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Russische Doper dürfen in Rio starten

Russische Athleten landen vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) einen grossen Erfolg – den Olympischen Spielen hingegen droht das Chaos.

Wirkt zuweilen wie ein Platzhalter von Wladimir Putins Gnaden: IOC-Präsident Thomas Bach (links).
Wirkt zuweilen wie ein Platzhalter von Wladimir Putins Gnaden: IOC-Präsident Thomas Bach (links).
Keystone
Vor den Spielen 1980: Demonstration gegen.
Vor den Spielen 1980: Demonstration gegen.
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...Support für den Boykott.
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Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) sorgt für grosse Aufregung: Er entschied, bereits einmal gedopte Russen von Olympia auszuschliessen, sei nicht rechtens.

Am Donnerstag akzeptierte das IOK eine 271-Sportler-starke russische Delegation. Rund 70 Prozent der russischen Athleten wurden zugelassen, 100 wurden abgelehnt. Bis zu den ersten Wettkämpfen dürften aber weitere Athleten dazukommen: Schwimm-Weltmeisterin Julia Jefimowa wird in Rio starten können; Whistleblowerin Julia Stepanowa darf zumindest wieder auf eine Teilnahme hoffen – allerdings werden ihre Chancen als gering eingestuft, was den Entscheid umso absurder machen würde. Am Tag der Eröffnungsfeier im Maracana-Stadion droht somit das grosse organisatorische Chaos.

Unverständnis der Sportler

Der CAS hielt die IOK-Regel, wonach alle Russen, die in ihrer Karriere eine Dopingsperre abgesessen haben, nicht an den Sommerspielen teilnehmen dürfen, für nicht durchsetzbar. Das Sportgericht gab der russischen Schwimm-Weltmeisterin Julia Jefimowa und den Ruderern Anastassija Karabelschtschikowa und Ivan Podschiwalow recht. Diese hatten Einspruch gegen diese Doppelbestrafung eingelegt. Die drei Athleten waren in der Vergangenheit wegen Dopings gesperrt worden, haben diese Strafen aber verbüsst.

Der Entscheid des CAS stiess bei Sportlern auf grosses Unverständnis. Der deutsche Wasserspringer Patrick Hausding wetterte beispielsweise gegenüber der «Bild»: «Haben die IOK-Mitglieder Doppel-Funktionen und sitzen auch noch im CAS?» Etwas diplomatischer, aber dennoch kritisch kommentierte Rad-Profi Trixi Worrack: «Ich finde es nicht gut, dass die starten dürfen. Auch bei uns ist eine dabei, die vor nicht allzu langer Zeit gesperrt war.»

«Respektieren den Entscheid des CAS immer»

Das IOK hatte im russischen Dopingskandal nicht nur entschieden, dass die internationalen Sportfachverbände jeden nominierten Sportler aus Russland überprüfen müssen, sondern es hatte auch verfügt, dass allen früher gedopten Russen ein Start bei den Sommerspielen verweigert wird. Mit dieser Begründung hatte das IOK auch die Teilnahme der russischen Kronzeugin und 800-m-Läuferin Julia Stepanowa verweigert. Um doch noch in Rio mit von der Partie zu sein, müsste die 30-jährige Leichtathletin ebenfalls vor dem Ad-hoc-Gericht des CAS in Rio de Janeiro noch Klage einreichen. Stepanowa hatte das systematische Doping in Russland in ihrem Sport aufgedeckt. Daraufhin schloss der Weltverband IAAF die Leichtathleten Russlands komplett von den Sommerspielen aus. Die IAAF hatte das IOK jedoch gebeten, Stepanowa wegen ihrer Verdienste im Kampf gegen Doping in Rio starten zu lassen.

«Das IOK respektiert die Entscheidungen des CAS immer», erklärte IOK-Präsident Thomas Bach. «Manchmal mögen wir die Entscheidungen nicht, aber wir respektieren sie immer.» Ohnehin liess ihn die Kritik in den letzten Wochen kalt: «Ich kann den Sportlern in die Augen schauen, weil ich ein reines Gewissen habe.»

Fokus auf Paragraf 3

Der Sportgerichtshof fokussierte sich gemäss Urteilsbegründung in den drei Fällen primär auf die Rechtmässigkeit des Paragrafen 3 des IOK-Entscheids. Dieser dritte Paragraf sei mit den Grundrechten der Athleten aber nicht vereinbar. Deshalb müsse den beiden Ruderern und Jefimowa das Startrecht erteilt werden - «und zwar ohne Verzögerung».

Experten hatten diese Entscheidung des CAS erwartet. Der Sportgerichtshof hat vor Jahren schon die sogenannte Osaka-Regel des IOC von 2011 für nicht rechtmässig erklärt. Diese Regel sah vor, dass Dopingsünder automatisch von den nächsten Olympischen Spielen ausgeschlossen und so doppelt bestraft werden sollen.

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