Singen, klatschen, tanzen

Keine Reederei investiert mehr in die Unterhaltung auf See als Aida. In Hamburg werden die Artisten, Tänzer und Sänger auf ihren Einsatz an Bord vorbereitet.

Auf höchstem Niveau: 600 Artisten, Tänzer und Sänger sind auf den Aida-Schiffen im Einsatz. Foto: Susanne Dupont

Auf höchstem Niveau: 600 Artisten, Tänzer und Sänger sind auf den Aida-Schiffen im Einsatz. Foto: Susanne Dupont

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Eine halbe Stunde täglich benötigt Maria, um den Zopf, der ihr bis an die Taille reicht, zu flechten und durch ein Rohr zu ziehen. Am Ende der blonden Haarpracht baumelt eine weisse Kugel, die Marias Auftritte weltexklusiv macht. Der Kunststoffball tanzt mit, wenn die ukrainische Jongleurin sieben weitere weisse Kugeln durch die Luft wirbelt, über Arme und Nacken rollen lässt und dabei schon mal den Schwerpunkt ihres biegsamen Körpers abenteuerlich verschiebt.

Auf tosenden Applaus muss die 29-Jährige aber noch ein paar Tage warten. Heute trainiert sie im Aida Entertainment Center im Hamburger Amüsierquartier St. Pauli die Showelemente, die sie an Bord der Aida Aura auf der Fahrt durch den Indischen Ozean zum Besten geben wird. In zwei bis drei Shows pro Tag, zusammen mit Tänzern, Sängern und weiteren Künstlern in diversen Genres.

Kreation einer Show verschlingt eine halbe Million

Maria, die den fili-granen Umgang mit den fliegenden Bällen an der Kiewer Zirkusschule erlernt hat, wird zwischen Mauritius und den Seychellen auch mal einen Ball verfehlen dürfen. «Das Publikum mag so was», weiss Borris Brandt. «Missgriffe generieren Nähe zum Publikum, sie machen aus Künstlern menschliche Wesen zum Anfassen.»

Brandt ist der Chef von Aida Entertainment und damit Herr aller 28 Shows, die auf den zwölf Aida-Kreuzfahrtschiffen Abend für Abend aufgeführt werden. Allein im riesigen Theatrium an Bord des Flaggschiffs Aida Prima verfolgen 1800 Passagiere live auf verschiedenen Decks die Shows, die oft ein Gesamtkunstwerk aus Gesang, Tanz, Ballett, Artistik und Comedy sind und hinter den Kulissen von Technikern und Gewandmeistern begleitet werden. Borris Brandt schätzt, dass die Kreation einer Aida-Show, die auf verschiedenen Schiffen zwischen zwei und vier Jahren lebt, über eine halbe Million Euro kostet.

Aida gehört heute zum Kreuzfahrtgiganten Carnival

Die Protagonisten sind austauschbar, ihre Verträge laufen höchstens acht Monate. «Unsere Leute sollen zwischen den Engagements auf See in Musicals, Zirkussen oder sonst wo arbeiten», sagt Brandt, «das bringt Erfahrung.»

Der Sohn des bekannten Schauspielers Volker Brandt («Tatort») ist ein ausgefuchster Showprofi. Er produzierte für deutsche Privatsender Formate wie «Wer wird Millionär?» oder «Big Brother». Er lernte als Senderchef von Pro 7, wie man das Publikum vor dem Bildschirm fesselt: «Die Herausforderung für die Show an Bord und das Fernsehen ist die gleiche», sagt der 56-Jährige. «Es geht ­immer um Nähe. Je ­enger sich das Publikum den Protagonisten emotional verbunden fühlt, umso erfolgreicher wird der Auftritt.» Brandt ­betont: «Der Konsument lebt heute in einer kalten Welt. Deshalb will er von uns in die Arme genommen werden.»

Aida Nova wird mit einem TV-Studio ausgerüstet sein

Aida, in den Neunzigerjahren von der Deutschen Seereederei in Rostock erfunden, längst aber im Schosse des amerikanischen Kreuzfahrtgiganten Carnival, bewegt derzeit ein Dutzend Schiffe auf den Weltmeeren. Das 13. Flottenmitglied, die Aida Nova, wird ab Dezember 2018 für Aufsehen sorgen. Sie ist mit einem umweltschonenden Antriebssystem ausgestattet – und einem Fernsehstudio, in dem Brandt gerne professionelle TV-Sendungen aufzeichnen möchte.

Einer der Vorzüge Aidas ist neben dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und dem Sportangebot die Unterhaltung an Bord. «Wir bieten klatschen, tanzen, singen, aber das auf höchstem Niveau», erklärt Borris Brandt, «es gibt keine andere Reederei auf der Welt, die eine solche Vielfalt an Formaten bietet wie wir.»

Künstler nehmen auch Rolle bei der Security ein

An zwei Standorten in Hamburg schulen 40 Trainer pro Jahr gegen 600 Artisten, Tänzer, Sänger und andere Künstler. Die Showprofis werden in der ganzen Welt gecastet. Artisten und Tänzer holt Borris Brandt am liebsten aber aus Osteuropa.

Die Reederei pflegt die Details und lässt die Kostüme in House schneidern. 18'500 Teile sind gerade in Umlauf; ein Darsteller zieht sich pro Show bis zu fünfmal um. Im Aida Entertainment Center in Hamburg wird aber auch Sicherheit gepaukt. «Kein Künstler geht an Bord ohne die entsprechende Ausbildung», sagt Brandt. «Wie alle anderen Crewmitglieder nehmen unsere Entertainer klar definierte Rollen in den Security-Konzepten ein.» Welche Shows lieben die Passagiere am meisten? «Abba», sagt Brandt, ohne zu zögern. Sein Ziel: «Nach der Seereise soll der Gast Familie und Freunden erzählen, er habe eines Abends auf der Aida die beste Show seines Lebens gesehen.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 19.01.2018, 13:45 Uhr

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