Umstrittene Auszeichnung für Islamkritiker lanciert

Ein Award für Leute, die sich gegen «muslimische Kolonisierung» wehren: Saïda Keller-Messahli ist nominiert – würde sie den Preis annehmen?

Jedes Jahr sollen drei Personen für den Kampf gegen Islamisierung ausgezeichnet werden: Der Flyer für den «Swiss Stop Islam Award».

Jedes Jahr sollen drei Personen für den Kampf gegen Islamisierung ausgezeichnet werden: Der Flyer für den «Swiss Stop Islam Award».

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Um seiner Ansicht nach verdiente Islamisierungskritiker angemessen zu würdigen, hat Giorgio Ghiringhelli, Initiant des Tessiner Burkaverbots, eine nationale Preisvergabe ins Leben gerufen. Die Auszeichnung nennt sich «Swiss Stop Islam Award» und will Patrioten ehren, die im Geiste Wilhelm Tells den «neuen Eroberern» entgegentreten. Er sei nicht gegen Muslime, betont Ghiringhelli auf Nachfrage, aber er erachte den Islam als gefährliche Religion. Zudem erhalte die radikale Minderheit in der Schweiz ungebührlich viel Platz in den Medien: «Der Award soll hier ein Gegengewicht schaffen.»

Ziel sei es zudem, die Gewinner mit einem finanziellen Beitrag zu unterstützen. Derzeit läuft eine entsprechende Sammelaktion auf der Kampagnenplattform des «Schweizerzeit»-Verlags des ehemaligen SVP-Nationalrats Ulrich Schlüer. Vergeben wird der Preis erstmals Ende Jahr und soll Preisträger aus der deutschen, italienischen und französischen Schweiz ehren.

Unter den Nominierten sind Politiker aus dem rechtsbürgerlichen Lager wie etwa die Nationalräte Walter Wobmann (SVP, SO), Roger Köppel (SVP, ZH) oder Lorenzo Quadri (Lega, TI), Autoren wie etwa Sami Aldeeb oder die Gründerin und Präsidentin für einen fortschrittlichen Islam, Saïda Keller-Messahli (zur kompletten Liste der Nominierten).

Frau Keller-Messahli, Sie sind für den «Swiss Stop Islam Award 2018» nominiert. Freut Sie das?
Ja und nein. Ich habe dem Initianten des Awards nach längerem Überlegen geschrieben, dass ich eine solche Auszeichnung nicht annehmen würde.

Obwohl Sie sich immer wieder kritisch gegenüber gewissen Tendenzen im Islam äussern.
Eine kritische Auseinandersetzung ist auch dringend notwendig, aber ich lehne es dezidiert ab, den Islam als Religion zu verteufeln. Diese Tendenz ist bei der Ausschreibung dieses Awards deutlich spürbar, so sollen ja Leute ausgezeichnet werden, welche ‹gegen die muslimische Kolonisierung unseres Landes› kämpfen. In diesen Worten erkenne ich mich nicht.

Aber Sie werden auch von links kritisiert?
Ja, und zwar heftig. Ich möchte weder von links noch von rechts instrumentalisiert werden. Und mit der Entgegennahme eines solchen Preises droht genau diese Gefahr. Denn ich habe etliche Hinweise, dass islamistische Kräfte es begrüssen würden, wenn ich mir einen ‹Fauxpas› leisten würde.

Werden Sie an Leib und Leben bedroht?
Nein, obwohl ich mich als kritische Muslimin auch immer wieder öffentlich exponiere, kann ich hier in der Schweiz ein normales Leben führen. Ganz im Gegensatz etwa zu meiner Freundin, der Berliner Anwältin Seyran Ates, welche nur noch mit Leibwächtern ihr Haus verlässt. Eine solche Einschränkung könnte ich nicht hinnehmen.

«Ich wehre mich dagegen, dass der Schweiz eine Islamfeindlichkeit oder gar eine Islamophobie angehängt wird.»

Ihr Engagement für ein Burkaverbot dürfte kaum dazu beitragen, ihr Leben sicherer zu machen.
Das sehe ich nicht so. Es ist mir ein grosses Anliegen, in dieser Frage eine klare Stellung zu beziehen. Denn der Koran schreibt nirgends das Tragen einer Gesichtsverdeckung vor. Es ist vielmehr ein politisches Mittel extremistischer salafistischer Kreise, um radikale, frauenfeindliche Normen in den Gesellschaften zu implementieren.

Eine Radikalisierung der hiesigen Muslime könnte auch von IS-Rückkehrern ausgehen. Soll man diese verwahren, wie dies die SVP jüngst gefordert hat?
Das geht mir zu weit. Die Verwahrung ist das allerletzte Mittel eines Rechtsstaats und sollte für diese meist sehr jungen Leute nicht angewendet werden. Was nicht heisst, dass sie für ihre Taten nicht zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Aber meist sind es sehr junge Leute, die sich radikalisiert haben und denen man mit einer Resozialisierung eine zweite Chance einräumen sollte.

Der Award könnte dazu beitragen, dass die Islamfeindlichkeit hierzulande zunimmt.
Das glaube ich nicht. Auch wehre ich mich dagegen, dass der Schweiz eine Islamfeindlichkeit oder gar eine Islamophobie angehängt wird. Ich habe hier noch nie Probleme gehabt, weil ich eine Muslimin bin. Diese Betonung der angeblichen Diskriminierung kommt nicht von ungefähr von radikalen Verbänden wie dem Islamischen Zentralrat Schweiz. Sie versuchen damit, ihre eigene Existenz zu rechtfertigen und neue Mitglieder zu rekrutieren und sich als deren Anwälte zu präsentieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.08.2018, 19:20 Uhr

Artikel zum Thema

Tessiner Burkaverbot trifft vorwiegend Fussballfans

Burka-Trägerinnen wurden im Kanton Tessin bisher kaum gebüsst. Die Behörden sind dennoch zufrieden. Mehr...

Saïda Keller-Messahli. (Bild: Keystone )

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Mit Swissôtel das SOS-Kinderdorf unterstützen

Mit jedem Kommentar und jedem «Share» dieses Artikels wird die Spende von Swissôtel im Namen der Mamablog-Community ans SOS-Kinderdorf erhöht. Helfen Sie mit!

Blogs

Sweet Home 15 weihnächtliche Dekorationsideen

Tingler Auf dem Index

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...