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Umzug in anderen Kanton soll einfacher werden

Wenn Familien in der Schweiz von einem Kanton in einen anderen ziehen, heisst das für die Kinder oft nicht nur, dass sie einen ganz neuen Freundeskreis aufbauen müssen.

Wenn Familien in der Schweiz von einem Kanton in einen anderen ziehen, heisst das für die Kinder oft nicht nur, dass sie einen ganz neuen Freundeskreis aufbauen müssen. Sie und ihre Eltern müssen sich auch in einem völlig anderen Schulsystem zurechtfinden, mit neuen Lehrplänen und anderen Anforderungen.

Das soll sich, wenn es nach den kantonalen Erziehungsdirektoren geht, in den nächsten Jahren ändern. Die Kantone haben dazu die sogenannte Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der Volksschule, kurz Harmos genannt, getroffen. Dieses Bildungskonkordat tritt in Kraft, sobald zehn Kantone es ratifiziert haben. Harmos bringt für manche Kantone einschneidende Änderungen; im Kanton Zürich allerdings werden die Veränderungen kaum spürbar sein, da das neue Volksschulgesetz Harmos zum grössten Teil vorweggenommen hat. Harmos umfasst vier Punkte:

  • Schulstrukturen: Die Volksschule umfasst obligatorisch zwei Jahre Kindergarten oder Eingangsstufe und neun Jahre Schule. Insgesamt dauert die Schulpflicht also elf Jahre, und so wird auch gezählt. Je nach Entwicklungsstand kann ein Kind die ersten Jahre schneller oder langsamer absolvieren. Von dieser Regelung werden nur die Kantone Freiburg, Luzern, Obwalden und Uri stark betroffen, wo die Mehrheit der Kinder nur ein Jahr Kindergarten absolviert, sowie das Tessin, wo die Kinder meist drei Jahre im Kindergarten sind. Für den Kanton Zürich gibt es nur eine kleine Änderung: Es werden neu jene Kinder eingeschult, die bis am 31. Juli ihren vierten Geburtstag gefeiert haben; derzeit ist der 30. April der Stichtag.
  • Einheitliche Lehrpläne: Es gibt nur noch einen Lehrplan pro Sprachregion. Die Grundbildung, die jedes Kind während der Volksschulzeit erhalten soll, wird gesamtschweizerisch festgeschrieben. Spätestens ab dem fünften Schuljahr (der heutigen dritten Klasse) wird eine erste Fremdsprache unterrichtet – ab dem siebten eine zweite. Ob zuerst Englisch oder eine Landessprache an die Reihe kommt, basiert auf regionalen Abkommen. In der Ostschweiz ist Englisch die erste Fremdsprache. Im Kanton Zürich ist das Frühenglisch trotz einiger Mängel mittlerweile breit akzeptiert.
  • Qualität und Standards: Das Harmos-Konkordat kann weitere verbindliche Bildungsstandards festlegen. Mittels einem sogenannten Bildungsmonitoring sollen die Umsetzung der Standards geprüft und Informationen für weitere Entscheide gewonnen werden.
  • Blockzeiten und Tagesstrukturen: Harmos ist in diesem Punkt bewusst offen gehalten worden. Die Kantone verpflichten sich lediglich, «vorzugsweise» nach Blockzeiten zu unterrichten und «dem Bedarf vor Ort entsprechend» freiwillige Tagesstrukturen anzubieten.

Bereits haben fünf Kantone den Beitritt zu Harmos abgeschlossen: Schaffhausen, Glarus, Waadt, Jura und Neuenburg. Nun aber bläst dem Konkordat ein rauer Wind entgegen. In den sieben Kantonen Luzern, Thurgau, Graubünden, St. Gallen, Zürich, Nidwalden und Wallis hat die SVP das Referendum ergriffen. Die erste Abstimmung findet am 28. September in Luzern statt.

Hauptargument der SVP ist die Befürchtung, der Staat übernehme Erziehungsaufgaben, die den Eltern zustehen. Zwar besuchen 86 Prozent der Kinder in der Schweiz zwei Jahre lang den Kindergarten; das Obligatorium ist der SVP aber ebenso ein Dorn im Auge wie Blockzeiten und Tagesstrukturen. Die übrigen grossen Parteien befürworten Harmos, ebenso der Zürcher Lehrerverband und die Wirtschaft.

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