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Die Welt schwärmt vom Gotthard

Von «Ein Wunder der Ingenieurskunst» bis zu «Ein Ingenieur- Triumph»: Die internationale Presse lobt die Fertigstellung des neuen Gotthard-Basistunnels in höchsten Tönen.

Die Rekordzahlen rund um den Gotthard-Basistunnel machen auch der ausländischen Presse Eindruck. Ihre Kommentatoren loben das Jahrhundertbauwerk auch als Vorbild für die eigenen Länder. «Die Schweiz lässt Deutschland alt aussehen», titelt etwa «Die Welt». Mit der planmässigen Fertigstellung des Gotthardtunnels zeige ein kleines Land, «wie man Grosses hinbekommt», heisst es in der Zeitung unter Hinweis auf die unendliche Baugeschichte des neuen Berliner Flughafens.

Auch im Kommentar der «Frankfurter Allgemeinen» schwingt Selbstkritik mit: «Die kleine Schweiz beschämt den Rest Europas wieder einmal mit ihrer Professionalität.» Sie beweise, «dass es kein Naturgesetz gibt, nach dem sich die Kosten für grosse Bauvorhaben... vervielfachen müssen».

«Ein Wunder der Ingenieurskunst», schreibt «N-TV».

Für den TV-Sender ARD lief beim «Mammut-Bauwerk» Gotthard «so ziemlich alles» besser als bei vergleichbaren Projekten in Deutschland. Dank grosser Transparenz und strenger öffentlicher Kontrolle habe die Schweiz bei Kosten- und Terminüberschreitungen rasch gegensteuern können.

«Das längst Loch der Welt», nennt der «Stern» den neuen Tunnel.

«Wie haben die Ingenieure das gemacht?», fragt «Spiegel Online» unter dem Titel «Mythos Gotthard-Tunnel». Das Portal liefert detailliert die Antwort und geht punkto Gütertransport auch auf die grossen Erwartungen der Bahnmanager in das «Jahrhundertbauwerk» ein.

Verrückte Zahlen

Französische und spanische Medien legen den Fokus vor allem auf die «verrückten Zahlen» des neuen Alpendurchgangs, wie es der «Figaro» nennt. Der Sonderkorrespondent des «Le Monde» sah sich bei einem Augenschein am (noch) verschlossenen Tunnelportal an «das Versteck eines Bösen in einem James-Bond-Film» erinnert.

Am 1. Juni wurde der längste Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, feierlich eröffnet. Matteo Renzi, Angela Merkel, François Hollande und Johann Schneider-Ammann im Sonderzug von Erstfeld nach Bodio. (1. Juni 2016)
Am 1. Juni wurde der längste Eisenbahntunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, feierlich eröffnet. Matteo Renzi, Angela Merkel, François Hollande und Johann Schneider-Ammann im Sonderzug von Erstfeld nach Bodio. (1. Juni 2016)
Ruben Sprich, Reuters
Freuden-Oden: Der erste Zug wird am Nordportal bei Erstfeld mit Feuerwerk empfangen. (1. Juni 2016)
Freuden-Oden: Der erste Zug wird am Nordportal bei Erstfeld mit Feuerwerk empfangen. (1. Juni 2016)
Laurent Gillieron, Keystone
Gedenken am Tag zuvor: Angehörige der neun verstorbenen Mineure nahmen bei Erstfeld an einer Feier teil. (31. Mai, 2016)
Gedenken am Tag zuvor: Angehörige der neun verstorbenen Mineure nahmen bei Erstfeld an einer Feier teil. (31. Mai, 2016)
Gaetan Bally, Keystone
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Die «New York Times» erkennt in der Eroberung der Alpen «so etwas wie eine nationale Besessenheit» der Schweizer. Für das «Wall Street Journal» wirkt die «verbindende Symbolik» des Anlasses «irgendwie wie aus der Zeit gefallen», einer Zeit, in der sich die Schweiz und andere europäische Länder mit Forderungen nach Grenzschliessungen konfrontiert sähen.

Britische Zeitungen und die BBC wiederum warten mit vielen Daten und Fakten auf. Das Boulevardblatt «Daily Mail» erhofft sich durch die Eröffnung des Tunnels «eine Million Lastwagen weniger auf den Strassen».

«Ein Ingenieur- Triumph», ist bei «BBC» zu lesen.

Das Ausland baute mit

Der «Guardian» erinnert zudem daran, dass Schweizer Politiker das Grossereignis wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum zu Gesprächen über die Begrenzung der Zuwanderung nutzen wollten. Allerdings könne der Tunnel als Symbol für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit «die Geister des populistischen Nationalismus» wohl nur vorübergehend vertreiben.

«La Repubblica» lädt dazu ein, sich mit einer Reise mit dem Sonderzug «Gottardino» selbst ein Bild vom «Tunnel der Rekorde» zu machen. «Wie ein Schweizer Uhrwerk» und ohne Verzögerungen sei der Bau verlaufen, lobt die italienische Zeitung, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass dieser Erfolg nur dank dem Einsatz von Arbeitern aus 15 Ländern möglich gewesen sei.

Ein wenig mitfeiern dürfe beim dem Jahrhundertbauwerk auch Österreich, findet der Österreichische Rundfunk. «Ohne die einstmals als verrückt verlachten Ideen heimischer Ingenieure wäre das Projekt gar nicht machbar gewesen, wie überhaupt inzwischen die meisten Tunnel weltweit.»

Das war die Gottharderöffnung. Video: Lea Koch, Stefanie Hasler, Jan Derrer

slw/sda

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