Wo die Fahrt in die Ferien am teuersten ist

Welches Land verlangt am meisten Autobahngebühren? Was für Bussen drohen ohne Vignette? Ein Vergleich.

Sind vergleichsweise teuer: Mautgebühren in Italien wie hier in Sterzing beim Brenner. Bild: Getty Images

Sind vergleichsweise teuer: Mautgebühren in Italien wie hier in Sterzing beim Brenner. Bild: Getty Images

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Wer in der Schweiz die Autobahnen nutzen will, muss sich eine Jahresvignette für 40 Franken kaufen. Sie gilt für 426 Tage (aktuell vom 1. Dezember 2017 bis zum 31. Januar 2019), kostet also umgerechnet nur 9 Rappen pro Tag. Im internationalen Vergleich ist das wenig, wie eine Auswertung von Campanda zeigt, der weltweit grössten Online-Plattform zum Mieten und Vermieten von Wohnmobilen und Campern.

Bisher existiert kein einheitliches System in Europa, daher fallen die Regelungen und die Gebühren zur Nutzung der Autobahnen in jedem Land sehr unterschiedlich aus. Vignetten können für einen, sieben oder zehn Tage oder für einen ganzen Monat erworben werden.

Am teuersten ist die Gebührenmarke in Slowenien, wo Fahrer von Personenwagen (PW, unter 3,5 Tonnen) für 7 Tage 15 Euro oder umgerechnet 18 Schweizer Franken hinblättern müssen. Auch Tschechien und Ungarn sind vergleichsweise kostspielig. Preiswert ist die Vignette hingegen in der Republik Moldau mit knapp 5 Franken. Noch günstiger fahren Reisende in Rumänien, das lediglich 4 Franken verlangt, und in der Schweiz, wo 10 Tage umgerechnet nur knapp 1 Franken kosten.

Allerdings gibt es hierzulande keine 10-Tages-Variante für PW. Alle Motorfahrzeuge, die in der Schweiz auf Autobahnen und Autostrassen unterwegs sind, müssen sich die Vignette für 40 Franken besorgen. In Österreich gibt es eine für umgerechnet 22 Franken, die 2 Monate gültig ist. Dafür kostet die Jahresvignette in unserem Nachbarland mit gut 87 Euro mehr als doppelt so viel und es werden zahlreiche Strassen extra besteuert.

Welche Abgaben auf Reisende im Ausland zukommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Höhe der Kosten ergibt sich anhand von Achsenanzahl, Emissionsklasse, Höhe oder Gewicht des Fahrzeuges. In manchen Fällen hängt der Preis sogar von der Tageszeit ab. Die Vignettenpreise für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen fallen meist höher aus als für PW. Touristen mit Wohnwagen oder -mobil müssen also mit höheren Kosten rechnen.

Bussen bis zu 933 Franken

Die Schweiz ist für ausländische Campingfahrzeuge besonders teuer: Hierzulande kostet eine Vignette (pauschale Schwerverkehrsabgabe) für 10 Tage durchschnittlich 32 Franken. Ungarn und Bulgarien sind mit rund 26 und 24 Franken etwas günstiger. Nur in der Republik Moldau und in Italien kosten die Vignetten genauso viel wie für PW.

Wer hierzulande ohne Vignette auf einer Autobahn oder Autostrasse unterwegs ist und von der Polizei erwischt wird, zahlt eine Busse von 200 Franken. Zusätzlich muss der Autofahrer eine gültige Vignette kaufen, es kommen also noch 40 Franken dazu. Damit gehört die Schweiz zu den teureren Ländern. In Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich fällt die Strafe deutlich geringer aus. Ein hohes Bussgeld nimmt in Kauf, wer in der Slowakei und in Slowenien ohne Vignette unterwegs ist. Hier zahlt man bis zu 426 beziehungsweise 933 Franken.

In Slowenien, Österreich und Tschechien ist die Vignette aber nur für Autos unter 3,5 Tonnen notwendig. Fahrzeuge einer höheren Gewichtsklasse zahlen eine streckenabhängige Maut. Es gibt auch Länder wie Spanien, Frankreich und zahlreiche andere, in denen es nur ein Mautsystem gibt und keine Vignette existiert. Auch hier zahlen Wohnmobilfahrer fast durchgängig mehr als solche mit einem PW.

Für die Berechnung der streckenabhängigen Mautkosten hat Campanda in den jeweiligen Ländern je die teuerste und die günstigste Strecke herausgesucht und deren Längen auf 100 Kilometer hoch- beziehungsweise runtergerechnet, um so den Durchschnittspreis für diese Distanz auf der Autobahn zu erhalten.

Mit Abstand am tiefsten müssen PW-Fahrer in Polen ins Portemonnaie greifen: Mehr als 32 Franken kosten 100 Kilometer Autobahn auf der teuersten Strecke. Die zweitteuerste Nation ist mit 16 Franken Griechenland. Am günstigsten ist es für Personenwagen in der Türkei mit maximal 70 Rappen.

In Spanien, Frankreich und Italien fallen auch bei der günstigsten Strecke mehr als 10 Franken pro 100 Kilometer Autobahn an. Zudem verlangen unsere beiden Nachbarländer neben der gewöhnlichen Maut auch Abgaben für einzelne Tunnel oder Strassen. Für das Viadukt von Millau in Südfrankreich zum Beispiel zahlen PW je nach Saison fast 12 Franken.

Einige Länder haben spezielle Regeln. Malta und Norwegen beispielsweise erheben nur eine City-Maut, also Gebühren in gewissen Städten. In Dänemark und Schweden zahlt man lediglich für die Überquerung von Brücken. Das kann allerdings ins Geld gehen: Eine Fahrt über die fast acht Kilometer lange Öresund-Brücke von Kopenhagen ins schwedische Malmö kostet 23 Euro oder 27 Franken.

In den Niederlanden, in Island, Montenegro und Deutschland fallen nur Gebühren für Tunnel an. Bei unserem nördlichen Nachbar wird sich dies aber bald ändern. Spätestens ab 2021 sollen Autofahrer für die Nutzung von deutschen Bundesstrassen und Autobahnen eine Gebühr zahlen.

5 Länder sind gratis

Auch in der Schweiz gibt es übrigens eine Strecke, die Autofahrer nur mit einer zusätzlichen Gebühr durchfahren dürfen: den 5,8 Kilometer langen Tunnel durch den Grossen Sankt Bernhard, der das Wallis mit dem Aostatal in Italien verbindet. Eine einfache Fahrt kostet mit dem PW 31.20 Franken, eine 30 Tage gültige Hin- und Rückfahrt 50 Franken. Eine generelle Maut für Alpenstrassen, wie sie eine Gruppe von Schweizer Politikern vor zwei Jahren forderte, wurde vom Nationalrat abgelehnt.

Wer mit dem Auto Ferien im Ausland verbringt und Kosten ganz umgehen will, sollte ins Baltikum reisen. Estland, Lettland und Litauen kennen weder eine Vignette noch Mautgebühren. Dasselbe gilt für den Kleinstaat Luxemburg. Belgien ist ebenfalls gratis für Touristen, nur LKW müssen eine Maut entrichten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.07.2018, 17:42 Uhr

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