Ruag: Das Vorleben der Manager

Die wegen Waffengeschäften suspendierten Kadermänner von Julius Bär und Ruag waren schon früher in fragwürdige Deals involviert.

Munition der Ruag ging auch illegal nach Russland. Foto: Alessandro Della Valle (Keystone)

Munition der Ruag ging auch illegal nach Russland. Foto: Alessandro Della Valle (Keystone)

Christian Brönnimann@ch_broennimann

Sie kennen sich schon lange, der heutige Moskau-Chef von Julius Bär und der Marketingleiter von Ruag Ammotec, mindestens 15 Jahre. Kurz nach der Jahrtausendwende steigt der spätere Ruag-Mann als Chief Operating Officer bei Novavox ein, einem Start-up im Telecombereich, das auf der New-Economy-Welle surft und in Russland eine Vielzahl von Programmierern beschäftigt. Präsident der jungen Firma: der Julius-Bär-Mann.

Novavox ist inzwischen längst Geschichte, und die beiden Manager gingen unterschiedliche Wege – der eine ins Banking, der andere in die Rüstungsindustrie. Aus den Augen verloren sie sich aber nie: Sie schlossen 2010 gemeinsam mit einem Zuger Waffenhändler eine vertrauliche Allianz, um in Russland Rüstungsgeschäfte einzufädeln.

Heute sind die beiden von ihren Arbeitgebern suspendiert. Ermittler der Bundesanwaltschaft durchsuchten das Büro des Ruag-Managers, der Julius-Bär-Banker musste bei den russischen Antikorruptionsbehörden zur Befragung antreten. Der Vorwurf, aufgedeckt von einem Whistleblower, zuerst dokumentiert von der «Handelszeitung»: Sie sollen gemeinsam verdeckt den russischen Sicherheitsdienst mit Scharfschützengewehren, Pistolen und Helikopter-High-techkameras beliefert haben – ohne Wissen ihrer Arbeitgeber. Selbst Schmiergeldzahlungen stehen im Raum.

An der gestrigen Ruag-Bilanzmedienkonferenz war der Korruptionsfall ein grosses Thema. CEO Urs Breitmeier sagte, er sei «enttäuscht, dass sich der Mann an einem Drittgeschäft beteiligt hat, das wir als Ruag so nie bewilligt hätten». Er betonte, man wähle Mitarbeiter sehr sorgfältig aus. Sie würden nach den Vorgaben geprüft, die auch für die Kader der Bundesverwaltung gälten.

Pump and Dump

Recherchen zeigen aber: Schon vor seiner Zeit in der Ruag-Chefetage war der Mann in fragwürdige Geschäfte verwickelt. Ein früherer Partner von ihm wurde 2014 in den USA zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt und musste mehr als 12 Millionen Dollar an Geschädigte zurückzahlen. Der Ruag-Manager war Verwaltungsrat in einer der Firmen des Verurteilten, an der er auch eine kleine Beteiligung hielt, und trat dort erst im März 2012 aus – mehr als ein Jahr nach seiner Ruag-Anstellung.

Der ehemalige Geschäftspartner des Ruag-Managers wurde wegen eines so-genannten «Pump and Dump»-Betrugs verurteilt. Zusammen mit Mittätern blähte er den Aktienkurs der US-Firma Spongetech künstlich auf, beispielsweise durch falsche Verkaufszahlen und geschönte Statements. Spongetech handelte mit speziellen Putzschwämmen und versprach Investoren das Blaue vom Himmel. Der Ruag-Manager half mit, das Geschäft mit den Schwämmen in Europa in Gang zu bringen.

Schon bald gab es erste Meldungen, dass es sich bei Spongetech um einen Schwindel handeln könnte. Im Oktober 2009 setzte die US-Börsenaufsicht den Handel mit Spongetech-Aktien aus. Im Mai 2010 folgte dann die Klageschrift, unter anderem gegen den ehemaligen Geschäftspartner des Ruag-Managers, der Spongetech-Finanzchef war.

Welche Rolle der Ruag-Manager in dieser Geschichte genau spielte, ist unklar. Verschiedene Kontaktversuche mit ihm blieben erfolglos. Für ihn spricht, dass sein Name in keinem US-Gerichtsdokument auftaucht und dass er nicht zu den sieben angeklagten und verurteilten Personen gehört.

Zur Ruag stiess der Mann 2010. Seine Verbindungen zu Spongetech und zum später verurteilten Finanzchef waren schon damals in öffentlichen Quellen ersichtlich. So stellt sich die Frage, ob Ruag den Mann vor seiner Einstellung genügend geprüft hat. Immerhin ist die Vermarktung von Munition, für die der Manager zuständig war, einer der risikoreichsten Zweige im Ruag-Konzern.

Eine Sprecherin nimmt zu konkreten Fragen keine Stellung. Sie schreibt einzig, die Funktion des Managers verlange eine Sicherheitsprüfung, «womit auch klar ist, dass die Prüfung bei Arbeitsbeginn stattfand und im Verlaufe der Anstellung auch wiederholt wurde».

Erwähnt in den Panama Papers

Beim Julius-Bär-Banker stellen sich ähnliche Fragen. Er arbeitete in Russland zuerst für die Banca del Gottardo, dann bei der liechtensteinischen VP Bank und ab 2015 bei Julius Bär. Als er sein Amt als Moskauer Büroleiter antrat, war bereits medial bekannt, dass er zu VP-Zeiten mit einem Mann kollaboriert hatte, der 2012 wegen Betrugs zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Der Verurteilte hatte im Umfeld der VP Bank einen Fonds administriert. 2016 kam Vize-Kulturminister Grigory Pirumow wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht – erneut zogen russische Blogs Verbindungen zur VP-Bank und zum Schweizer Banker.

Dieser tauchte auch in den Panama Papers auf – 2015, als Aktionär einer Briefkastenfirma namens Associated Nominees Ltd. auf den Seychellen; solche Firmen werden oft verwendet, damit reiche Ausländer bei Schweizer Banken anonym Konten eröffnen können.

Was wusste Julius Bär von diesen Vorgängen, als man den Schweizer 2015 anstellte? Eine Sprecherin sagt lediglich, man habe die Vorwürfe zur Kenntnis genommen und untersuche diese.

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