitze, so viele wie Grünliberale und Grüne zusammengenommen. Die Linksaussenpartei Alternative Liste kann dagegen zulegen und gewinnt einen Sitz. Einbussen gibt es bei den Mitteparteien. Die BDP scheitert sogar an der 5-Prozent-Hürde und scheidet ganz aus dem Kantonsrat aus. Die CVP verliert einen Sitz.

Der gescheiterte FDP-Regierungskandidat Vogel kommentierte, er sei «von einer grünen Welle weggeschwappt» worden. Das Fazit ist nicht lupenrein formuliert, dürfte aber inhaltlich auf den ganzen Wahlsonntag zutreffen. Bis auf einen offenen Punkt: Unklar ist, ob das bürgerliche Bündnis bei den angepeilten Wählern wie erhofft auf Anklang gestossen ist. Umfragen im Vorfeld hatten aufgezeigt, dass freisinnige Wähler die SVP nur zurückhaltend unterstützten, umgekehrt der Einsatz der SVP für die FDP eng begrenzt war.

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