Brückenbauerin vom Bosporus

Verda Birinci-Reed gehört zu den einflussreichsten Managerinnen der Schweizer Reisebranche. Sie will Kuoni zu altem Glanz zurückführen.

«Wir sind nicht einfach der Ableger eines anonymen deutschen Konzerns», sagt Verda Birinci-Reed, Managerin bei DER Touristik Suisse

«Wir sind nicht einfach der Ableger eines anonymen deutschen Konzerns», sagt Verda Birinci-Reed, Managerin bei DER Touristik Suisse

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Den Titel hat sie nie gesucht; sie will ihn gar nicht hören. Dass ein wenig Wahrheit in den zwei Wörtern steckt, kann sie aber schwerlich bestreiten: Verda Birinci-Reed ist ohne Zweifel «Miss Kuoni».

Die 47-Jährige gilt als eines der neuen Gesichter des berühmtesten Reiseveranstalters des Landes. Allerdings: Als Firma gibt es Kuoni Reisen nicht mehr. Vorbei die Zeiten, als eine Armada steifer ­Anzugsträger mit wichtiger Miene und dickem Bankkonto ein hochrentables Imperium regierte, als Kuoni Teil des Zürcher Nobelfilzes war wie GC, NZZ, Swissair oder die FDP. Der Kuoni-Konzern ist längst in Einzelteile zerlegt, das Reisegeschäft ging an den deutschen Mega-Player mit europäischer Ausstrahlung, DER Touristik. Verda Birinci-Reed, die 18 Jahre beim Münchner Reiseveranstalter FTI Touristik gearbeitet und zuletzt dessen Schweizer Ableger geführt hatte, kam im Januar 2016 zu DER Touristik Suisse und dessen Tafelsilber, den Marken Kuoni und Helvetic Tours.

Arrangements bis zu 20 Prozent günstiger

Birinci-Reed gehört zur fünfköpfigen Führungsriege, in der sie das Veranstaltergeschäft und den Verkauf verantwortet, mit besonderem Augenmerk auf der Marke Kuoni. «Wir sind nicht einfach der anonyme Ableger eines deutschen Konzerns», sagt die Kuoni-Frau, «in Frankfurt kümmert sich ein zwölfköpfiges Produkteteam exklusiv um das Portfolio von Kuoni und Helvetic Tours.» Neu liegen zwölf weisse Kuoni-Kataloge in Deutsch in den Reisebüros. «Noch nie in der Geschichte von Kuoni war das Angebot so breit», wirbt Birinci-Reed. Die beim anspruchsvollen Schweizer Publikum geschätzten Luxushotels blieben im Sortiment, das mit Häusern aus dem grossen Fundus der DER Touristik-Marken DER Tour Deluxe und Meiers bereichert wurde.

DER Touristik Suisse liess die Bekanntheit seiner Premium-Marke erforschen und fand heraus, dass fast jeder Eidgenosse Kuoni kennt, aber viele potenzielle Kunden Respekt vor zu hohen Preisen zeigen. «Wir haben das Portfolio vor allem mit zusätzlichen Viersternhotels ausgeweitet», sagt die Touristik-Expertin mit den schwer zu bändigenden Locken, «dank der Einkaufsmacht unseres deutschen Mutterhauses können wir Kuoni-Arrangements um bis zu 20 Prozent günstiger anbieten als früher.»

Positive Erfahrungen mit «Schweizer­machern»

Obwohl Verda Birinci-Reed zu den wenigen hochrangigen ­Frauen bei Schweizer Reiseveranstaltern zählt, wirkt sie zurückhaltend – ein Wesenszug, der bei vielen Herren der Schöpfung in der Branche fehlt. Sie überlegt, bevor sie einen Satz formuliert, und spricht dabei hartnäckig Hochdeutsch. Birinci-Reed wuchs in Wiesbaden auf und zog 1999 in die Schweiz. In Mellingen AG ist die Deutsche kürzlich eingebürgert worden – und sie hat ­dabei die Aargauer «Schweizer­macher» als angenehm erlebt. «Obwohl ich 100 Fragen beantworten musste, kann ich nur Positives berichten», sagt die frisch gebackene Schweizerin mit türkischen Wurzeln. «Wenn sie in Fahrt kommt und voll im Element ist», verraten Kuoni-Leute, «rutscht ihr schon mal ein schweizerdeutsches Wort raus.»

Tristan, ihr 16-jähriger Sohn, schätze es nicht, wenn Mama sich in Schweizerdeutsch versuche, ­gesteht Birinci-Reed: «Aber ich möchte, dass die Leute mit mir Dialekt sprechen, ich verstehe alles.»

Mitarbeitern ein gutes Gefühl vermitteln

Terry, ihr Mann, ist gebürtiger Amerikaner, die Eltern, «typische türkische Einwanderer», stammten aus Ankara und der Region Adana. Als junge Frau lebte Verda Birinci fünf Jahre in Istanbul und arbeitete dort unter anderem als Flight-Attendant bei der legendären US-Airline Pan Am. Sie ist es von Kindesbeinen an gewohnt, Grenzen zu überwinden und in verschiedenen Kulturen Fuss zu fassen. Heute vermittelt sie täglich zwischen DER Touristik Schweiz in Zürich-Altstetten und den ­Kollegen in Frankfurt. Diese Frau ist die geborene Brückenbauerin. «Ich kann gut mit Menschen umgehen», sagt Verda Birinci. «Zum Glück. Denn wir haben zwei schwierige Jahre und einige schlaflose Nächte hinter uns.» Die grösste Herausforderung bei der Integration von Kuoni in die neue ­Mutter? Birinci-Reed: «Es galt nicht nur, uns technologisch an Deutschland anzubinden, sondern auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein gutes Gefühl zu vermitteln und sie aus der Unsicherheit herauszuführen.»

Die Wächterin über die Marke Kuoni führt 125 Leute. «Ich sitze aber nicht den ganzen Tag im Büro», sagt sie. «Ich will den Puls an der Front fühlen, im Kundendienst oder im Servicecenter ­spüren, was unsere Crew und die Gäste bewegt.»

Talsohle durchschritten

Seit Dieter Zümpe, ein erfahrener Reisemanager, das Zepter in Zürich übernommen hat, geht es mit DER Touristik Suisse allmählich wieder aufwärts. «Der Buchungsstand ist verheissungsvoll», sagt Verda Birinci-Reed. «Wir haben die Talsohle durchschritten, können die Wanderschuhe anziehen und den Berg hochklettern.» Sie sei überzeugt, Kuoni finde zur alten Stärke zurück.

Bricht es der gebürtigen Türkin das Herz angesichts der Tourismusflaute im Lande der Väter? «Ich war eben eine Woche in der Türkei», sagt sie, «die Flugzeuge ­waren voll, die Touristen kommen zurück.» Ein besonderes Auge auf die Kuoni-Destination Türkei, fügt Verda Birinci-Reed hinzu, habe sie nicht: «Seit meinem 18. Lebensjahr reise ich begeistert – in die ganze Welt. Ich habe nicht mal eine Lieblingsdestination.»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.02.2018, 16:15 Uhr

Mallorca-Flüge aufgestockt

Die Frage, die die Reisebranche in den letzten Wochen umtrieb, lautete: Gibt es nach dem Aus von Air Berlin im Sommer zu wenige Flugsitze nach Mallorca? Die Baleareninsel ist weiterhin das zugkräftigste Ziel für Schweizer Badetouristen, obgleich die Hotelpreise in Spanien anziehen. «Mallorca bleibt sehr gefragt», bestätigt Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin, «dennoch sehen wir beim Flugangebot keinen Engpass.»
Andere Airlines sind in die Bresche gesprungen. So verkehrt Edelweiss ab 1. April neu täglich zwischen Zürich und Palma de Mallorca. 2017 hatte die Lufthansa-Tochter die populäre Destination neben einem Vollcharter nur dreimal pro Woche bedient.
Auch Germania stockt auf. «Die Nachfrage für Mallorca wächst bei uns stetig», sagt Germania-Schweiz-Manager Urs A. Pelizzoni. Die im Linien- und Charterdienst operierende Airline fliegt künftig neunmal pro Woche von Zürich nach Palma, Samstag/Sonntag ­zweimal täglich. Eingesetzt wird meistens eine Maschine des Typs A319 mit 150 Sitzplätzen.

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