Elternzeit ist Wirtschaftsförderung

Der Entscheid für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Jede Anstrengung in Richtung Papizeit ist ein Akt der Gleichstellung und damit im Sinne der Wirtschaftsförderung.

Jede Anstrengung in Richtung Papizeit ist ein Akt der Gleichstellung und damit im Sinne der Wirtschaftsförderung.

(Bild: Keystone)

Claudia Blumer@claudia_blumer

Was brauchen Neugeborene? Nur die Mutter oder auch den Vater? Sind die ersten Wochen so wichtig für die Vater-Kind-Bindung?

All diese Fragen zielen am Thema vorbei. Beim Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen, für den sich nach dem Ständerat auch der Nationalrat entschieden hat, geht es um ein Anliegen, für das im Juni 2019 Tausende auf die Strasse gegangen sind: um Gleichstellung.

Frauen und Männer müssen im Berufsleben und in der Familie die­selben Chancen haben. Heute erreichen wir das nicht. Was das Berufsleben angeht, liegt das «Risiko» einer Elternschaft allein bei der Frau. Bewirbt sich eine Frau zwischen 20 und 40 Jahren um eine Stelle, fragt sich der Arbeitgeber, ob und wann sie wohl Mutter wird und ausfallen wird. Beim Mann stellt sich die Frage nicht.

Eine gleich lange Elternzeit für Väter und Mütter würde die Startchancen der Frauen im Arbeitsmarkt radikal verbessern. Ein Vaterschaftsurlaub, wie ihn das Parlament gutheisst, ist immerhin schon einmal ein Schritt in diese Richtung. Wenn auch Väter im Fall einer Elternschaft im Beruf ausfallen können, haben Frauen bessere Karrierechancen und sind vermehrt erwerbstätig. Familienmodelle werden flexibler gestaltet. Das heutige Standardmodell – der Vater arbeitet weiterhin Vollzeit, die Mutter steigt mit Kleinpensum wieder ein – wird aufgebrochen. Auch die Familie wird demokratisiert: Die Mutter hätte zu Hause nicht mehr die Vorherrschaft, die allein qua Erfahrung und quantitativen Einsatz begründet ist.

Jede Anstrengung in Richtung Papizeit ist ein Akt der Gleichstellung und damit im Sinne der Wirtschaftsförderung. Wirtschaftsverbände und Arbeitgeber müssten eigentlich applaudieren. Weit verfehlt ist es, von «Gratisferien» zu sprechen, wie SVP-Nationalräte es tun. Und linke Politiker sollten ihnen nicht noch in die Hände spielen, indem sie in Zusammenhang mit dem Vaterschaftsurlaub über Befindlichkeiten überforderter Jungeltern reden.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt