«Entschuldigung! Die O-Bikes in Uster waren ein Versehen»

Sis Timberg von O-Bike wehrt sich gegen den Vorwurf, dass ihre Firma mit den gelben Mietvelos vor allem Daten sammeln möchte. Und kündigt an, nach Bern zu expandieren.
Im Schnelltempo auf den Markt: Sis Timberg mit einem O-Bike. Foto: Samuel Schalch

Im Schnelltempo auf den Markt: Sis Timberg mit einem O-Bike. Foto: Samuel Schalch

Martin Sturzenegger@Marsjournal

Sis Timberg, Ihre Firma betreibt eine aggressive Expansionsstrategie: Velos werden über Nacht in Städten und Dörfern platziert. In Uster wurden die Velos nun konfisziert, Sie wurden von der Stadt verzeigt. Was läuft schief?
Das war ein Versehen, und wir sagen: Entschuldigung! Die von uns beauftragte Speditionsfirma hat die Velos fälschlicherweise in Uster platziert. Das gilt auch für alle anderen Landgemeinden. Die zuständige Firma hat sich bereit erklärt, die Busse zu übernehmen. O-Bike will vorerst insbesondere in grösseren Städten expandieren.

Wo als Nächstes?
Zurzeit verhandeln wir mit Bern, Winterthur, Luzern und Basel.

Wie kommt es, dass bereits jetzt in St. Gallen oder Winterthur einzelne Velos stehen?
Die O-Bikes verbreiten sich manchmal auf natürliche Weise: Vielleicht wurden sie im Zug mittransportiert, vielleicht fuhren einzelne von Zürich nach Winterthur. Zudem wurde in eines unserer Schweizer Lager eingebrochen. Einzelne Velos wurden entwendet.

Weshalb braucht es das O-Bike?
Wir sehen das O-Bike als ergänzendes Velo, für den spontanen Einkauf oder den Arbeitsweg. Es soll das Privatvelo nicht ersetzen, sondern ergänzen. Damit verbessern wir die Mobilität und leisten einen wichtigen Beitrag für die Umwelt. Die riesige Nachfrage spricht für uns: Alleine im Raum Zürich haben wir bereits 28'000 zahlende Nutzer. ­Share-Economy ist die Zukunft. Uber oder Airbnb haben es vorgemacht.

Wie verhindern Sie, dass Fahrräder den öffentlichen Raum oder ­Privatgrund versperren?
Wir sammeln Tag und Nacht falsch parkierte oder defekte Fahrräder ein. Das erledigt die von uns beauftragte Transportfirma. Zurzeit mit 200 Stellenprozenten. Wir überlegen uns, die Kapazitäten auszubauen.

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Sie nutzen den öffentlichen Raum für ein privates Geschäft. Weshalb informieren Sie die Gemeinden nicht vorgängig?
Das stimmt nicht. Dort, wo wir eine ­Expansion planen, verhandeln wir. Das Vorgehen in Zürich war falsch. Im April hatten wir die Stadt schriftlich vor­informiert. Es kam aber keine Reaktion vonseiten der Stadt. Anscheinend gelangte das Schreiben an die falsche Ansprechperson. Wir haben uns mit Stadtrat Filippo Leutenegger geeinigt: Die Velos werden geduldet, solange wir Ordnung halten.

Sie brauchen keine Bewilligung und bezahlen keine Gebühr – anders als etwa ein Glacestand. Das ist unfair.
Kein Gesetz spricht gegen uns. Wir tun nichts Illegales. Es ist nicht verboten, Velos im öffentlichen Raum zu parkieren. Sollten die Behörden anders entscheiden, müssen wir die Lage neu beurteilen.

Ich bin mit dem O-Bike hierher­gefahren. Dafür musste ich erst eine Depotgebühr von 129 Franken hinterlegen. Das sind 40 Franken mehr als in Deutschland. Warum?
In der Schweiz haben wir deutlich höhere Unterhaltskosten als in den meisten anderen Ländern. Das Geld wird auf einem Bankkonto angelegt und zurückbezahlt, sobald der Kunde das wünscht. Es wird keine Spekulation mit riskanten Fonds betrieben, wie das in Medien spekuliert wurde.

Ingesamt haben Sie schon rund 100 Millionen Dollar Investitionsgeld eingenommen. Einer der Geldgeber: Dmitry Grishin, ein russischer Internetpionier. Von wem erhält O-Bike sonst noch Geld
Es sind hauptsächlich Grossinvestoren aus Asien. Die meisten wollen anonym bleiben.

Wie viel verdienen Sie mit dem Geschäft?
Wir müssen nicht rentabel sein – noch nicht. Das Geld bringen zurzeit die Investoren. Wir rechnen damit, in rund einem Jahr schwarze Zahlen zu schreiben.

Mit der App zeichnen Sie die Bewegungsdaten Ihrer Kunden auf. Wollen Sie mit den Daten Geld verdienen?
Damit verfolgen wir kein kommerzielles Ziel. Wir fokussieren uns zu 100 Prozent auf den Verdienst mit dem Veloverleih. Wir könnten uns lediglich vorstellen, die Daten den Städten zur Verfügung zu stellen, kostenlos. Wir generieren Heatmaps, die für die Stadtplanung interessant sein könnten. In Australien läuft der Austausch bereits.

Ihre App wurde in der Schweiz schon 48’000 mal heruntergeladen. Das heisst 48’000 Bewegungsprofile. Dass sie damit kein Geschäft machen wollen, kauft ihnen niemand ab.
Wir verkaufen keine Daten an Dritte - nicht heute, nicht morgen. Das ist die Haltung des Managements in Singapur.

Wie viel kosten O-Bikes im Einkauf?
Alles hochgerechnet, sind es rund 250 Franken. Das beinhaltet Produktion, Transport, Zollgebühren, Technologie und App.

Experten sind der Meinung, dass der Veloverleih alleine nicht lukrativ sein kann.
Doch. Wir haben hochgerechnet: Stehen 1000 bis 2000 Bikes zur Verfügung, die dreimal am Tag genutzt werden, erzielen wir ein monatliches Einkommen von bis zu 270 000 Franken. Diese Nutzwerte basieren auf bisherigen Erfahrungen. Damit würden wir Gewinn erzielen.

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