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Zerstörte Schönheiten

Immer wieder werden historische Sehenswürdigkeiten und Kulturgüter vernichtet. So verschwinden auch viele Touristenattraktionen.

September 1950: Berliner Stadtschloss, DDR

Der Bau des Berliner Stadtschlosses begann bereits 1442. 1702 wurde es Sitz der preussischen Könige und ab 1871 des Deutschen Kaisers. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss beschädigt, aber nicht zerstört. Im September 1950 begann die kommunistische Führung der DDR mit dessen Sprengung. An seiner Stelle wurde Mitte der 1970er-Jahre der Palast der Republik gebaut, der 1990 wegen Asbestverseuchung geschlossen werden musste und ab Februar 2006 abgebrochen wurde. Derzeit befindet sich der Bau einer Kopie des Schlosses in vollem Gang; er soll noch 2019 eröffnet werden.

Bild: AP Photo
Bild: AP Photo

Mai 1968: Paulinerkirche Leipzig, DDR

Die 1240 geweihte Universitätskirche St. Pauli in Leipzig, im Volksmund «Paulinerkirch» genannt, überstand den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt. Doch wie das Berliner Stadtschloss fiel die Kirche einer ideologischen Entscheidung der Kommunisten zum Opfer: Sie wurde im Mai 1968 gesprengt. Nach unendlich langen Diskussionen und Verzögerungen und lange nach dem Zerfall der DDR begann 2007 der Neubau des Universitätskomplexes, der auch ein kirchenähnliches Gebäude enthält, das sich an der Form des ursprünglichen Gotteshauses orientiert.

Bild: Deutsche Fotothek
Bild: Deutsche Fotothek

August 1993: Kapellbrücke Luzern, Schweiz

Die Kapellbrücke, um 1365 erbaut, ist die älteste überdachte Holzbrücke Europas und war mit 111 dreieckigen Gemälden ausgestattet, die Szenen der Schweizer Geschichte darstellen. In der Nacht auf den 18. August 1993 fiel sie, vermutlich wegen einer weggeworfenen Zigarette, einem Brand zum Opfer, der einen Grossteil der Brücke und 78 Bilder zerstörte. Die Brücke, Luzerns Wahrzeichen, wurde umgehend wiederaufgebaut.

Bild: Keystone
Bild: Keystone

November 1993: Brücke von Mostar, Bosnien-Herzegowina

Kroatische Kämpfer zerstörten während des jugoslawischen Bürgerkriegs im November 1993 die weltberühmte Bogenbrücke von Mostar in Bosnien-Herzegowina, ein Meisterwerk der Ingenieurskunst aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurde später wieder aufgebaut. Obwohl es sich also um eine Kopie handelt, nahm die Unesco die «Alte Brücke» 2005 wegen ihrer symbolischen Bedeutung ins Verzeichnis des Weltkulturerbes auf.

(Bild: AP Photo/Amel Emric)
(Bild: AP Photo/Amel Emric)

März 2001: Buddha-Statuen von Bamiyan, Afghanistan

Die radikal-islamischen Taliban kamen 1996 in Afghanistan an die Macht und terrorisierten das Land fünf Jahre lang. Ihrer Ideologie fielen die zwei weltberühmten, 53 und 35 Meter hohen Buddha-Statuen von Bamiyan zum Opfer: Am 12. März 2001 sprengten sie diese grössten Buddha-Statuen der Welt, die zuvor 1400 Jahre dort gestanden hatten. Eine Wiederherstellung ist kaum möglich.

Bild: AP Photo
Bild: AP Photo

September 2001: World Trade Center, New York, USA

Die Zwillingstürme des originalen World Trade Centers (WTC) in New York wurden bei einem Terrorangriff mit fast dreitausend Toten, orchestriert von Osama Bin Laden, am 11. September 2001 zerstört. Dabei verschwand nicht nur ein Wahrzeichen New Yorks; auch eine bedeutende Kunstsammlung mit Skulpturen von Rodin und Calder, Wandteppichen von Miró und Gemälden alter und neuer Meister wurde vernichtet.

Bild: AP Photo/Richard Drew
Bild: AP Photo/Richard Drew

September 2004: Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, Weimar, Deutschland

Die Bibliothek wurde 1691 gegründet und erhielt zum dreihundertjährigen Jubiläum 1991 den Namen der Herzogin Anna Amalia, ihrer grössten Förderin. Berühmt ist ihr ovaler, über drei Geschosse reichender Rokokosaal. Seit 1998 gehört sie als Teil des Ensembles «Klassisches Weimar» zum Unesco-Weltkulturerbe. Am Abend des 2. September 2004 brannte die Bibliothek teilweise ab. 50'000 Bücher und 35 Gemälde aus dem 16. bis 18. Jahrhundert wurden vernichtet; rund 62'000 Bände wurden stark beschädigt. Der Wiederaufbau wurde 2007 abgeschlossen.

Bild: EPA/Martin Schutt
Bild: EPA/Martin Schutt

2006: Die drei Schluchten des Jangtse, China

Mit der Fertigstellung des grössten Wasserkraftwerks der Erde wurde ab 2006 in China eine der schönsten Flusslandschaften der Welt zerstört: die Drei Schluchten am Jangtse. 13 Städte und Hunderte von Dörfern versanken im Stausee; 1,3 Millionen Menschen mussten umgesiedelt werden. Zwar wurden wichtige historische Tempelanlagen gerettet. Doch für immer verloren sind die einst atemberaubende Landschaft und noch unerforschte Ausgrabungsstätten am drittlängsten Fluss der Welt. Auch die mehr als 2000 Jahre alte Tempelstadt Fengdu liegt nun 35 Meter unter der Wasseroberfläche. Nur ihre Tempel befinden sich weiterhin über Wasser und locken Touristenmassen an.

Bild: EPA/Photocome
Bild: EPA/Photocome

Ab 2012: Altstadt von Aleppo, Syrien

Die Altstadt von Aleppo, seit 1986 Unesco-Weltkulturerbe, gehört mit ihrer 5000-jährigen Geschichte zu den ältesten im Orient. Zur Altstadt gehören der Suq (das weltgrösste überdachte Marktviertel), Moscheen und Kirchen, Stadttore und alte Wohnquartiere. 2012 fanden die ersten Kämpfe in Aleppo statt, besonders intensiv auch in der Altstadt. Dabei wurden viele Monumente zerstört oder beschädigt, zum Beispiel die 1300 Jahre alte Umayyadenmoschee. Teile des Suqs brannten ab.

Bild: AFP Photo
Bild: AFP Photo

Mai 2012: Mausoleen und Bibliothek von Timbuktu, Mali

Im Frühling 2012 eroberten islamistische Gruppen die sagenhafte Handels- und Kulturstadt Timbuktu im Norden Malis in Westafrika. Anfang Mai 2012 zerstörten sie das zum Unesco-Welterbe gehörende Mausoleum Sidi Mahmud Ben Amar. Wenig später wurde die Zerstörung weiterer, durch die Unesco geschützter Grabstätten aus der Blütezeit der Region im 15. und 16. Jahrhundert bekannt. Und als die besiegten Islamisten im Januar 2013 aus der Stadt abzogen, zündeten sie die Bibliothek an, in der sich fast 100'000 unersetzliche Manuskripte befanden. Viele sind für immer verloren; andere wurden rechtzeitig in Privathäusern versteckt.

Bild: EPA/UN Photo/Evan Schneider
Bild: EPA/UN Photo/Evan Schneider

Januar/März 2015: Kulturgüter in und um Mosul, Irak

Mosul, mit rund drei Millionen Einwohnern die zweitgrösste Stadt des Irak, 400 km nördlich von Bagdad, wurde Anfang 2015 vom sogenannten Islamischen Staat (IS) erobert. Gemäss ihrer Ideologie, dass alles «Unislamische» zerstört werden müsse, wüteten die Extremisten im Museum, wo sie unersetzliche antike Statuen zerstörten. Zudem verbrannten sie rund 100'000 Bücher und alte Schriften. Die Ruinen von Nimrud, der 3300 Jahre alten ehemaligen Hauptstadt Alt-Assyriens, 30 km südlich von Mosul, wurden vom IS fast mit Bulldozern plattgemacht. Auch in den Ruinenstätten von Hatra, Hauptstadt eines vorchristlichen arabischen Königreiches, 110 km südwestlich von Mosul, und in der assyrischen Tempelstadt Khorsabad, 19 km nordöstlich von Mosul, wüteten die Islamisten.

Bild: EPA/Screenshot
Bild: EPA/Screenshot

August bis Oktober 2015: Antike Monumente in Palmyra, Syrien

Im August 2015 sprengten IS-Extremisten in der syrischen Oasenstadt Palmyra, die sie erobert hatten, den Tempel des Baal Shamin. Er war 17 n. Chr. errichtet und unter dem römischen Kaiser Hadrian 130 erweitert worden. Im Oktober 2015 wurde auch der Triumphbogen von Palmyra zerstört, der zwischen 193 und 211 n. Chr. erbaut worden war.

Bild: EPA>Youssef Badawi
Bild: EPA>Youssef Badawi

März 2017: Azure Window, Malta

Das Azure Window (Blaues Fenster) war ein durch Umwelteinflüsse entstandenes Felsentor an der Küste im Westen der maltesischen Insel Gozo. Es war etwa 100 Meter lang und 20 Meter hoch. Das Azure Window war permanent den Einflüssen von Wind und Wellen ausgesetzt. Seit einem partiellen Einsturz im April 2012 war das Betreten des Torbogens verboten, was jedoch häufig ignoriert wurde. Am 8. März 2017 stürzte die Felsformation während eines Sturms ein.

Bild: AP Photo/Caroline Hodgson
Bild: AP Photo/Caroline Hodgson

Juni 2017, Grosse Moschee von Mosul, Irak

Ende Juni 2017 ging in Mosul ein weiteres monumentales Bauwerk für immer verloren: Die Grosse Al-Nuri-Moschee aus dem 12. Jahrhundert wurde während der monatelangen Schlacht um die nordirakische Stadt von IS-Jihadisten gesprengt. Bekannt war die Moschee vor allem wegen ihres schiefen Minaretts. Einige Jahr zuvor hatte IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Moschee als Bühne für die Ausrufung seines «Kalifats» in den vom IS eroberten Gebieten Syriens und dem Irak benutzt.

Bild: AP Photo/Khalid Mohammed
Bild: AP Photo/Khalid Mohammed

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