«Leute, flüssig bleiben»

Wer gerne Schiff und U-Bahn fährt, kann in Hamburg einen Beizenbummel mit ungewöhnlichen Aussichten erleben.

Mit dem Schiff durch den Hafen. Foto: Christian Spahrbier

Mit dem Schiff durch den Hafen. Foto: Christian Spahrbier

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«Hamburg, meine Perle»: Bei jedem Heimspiel des HSV singt der Entertainer Lotto King Karl seine Hymne, die zu seiner Heimatstadt eindeutig besser passt als bis zuletzt zu deren bedeutendstem Fussballclub. Vor allem bei gutem Wetter, das sich zu ausgewählten Ereignissen einstellt, leuchtet diese Metropole zauberhaft, und dann ist es keine Zeitverschwendung, gleich zwei ihrer Perlen aufzusuchen: die Alsterperle und die Strandperle.

Das sind zwei ebenso rustikale wie grandios gelegene Lokale, von denen besonders das zweite auch überregionalen Ruhm geniesst. Sie finden sich wie Pole an den Ufern der beiden Hamburger Gewässer. Man kann sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln und einigen Schritten nacheinander ansteuern und dabei eine der besten Touren absolvieren, die deutsche Grossstädte zu bieten haben.

Imbissbude mit Selbstbedienung

Es ist gar nicht teuer, der Fahrpreis von Tresen zu Tresen beträgt alles in allem lohnend investierte 9,10 Euro. Die Alsterperle liegt, man ahnt es, an der Alster, im Viertel Uhlenhorst an der Aussenalster, einer Art Zürichsee mitten in Hamburg.

Bei der Kneipe handelt es sich um eine Imbissbude mit Selbstbedienung und Grill, auf dem ausser an verregneten Abenden zwei Sorten Würstchen braten. Dazu empfiehlt sich ein Getränk, das am Fenster abgeholt und am Wasser ausgetrunken wird. Auf Bänken, in Liegestühlen, im Gras. Vor der Kundschaft glitzert dieser urbane See mit der Skyline der City. Gegenüber versinkt in Sichtweite des Fernsehturms die Sonne, falls sie sich zeigt.

Trinkt man gemütlich ein Bier, dann tun einem die Jogger leid, obwohl das eine wunderbare Laufstrecke ist. Auf der Aussenalster kreuzen ausser Seglern, Ruderern und Stehpaddlern auch motorisierte Alsterdampfer. Geht man ein paar Hundert Meter Fussweg nordwestlich am Uhlenhorster Fährhaus an Bord und bezahlt 6 Euro für drei Stationen, so berechtigt das nach Süden zur Mitfahrt bis zum Jungfernstieg im Zentrum. Einer der beiden Zwischenstopps ereignet sich beim Hotel Atlantic, in dem seit Menschengedenken Udo Lindenberg wohnt. Vom Jungfernstieg führt ein kurzer Spaziergang zum herrlichen Rathaus und zur U-Bahn.

Konzerthaus, Fluss, Welthafen

Die U-Bahn heisst in Hamburg Hochbahn und fährt tatsächlich über zahlreiche Brücken, zum Beispiel auf dieser Linie 3. Sie passiert oberirdisch den Rödingsmarkt und den Baumwall neben einem schiffsähnlichen Verlagshaus, diese Haltestelle trägt inzwischen ausserdem den Namen der Elbphilharmonie schräg gegenüber.

Da öffnet sich der Blick zu dem Konzerthaus, auf den Fluss, auf den Welthafen. Dessen touristischer Mittelpunkt ist an den folgenden Landungsbrücken erreicht – seltsamerweise sagenhaft unpraktisch für Menschen mit Kinderwagen oder eingeschränkter Bewegungsfähigkeit sowie am Quai gänzlich ungeschützt.

Mit Glas oder Flasche im Sand

Wer beim Einstieg in die Metro ein Ticket für 3,10 Euro erstanden hat, darf an Brücke 3 dafür ohne weiteren Zuschlag die Linienfähre Nummer 62 Richtung Finkenwerder besteigen. Im ersten Versuch misslingt das an Tagen, an denen zu viele Passagiere dieselbe Idee haben. «Leute, flüssig bleiben, keine Grüppchen bilden, sonst gehen wir alle von Bord und üben das noch mal», rät der Einweiser beim nächsten Schiff.

Es geht vorbei an Fischmarkt, Trockendocks, Ozeanriesen. Auch für Trauungen ist diese Kulisse sehr zu empfehlen. In Neumühlen betritt man nach elf Minuten wieder Festland, lässt weitere Restaurants liegen und schlendert zur Strandperle, Hamburgs attraktivstem Kiosk. Da sitzt der Gast mit Glas oder Flasche im Sand, schaut auf die Elbe, die Kräne und Dampfer und fragt sich, ob das vielleicht sogar noch schöner ist als die Perle an der Alster.

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 15:38 Uhr

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