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Inspiration Games statt «Weltklasse Zürich»Schnelle Schnitte und ein peinlicher Auftritt

Fast wären die Inspiration Games noch zu ihrem Weltrekord gekommen, doch Noah Lyles sprintet nur 185 statt 200 m. Ansonsten zeigt sich, wie nötig die Athleten die Stimmung haben.

Mujinga Kambundji holte sich den 3. Rang.
SRF

32 Grad in Florida bei viel, viel Wind, ein angenehmer Sommerabend in Zürich – und Regenwetter im niederländischen Papendal: Das waren die unterschiedlichen Voraussetzungen für die Inspiration Games, für die knapp 30 Athletinnen und Athleten, die gestern in sieben Stadien von Zürich bis Kalifornien starteten. Natürlich, alle hatten gewusst, dass solches eintreffen könnte. Dadurch wurde es aber auch schwierig, die verschiedenen Leistungen zu vergleichen.

Drei Gegner pro Wettkampf in meist unterschiedlichen Stadien machte das reine TV-Produkt, kreiert von «Weltklasse Zürich» und innovativ von der SRG sowie Swiss Timing umgesetzt, übersichtlich – und trotzdem sehr anspruchsvoll. So geriet das Drehbuch zu Beginn, als sowohl die Frauen wie die Männer im Stabhochsprung am Werk waren, bisweilen ein wenig hektisch, der «Flug von Stadion zu Stadion», wie es Regiechef Stefan Koch genannt hatte, setzte beim Zuschauer viel Konzentration voraus. Wo sind wir? Wer springt? Den wievielten Sprung? Und wer schaut da gelangweilt in ein Laptop?

Sprunger machte es besser als Kambundji. Sie lief auf Rang 2.
SRF

Die Games begannen gleich mit einigen Überraschungen: Stab-Olympiasiegerin Katerina Stefanidi (GRE) war in Kalifornien ausgeschieden, fast bevor die Übertragung begonnen hatte – gleich wie Valentin Lavillenie in Frankreich. Beide blieben ohne gültigen Versuch, was bei Stefanidi viel mehr verwunderte als bei Lavillenie. Sie hatte sich im Vorfeld enthusiastisch gezeigt und von dieser speziellen Startgelegenheit geschwärmt. Gewonnen hat das Springen und auch 10 000 Dollar mit Sandi Morris dennoch keine Unbekannte. Sie bezwang mit 4,66 m in Florida nicht nur ihre Gegnerinnen, sondern auch den Wind.

Bis sich dann die Sprinterinnen in ihre Startblöcke knieten war es aber ein hektischer Einstieg: Sprung, Schnitt, Sprung, Schnitt, Sprung, Schnitt. Natürlich: So liessen sich gleich zwei Stabwettkämpfe parallel verfolgen. Weniger wäre aber wohl mehr gewesen.

Im Bauch des Letzigrunds laufen alle Fäden zusammen

Für die Schweizerinnen, die alle im Letzigrund starteten, war es unisono ein «spezielles Erlebnis» – nur rund 300 Zuschauer verfolgten das verrückte Geschehen im Stadion – und bereicherten es mit einiger Stimmung.
Und mit dem Sprint der Frauen kamen die TV-Zuschauer auch erstmals in den Genuss des «Dreiersplit-Screen», dem dreigeteilten Bildschirm. Allyson Felix, die zuvor noch in einem Kürzest-Einschub von ihrer belastenden Schwangerschaft erzählt hatte, startete in Kalifornien über 150 m, Shaunae Miller-Uibo (BAH) in Florida – und Mujinga Kambundji in dem Stadion, in dem sie zum ersten Mal Schweizer Meisterin geworden war.

Technisch liefen alle Fäden aus den sieben Orten in der Turnhalle im Bauch des Letzigrunds zusammen, in der komplexen Schaltzentrale, wo die Wettkämpfe gesteuert wurden. Wo sich zwei Leute nur um die Stabhochspringer kümmerten, andere dasselbe mit den Dreispringern taten, und der Starterchef alles im Auge haben musste, was das Startsignal betrifft.

Start der Sprinterinnen also. Dreigeteilter Schirm. Mujinga Kambundji im Tunnel, ganz bei sich, «ein fast leeres Stadion kann auch Vorteile haben», sagte sie hernach. Seit mehr als zehn Jahren lief sie erstmals wieder über 150 m – und wurde hinter Felix, der erfolgreichsten Leichtathletin überhaupt, und Shaunae Miller-Uibo (BAH) Dritte (17,28). «Ich habe während des Rennens wenig wahrgenommen, aber es war schon anders», sagte Kambundji. Felix war die unerwartete Siegerin in 16,82. Hürden- Europameisterin Lea Sprunger schätzte, dass die wenigen Zuschauer «so viel Stimmung machten». Hinter Georganne Moline (USA, 39,10) wurde sie über 300 m Zweite in 39,27, womit sie schneller war als vor einem Monat in Oslo.

Lea Sprunger zeigte über die 300 m eine bessere Leistung. Mit 39,25 Sekunden stellte sie ihre Saisonbestleistung auf. Der 1. Platz ging an die US-Amerikanerin Moline (39,08), der 3. Rang holte sich die Tschechin Hejnova (40,97).
Lea Sprunger zeigte über die 300 m eine bessere Leistung. Mit 39,25 Sekunden stellte sie ihre Saisonbestleistung auf. Der 1. Platz ging an die US-Amerikanerin Moline (39,08), der 3. Rang holte sich die Tschechin Hejnova (40,97).
Urs Jaudas/Weltklasse Zurich
Mujinga Kambundji hatte über die 150 m keine Chance. Felix holte sich den Sieg (16,81 Sekunden), Miller-Uibo lief auf Rang 2 (17,15). Sie selbst benötigte 17,28 Sekunden.
Mujinga Kambundji hatte über die 150 m keine Chance. Felix holte sich den Sieg (16,81 Sekunden), Miller-Uibo lief auf Rang 2 (17,15). Sie selbst benötigte 17,28 Sekunden.
Keystone
Noah Lyles passierte ein Missgeschick.
Noah Lyles passierte ein Missgeschick.
Ka Deem Wynn/Weltklasse Zurich
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Weltmeister Noah Lyles sprintet nur 185 Meter

Verblüffend dann die Zeit von Weltmeister Noah Lyles (USA) über 200 m: 18,91 Sekunden – 18,91. Weltrekord bei den Inspiration Games? Diese Zeit hätte Weltrekordhalter Usain Bolt und seine 19,19 völlig in den Schatten gestellt. Tat sie dann nicht, sondern es offenbarte sich die Peinlichkeit des Abends: Man hatte Lyles in Florida den Startblock auf eine falsche Linie gesetzt, gesprintet ist er nur 185 m.

Es waren die Games der schnellen Schritte und der noch schnelleren Schnitte. Und Co-Meetingdirektor Andreas Hediger resümierte: «Es war sehr spannend und für uns eine Herausforderung, diese Games zu machen.» Für das Malheur, die zu kurze Distanz von Lyles, entschuldigte er sich mit: «Wo gearbeitet wird, passieren Fehler.»

Telegramme:

Schlussstand:

1. Team Nordamerika 20 Punkte. 2. Team Europa 17. 3. Team Welt 9.

Die wichtigsten Einzelresultate:

Männer. 200 m: 1. Churandy Martina (NED) 20,81 (Papendal/NED) 2. Christophe Lemaitre (FRA) 20,65. – Stab: 1. Sam Kendricks (USA) 5,81. 2. Piotr Lisek (Pol) 5,66.

Frauen. 150 m: 1. Allyson Felix (USA) 16,81 (Walnut, California: GW 2,6 m/s). Ferner: 3. Mujinga Kambundji (SUI) 17,28 (Zürich: RW 0,3 m/s). – 300 m Hürden: 1. Georganne Moline (USA) 39,08 (Walnut, Kalifornien). 2. Lea Sprunger (SUI) 39,25 (Zürich). – 3x100 m: 1. USA 32,25 (Walnut, Kalifornien). 2. Schweiz (Riccarda Dietsche, Ajla del Ponte, Mujinga Kambundji) 32,50 (Zürich).