Zum Hauptinhalt springen

Cyberkrieg vor den WahlenFBI: Russische Hacker greifen US-Behörden an

Die US-Bundespolizei hat neue Hinweise auf Cyberattacken aus Russland. Ziel soll es sein, die Präsidentschaftswahl zu beeinflussen.

Kurz vor den Wahlen greifen die russischen Hacker wieder an.
Kurz vor den Wahlen greifen die russischen Hacker wieder an.
Foto: Kacper Pempel (Reuters) 

Russische Hacker haben in einer breit angelegten Attacke seit September versucht, mit Blick auf die bevorstehende Präsidentenwahl in Computer und Netzwerke amerikanischer Behörden einzudringen. Wie die Bundespolizei FBI und die zum Ministerium für Heimatschutz gehörende Agentur für Cybersicherheit (Cisa) in der Nacht zum Freitag mitteilten, richteten sich Dutzende Attacken gegen Regierungseinrichtungen in Bundesstaaten und Kommunen sowie Netzwerke in der Luftfahrtindustrie.

Ausgegangen seien sie von «staatlich unterstützten» Gruppen, namentlich einer Hackertruppe, die als Berserk Bear oder auch Dragonfly 2.0 bekannt ist. Im Laufe des Oktober sei es der Gruppe gelungen, in eine nicht genauer angegebene Zahl von Netzwerken einzudringen und in mindestens zwei Fällen Daten zu stehlen. Welche Netzwerke betroffen sind und wo Daten entwendet wurden, teilten die Behörden nicht mit.

«Schändliches Verhalten» Russlands

Das FBI sprach von einem «strahlenden Schlaglicht auf das schändliche Verhalten Russlands». Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe als «absolut grundlos» zurück. Russland leugnet regelmässig, dass die Hacker in staatlichem Auftrag arbeiten oder dass seine Geheimdienste versuchen, Wahlen im Ausland zu beeinflussen.

Die US-Geheimdienste haben noch kein klares Bild davon, was die russischen Hacker genau planen. Allerdings rechnen sie damit, dass sie kurz vor der Wahl am 3. November noch versuchen könnten, deren Ausgang zu beeinflussen oder nach der Wahl Menschen in den USA aufzuwiegeln, vor allem wenn es zu einem knappen Ausgang kommt und zu einem Szenario, in dem Trump sich ohne ein klares offizielles Ergebnis zum Sieger erklärt. Zuvor hatte die Regierung von US-Präsident Trump vor allem vor einer möglichen Einflussnahme durch den Iran gewarnt.

Angriff auf Wähler-Datenbanken?

Die New York Times berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsmitarbeiter, Ziel der Angriffe seien für die Wahl relevante Systeme gewesen. In einigen Bundesstaaten kommen Wahlmaschinen zum Einsatz, zudem gibt es etwa Systeme, die für die Auszählung genutzt werden, oder Datenbanken für Wählerverzeichnisse, die festlegen, wer zur Stimmabgabe berechtigt ist. In einigen Bundesstaaten müssen sich Bürger aktiv in die Wählerlisten eintragen lassen, um abstimmungsberechtigt zu sein. Direktor Christopher Krebs stellte aber klar, Computer zur Abgabe oder Auszählung von Stimmen seien nicht betroffen gewesen.

Die US-Behörden haben bislang keine Hinweise darauf, dass die russischen Hacker Auszählungen oder die Informationen in Wählerverzeichnissen manipuliert hätten. In den meisten Bundesstaaten können die Wähler seit Wochen bereits ihre Stimmzettel in speziellen Wahllokalen abgeben oder per Briefwahl abstimmen.

Die US-Geheimdienste waren nach der Wahl im Jahr 2016 zu der Einschätzung gelangt, dass Russland versucht hatte, den Ausgang zugunsten von Trump zu beeinflussen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters exklusiv berichtet, haben Trump und sein Geheimdienstdirektor Ratcliffe versucht, ein als geheim eingestuftes Dokument freigeben zu lassen, das dieser Einschätzung widerspricht. Der Auslandsgeheimdienst CIA und die für die Überwachung von Kommunikation zuständige NSA versuchten, dies zu verhindern, weil eine Freigabe die nationale Sicherheit gefährden und Quellen sowie Methoden der Geheimdienste offenlegen würde.

17 Kommentare
    Ursula Schüpbach

    „Das FBI sprach von einem «strahlenden Schlaglicht auf das schändliche Verhalten Russlands». Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe als «absolut grundlos» zurück. Russland leugnet regelmässig, dass die Hacker in staatlichem Auftrag arbeiten oder dass seine Geheimdienste versuchen, Wahlen im Ausland zu beeinflussen.“

    Es gehört zum Ritual, dass der Sprecher immer quasi das gleiche sagt, egal um was es geht. Klar kann man als Aussenstehende so Hacker-Angriffe kaum einschätzen. Dass es allerdings nie Untersuchungen gibt, wenn sie „privat“ handeln, spricht kaum für Putins Russland. Und im Gegensatz zu manchen Agentenfilmen ist das nicht lustig, sondern sehr unsympathisch.