Auf halbem Weg zum Paradies

Die Åland-Inseln gehören zu Finnland, bilden aber ein eigenes, karges und pittoreskes Universum.

Manche mögens ruhig: Nur Felsen und spiegelglattes Meer. Foto: Tobias Gerber/Laif

Manche mögens ruhig: Nur Felsen und spiegelglattes Meer. Foto: Tobias Gerber/Laif

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Als Tore auf der Handorgel zu spielen beginnt, ist es um uns geschehen. Wir sind hingerissen vom Charme der kleinen Schäreninsel: von Aspö mit seinen elf Bewohnern, den roten Holzhäuschen und den Fischerbooten. Eine Stunde hat die Fahrt mit Tore Johanssons Kutter gedauert von Korpoström, dem letzten Zipfel des finnischen Festlandes, bis nach Aspö. Man glaubt der lustigen Marta, 74, wenn sie sagt: «Dieser Ort liegt auf halbem Weg zum Paradies.» Marta war vor 44 Jahren von Helsinki nach Aspö getuckert, um mit Freundinnen ein Fest zu besuchen. Sie verliebte sich in den einzigen Single der Insel und blieb.

Auf Aspö gibts ein paar Häuser, einen Maibaum, ein paar Schafe, eine stattliche Kirche aus Kalkstein, die auf der Klippe Wind und Wellen trotzt, sowie drei bezaubernde Gästehäuser mit eigener Sauna. Im Bistro bei der Haupt­anlegestelle serviert Tores Frau Eva frische Lachs- und Makrelenbrötchen. Wobei Bistro mit einem ­Augenzwinkern zu verstehen ist. Es handelt sich um einen winzigen Hofladen, wie er für die bewohnten Inseln des Archipels zwischen Finnland und Schweden typisch ist. Eva serviert Besuchern Fischsuppe, Kaffee aus der Kanne und verkauft nebenher selbst geräucherten Fisch, Gemüse und Kunsthandwerk.

Touristenmagnet: Die Festung Kastelholm auf Sund. Foto: Laif

Wir sind nur auf Durchreise, doch es ist klar, wir kommen wieder. Zu den traditionellen Festlichkeiten nach der Robbenjagd, zum Beispiel. Oder zum Mittsommerfest im Juni. Die Insel scheint für die mehrtägigen Feste bekannt zu sein. Wir besteigen Johanssons Schiff. Weitere Inseln ziehen an der MS Amanda vorbei. Nackt die einen, bewaldet die anderen. Hin und wieder mit einem roten Holzhäuschen gekrönt und Steg davor.

Wertvoll ist das Fischereirevier, das zur Insel gehört

Das Archipel umfasst die 20'000 Inseln der finnischen Schärenküste sowie Åland mit 6700 Inseln, das Ziel des mehrtägigen Inselhoppings. Von Insel zu Insel schippern, das geht in der Ostsee zwischen Schweden und Finnland bestens. Als Eiland zählt, was mindestens 3000 Quadratmeter gross ist. Die Inseln bieten vielen Bewohnern finanzielle Sicherheit. 95 Prozent sind in privatem Besitz, allein die Familie Johansson besitzt hundert. Der eigentliche Wert der kargen Eilande und Felsen liegt nicht über, sondern unter dem Wasser. Zu jeder Insel gehört ein Fischereirevier, das oft an Fischereiunternehmen verpachtet wird.

Die meisten Inseln sind wild und touristisch unerschlossen. Kleine Autofähren fahren die grösseren an: Eilande, die ein paar ­Kilometer Strasse zu bieten haben. Kökar mit 246 Einwohnern ist eines davon.

Zum Abendritual gehört der Saunabesuch mit Bier

Die Besucher kommen zum Fischen, Baden, Wandern, Saunieren, Kajak- und Velofahren. Mit einem Charterboot lässt sich die nahe gelegene, unbewohnte Künstlerinsel Källskär entdecken. Sie ist dicht bewachsen mit Erika, Moosen und leuchtenden Büschen. Der Spaziergänger taucht ein in eine ­lila-violette Wunderwelt. Auf Kökar übernachten die Feriengäste in Cottages, im Zelt, im hübschen Hotel Brudhäll direkt am Wasser – oder in der eigenen Kajüte im Hafen. Die Bäckerei des Ortes ist zugleich Café, in dem das weitum bekannte Schwarz- und Knäckebrot verkauft wird, das man mit ­Eierbutter oder Käse essen sollte.

Wer Ruhe sucht, ist an diesem Ort genau richtig. Wer Action sucht, auch. Vorausgesetzt, man versteht unter Action einen zappelnden Hecht an der Angel oder einen Saunagang nach finnischer Art.

Aktivferien: Fischen auf der Insel Föglö. Foto: Laif

Wie das Bier gehört ein Saunabesuch bei den Einheimischen zum Abendritual. Mit einem ­Stallhagen Honigbier in der Hand, schwitzt, trinkt und palavert die Runde, Frauen und Männer getrennt, bis zum Sprung in die dunkle 18 Grad Celsius kühle Ostsee.

Kökar ist ein Teil von Schären-Åland, dessen Einwohner überwiegend Schwedisch sprechen. ­Offiziell gehört Åland zu Finnland, die Region ist selbstverwaltet. So weht denn auch am Heck der Boote eine eigene Flagge mit rotgelbem Kreuz auf blauem Grund.


Die Reise wurde unterstützt von Visit Finnland und Glur Reisen

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 26.01.2018, 15:45 Uhr

Leuchtturm und viel Bargeld



Anreise
Mit Fähre ab Helsinki, Turku oder Stockholm nach Mariehamn, dem Hauptort von Åland, mit der Viking Line, Finnlines, Tallink Silja Line und Eckerö Linjen.

Reiseveranstalter
Skandinavien-Spezialist Glur Reisen hat diverse ­Åland-Programme im Angebot. Glur organisiert in Zusammenarbeit mit lokalen Agenturen auch massgeschneiderte Touren. Glur Reisen,
Tel 061 205 94 94, www.glur.ch

Auf den Inseln
Åland kann man mit Velo, Auto oder zu Fuss erkunden. Ob Leuchtturm, Ferienhäuschen oder eine Insel für sich allein: Den Übernachtungsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Zum Inselhopping aus­reichend Bargeld mitnehmen. Ein Bancomat kann mehrere Inseln entfernt sein. Kreditkarten werden oft nicht akzeptiert.

Beste Reisezeit
Juni bis September.

Allgemeine Informationen
www.visitaland.com, www.visitfinland.com

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