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Mit dem Kind zu sprechen, ist die beste Sprachförderung

Die Resultate des Pisa-Tests 2000 haben Bildungsfachleute in der Schweiz veranlasst, verstärkt über Massnahmen zur Verbesserung der Sprachentwicklung ausländischer Kinder nachzudenken.

40 Prozent der 14-Jährigen mit Migrationshintergrund sind nicht in der Lage, einen kurzen Text zu verstehen, ergab der Test damals. Fast gleichzeitig förderte die Gehirnforschung zutage, dass die entscheidenden Strukturen für die Sprachentwicklung bereits in den ersten drei Lebensjahren gebildet werden. Mit andern Worten: Kinder lernen eine Sprache in dieser Zeit besonders gut.

Die beiden Erkenntnisse haben zahlreiche Projekte ins Leben gerufen, die die Förderung des Spracherwerbs in die frühen Kinderjahre verlegen. Spielgruppen und Krippen beispielsweise werden zunehmend nicht allein als Institutionen gesehen, die beiden Elternteilen eine Erwerbstätigkeit ermöglichen, sondern auch als Orte, wo die Kinder wichtige Schritte in der Sprachentwicklung machen - allein schon deshalb, weil sie viel mit andern Kindern spielen und reden. Traditionelle Betreuungssituationen leisten dies weniger.

Was ausländische Kinder betrifft, gehen die Anstrengungen in die Richtung, die Eltern mit einzubeziehen. Mit dem Projekt Family Literacy will das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien in Zürich bildungsferne Familien mit Migrationshintergrund motivieren, ihre Kinder selber sprachlich zu fördern. Über Kulturvermittler, die oft selber Einwanderer sind und daher in dieser Schicht gut vernetzt und angesehen sind, werden den Eltern Zugänge aufgezeigt, die ihnen oft fremd sind: das Anschauen, Erzählen und Vorlesen von Bilderbüchern und Geschichten oder der spielerische und lustvolle Umgang mit Sprache durch Reime, Verse und Lieder. «Die einfachste und wirkungsvollste Methode ist, mit den Kindern viel zu reden», sagt Projektleiterin Therese Salzmann.

Das Selbstvertrauen fördern

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sprachförderung in Deutsch oder in der Erstsprache geschieht. Therese Salzmann ist überzeugt, dass es der Sprachentwicklung der Kinder hilft, wenn die Eltern nicht das Gefühl haben, ihre Herkunftssprache sei unwichtig. «Wenn Eltern merken, dass ihre Sprache eine Wertschätzung erfährt, überträgt sich das auf das eigene Kind: Sie treten mit einem grösseren Selbstvertrauen auf», sagt Salzmann. Kinder mit Rückgrat sind eher bereit, sich auszudrücken und Dinge zu erklären, und werden Minderwertigkeitsgefühle weniger durch Provokationen oder aggressives Verhalten kompensieren.

Im Basler Schulhaus St. Johann nutzt man die Erkenntnis, dass die Erstsprache eine wichtige Rolle im Integrationsprozess spielt, bereits seit Jahren. Kinder mit Migrationshintergrund werden von der ersten bis zur vierten Klasse während zwei Wochenlektionen in ihrer Muttersprache unterrichtet. Albanischsprachige Kinder lernen beispielsweise alles zum Thema Bauernhof auf Albanisch. Finanziert wird der Unterricht von den Botschaften und vom Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt.

Silvia Bollhalder, Fachexpertin Herkunftssprachen im Basler Erziehungsdepartement, betont, dass nicht die Anzahl Wochenlektionen entscheidend sei. Wichtig sei vielmehr, dass sich die fremdsprachigen Kinder in einem Bereich als kleine Experten wahrnehmen. Das stärke ihr Selbstvertrauen und motiviere sie für andere Fächer. «Wenn ein tamilisches Mädchen den Schweizer Kameraden ihr Alphabet auf der Wandtafel präsentieren darf, kann das für sie ein Schlüsselerlebnis sein», sagt Bollhalder.

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