Wie Gott im Bordelais

Der Schweizer Unternehmer und Weinsammler Silvio Denz hat auf einem seiner Châteaus ein Luxushotel eröffnet.

Als Gast im Hotel Lalique lässt sich das denzsche Credo «Savoir faire, savoir vivre» nachvollziehen: Château Lafaurie-Peyraguey in der Appellation Sauternes. Foto: PD

Als Gast im Hotel Lalique lässt sich das denzsche Credo «Savoir faire, savoir vivre» nachvollziehen: Château Lafaurie-Peyraguey in der Appellation Sauternes. Foto: PD

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Weinreben, so weit das Auge reicht. Das Bordelais ist das ertragreichste zusammenhängende Weingebiet Europas. Auf über 120'000 Hektaren – dies entspricht beinahe der Grösse des Kantons Aargau – bauen die Winzer Trauben an, die sie zu hochwertigem Wein verarbeiten. Dank Klima und Kellerkunst entstehen mitunter die teuersten Weine der Welt, zum Beispiel der legendäre Château Pétrus.

Weil die Wetterbedingungen in der Region stark schwanken, sind die Preise auch instabil. Die Tendenz über die letzten 20 Jahre hingegen ist klar: Die Bordeaux-Rotweine haben einen enormen Aufschwung hinter sich. Besonders die Jahrgänge 2000, 2005, 2009 und 2010 liegen bei Weinhändlern und Weingeniessern hoch im Kurs.

Auch ein Schweizer Investor mischt im Bordeaux-Weingeschäft gross mit. Silvio Denz hat sich 40 Hektaren Weinland in den ­Appellationen St-Emilion und ­Côtes de Castillon gekauft. Er ist mitverantwortlich für die Produktion der Weine auf Château Faugères, Péby Faugères, Cap-de-Faugères sowie Rocheyron. Der Unternehmer ist mit dem Verkauf der Alrodo-Discountparfümkette zu Reichtum gekommen; er gehört gemäss «Bilanz» zu den 300 reichsten Schweizern.

Im Bordeaux verbindet der 61-Jährige Passion mit Geschäftssinn. Und Tradition mit Innovation. Die Reben lässt er nach hohen Umweltstandards hegen, die Verarbeitung zu Wein erfolgt nach modernsten Methoden.

60 Kilometer südwestlich von St-Emilion hat Denz 2014 ein weiteres Anwesen erstanden. Er investierte 16 Millionen Franken in den Kauf und Umbau des Château Lafaurie-Peyraguey, ein Weingut in der Appellation Sauternes. Dort produzieren die Winzer vornehmlich weisse Süssweine. Diese sind in der Herstellung sehr aufwendig. Neblige, feuchte Herbstvormittage und heisse Nachmittage begünstigen bei den Trauben die Edelfäulnis. Der Pilz Botrytis cinerea schädigt die Beerenhäute und macht sie verdunstungsanfällig. Zurück bleiben Früchte mit hoher Zuckerkonzentration.

«Savoir faire, savoir vivre»

Die Erträge sind niedrig. In einigen Jahren tritt die Edelfäulnis gar nicht erst auf, und es kann kein Süsswein hergestellt werden. Auch die Ernte gestaltet sich schwierig. Die Winzer und ihre Helfer müssen die Trauben von Ende September bis Mitte November in mehreren Durchgängen von Hand lesen.

«Flüssiges Gold» werden die Weine aus Sauternes auch genannt. Denz versucht jetzt, das Geschäft mit diesen edlen Süssweinen anzukurbeln. Ohne Geschäftsidee hätte er das Gut kaum erstanden. «Wenn die Leidenschaft nur kostet, macht es keinen Spass.»

Das Gebäude von Château Lafaurie-Peyraguey hat Denz in ein schmuckes Luxushotel mit zehn Zimmern und drei Suiten verwandeln lassen. Die Einrichtungen stammen allesamt aus der Kristallmanufaktur Lalique, die ebenfalls zu seinem Imperium gehört. «Das Hotel hier ist eine Art Lalique-Showroom», erläutert Denz.

«Savoir faire, savoir vivre» lautet das denzsche Credo. «Savoir ­vivre»? Im Esssaal des Hotels Lalique werden die fantasievoll zubereiteten Speisen des Spitzenkochs Jérôme Schilling serviert, jeder Gang perfekt abgestimmt mit dem passenden Wein. Die Nacht verbringt man im luxuriös eingerichteten Zimmer im Bett im Weinberg.

Die Cité du Vin lädt zur Multimedia-Weintour

Denz versteht etwas vom Savoir-faire. Er überlässt dabei nichts dem Zufall. So hat er einen Historiker angestellt, der die Geschichte des Châteaus lückenlos dokumentieren soll. Die ersten Besitzer von Lafaurie-Peyraguey werden 1618 namentlich erwähnt, die ersten Mauern wurden aber bereits im 13. Jahrhundert erbaut. Bis jetzt hat man sich an Erzählungen und Überlieferungen ohne Beweise ­gehalten. Denz will es aber genau wissen. Der Historiker Roland Kissling ackert Tausende von Dokumenten durch und sucht nach Details.

Wird es einem Gast auf Château Lafaurie-Peyraguey langweilig, setzt er sich ins Auto. Nach knapp einstündiger Fahrt erreicht er Bordeaux. Die Stadt war im Mittelalter ein wichtiger Handels­hafen und entsprechend reich. Später fiel sie in einen Dornröschenschlaf. Erst Anfang der 2000er-Jahre wurden die alten Gebäude renoviert. Entstanden ist ein pittoresker Ort, Touristen aus der ganzen Welt finden Gefallen an den engen Gassen mit zahlreichen Restaurants. Erst recht, nachdem die Altstadt 2007 zum Unesco-Welterbe ernannt worden ist.

Neues Wahrzeichen der Stadt ist das Gebäude der 2016 eröffneten Cité du Vin. Sie ist 55 Meter hoch, die Fassade ist mit schuppenartigen Glasplatten und Aluminiumfeldern bestückt und soll die Bewegung des Weines in einem Glas symbolisieren. Auf acht Etagen kann sich der Museumsbesucher auf einem spektakulären Multimedia-Parcours in die Welt des Weins einführen lassen.

Hotel Lalique; Zimmer mit Frühstück ab 250 Euro, www.chateau-lafaurie-peyraguey.com Museum: Cité du Vin, täglich geöffnet, www.laciteduvin.com (SonntagsZeitung)

Erstellt: 03.08.2018, 14:29 Uhr

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